Die Gruppe der Helfer vor Ort in dem vom Erdbeben betroffenen Gebiet in Kroatien (v.l.): Georg Gantner, Michael Dauelsberg, Franz Gruber, Uli Dauelsberg, Frederik Gerstner und ansässige Koordinatoren
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Die Gruppe der Helfer vor Ort in dem vom Erdbeben betroffenen Gebiet in Kroatien (v.l.): Georg Gantner, Michael Dauelsberg, Franz Gruber, Uli Dauelsberg, Frederik Gerstner und ansässige Koordinatoren.

Engagierte Menschen aus dem Landkreis unterstützen Kroatien

Hilfsbereitschaft in drei Sprintern: Solidarität mit Erdbebenopfern

  • Michael Seeholzer
    vonMichael Seeholzer
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Im Landkreis Ebersberg haben sich Menschen zu einer spontanen Hilfsaktion für das von einem Erdbeben heimgesuchten Kroatien zusammengetan. Gelebte Solidarität mit Katastrophen-Opfern.

Landkreis – Der Jahreswechsel stand für diese Menschen unter ganz schlimmen Vorzeichen: Eine Serie von Erdbeben hat in Kroatien, etwa 50 Kilometer südlich der Hauptstadt Zagreb, Todesopfer gefordert und unzählige Häuser unbewohnbar gemacht. Auch ein kleines Mädchen starb. Im Landkreis hat das Glonner Brüderpaar Ulrich und Michael Dauelsberg am Wochenende eine spontane Hilfsaktion auf die Beine gestellt. Die Resonanz darauf war groß, obwohl es das Unglück kaum bis in die deutschen Medien schaffte.

„Mitten in Europa sind momentan 50 000 Leute obdachlos“, berichtet Michael Dauelsberg, der als Rettungssanitäter in der Integrierten Leitstelle in Erding arbeitet. Am Sonntagmorgen verteilte eine Gruppe Helfer aus dem Landkreis Hilfsgüter, die sie mit drei Sprintern über Nacht selbst ins Krisengebiet transportiert hatten – unter Einhaltung aller Corona-Vorsichtsmaßnahmen.

„Die Erde bebt nach wie vor“, berichtet der Rettungssanitäter vor Ort sichtlich geschockt. „Mir fehlen nach 22 Jahren Rettungsdienst selten die Worte. Aber hier beginnt es“, schildert der 34-Jährige seine Eindrücke.

Viele Häuser im kroatischen Erdbebengebiet sind nicht mehr bewohnbar.

Als sich nachts in Grafing die Nachricht von der spontanen Hilfsaktion herumspricht, wollen viele einen Beitrag leisten. Daniel Röber (42) zum Beispiel hat eine Whatsapp-Gruppe „Vereinte Nachbarschaft“. „Innerhalb von wenigen Stunden kamen 400 Kilogramm Hilfsgüter zusammen“, freut er sich über die Spendenbereitschaft der Bewohner rund um die Pfarrer-Dr.--Rauch-Straße. Unter anderem gaben die Grafinger ihre eigenen Schlafsäcke her, denn die Menschen in dem von den andauernden Beben betroffenen Gebiet trauen sich nicht mehr in ihre Häuser, viele müssen bei der Kälte ohne Strom draußen kampieren.

Planung innerhalb von 24 Stunden

Das Brüderpaar aus Glonn und vier Freunde aus der Region hatten nicht viel Zeit, ihre effektive Soforthilfe auf die Beine zu stellen. Mit an Bord sind auch zwei Notfallsanitäter. Und obwohl die Planungszeit für die Aktion ganze 24 Stunden betrug, war doch eine „extreme Resonanz und Unterstützung aus dem Landkreis aus privater Hand“ zu verzeichnen. Es kamen fünf Tonnen Hilfsgüter zusammen: Lebensmittel von lokalen Unterstützern wie 200 Brote und 500 Liter Getränke, Konserven, warme Winterkleidung, Feldbetten, Schutzmasken, Heizgeräte und vieles mehr.

Ziel der Aktion sei es zunächst gewesen, eine zielgerichtete, unbürokratische und persönliche Unterstützung in der Region von Familien und Bedürftigen mit dem Notwendigsten zu erreichen, damit sie die nächsten Wochen, aber eigentlich auch den ganzen Winter überstehen können. Es fehlt an vielem, unter anderem in der derzeitigen Situation besonders auch an Desinfektionsmitteln und medizinischem Material.

Weitere Versorgung in den nächsten Tagen geplant

Weil in drei Sprintern der Platz beschränkt ist, wollen die Glonner Brüder in den kommenden Tagen eine weitere zusätzliche Versorgung auf den Weg bringen, je nach aktueller Bedarfsfeststellung vor Ort. „Wir waren sozusagen das Erkundungskommando“, sagt Michael Dauelsberg. „Es ist unwirklich hier“, schildert der Sanitäter die Lage. Nach der Premiere hoffen die Helfer auch weiterhin auf „behördlichen Verzicht auf Einschränkungen bei den Einreisen“. „Sicherheit, persönlicher Schutz und Hygiene stehen dabei im Vordergrund“, versichert der Rettungssanitäter, der Erfahrung hat mit derartigen Hilfsaktionen. Die EU hat inzwischen ebenfalls Unterstützung zugesagt. Das EU-Katastrophenschutzteam sei „bereit, nach Kroatien zu reisen, sobald es die Situation erlaubt“, schrieb Kommissions-chefin Ursula von der Leyen.

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