Der Hausmeister

Hohenlinden - Von Beruf ist Franz Czech Schlosser bei der Firma Lentner. In der Freizeit beschäftigt sich der Hohenlindener mit Filigranerem.

Der 58-Jährige pflegt Nistkästen im Forst und in seinem eigenen Garten in der Oberen Steinstraße. Hektische Betriebsamkeit macht sich breit am Rande Hohenlindens im Garten von Franz Czech. Der erste Regen seit Langem scheint den Meisen und Amseln nach einer stattlichen Durststrecke geradezu neues Leben eingehaucht zu haben. Da wird sogar eine mit Regenwasser vollgelaufene Schale, gedacht eigentlich für Katzen, plötzlich zur beliebten Badestelle. Die Niederschläge der letzten Tage: Die Landwirte sind froh darum. Und auch Franz Czech. Mit Sorge hat der Hohenlindener zuletzt beobachtet, wie sehr die heimischen Vogelarten unter der Trockenheit litten.

Dass sich Czech, aufgewachsen in Neustockach mitten unter Hasen, Hühnern, Fasanen und Wildenten, mit ornithologischen Fragen befasst, ist noch recht frisch. „Ich hatte eine sehr schöne Kindheit in Neustockach, fast täglich muss ich noch daran denken. In meiner Nähe waren vier Bauernhöfe, da Daxberger, da Hochstrasser, da Ostermeier und da Brunner. Dort habe ich viel Zeit verbracht. Da war es einfach überall griabig. Beim Daxberger war ich fast schon wie zuhause“, schwärmt er noch heute.

Bei sich daheim beginnt das Interesse an Vögeln mit einem Himbeerstrauch, für den der Schlosser ein Stützgestell mit vier Pfosten baute. Daran befestigte er schließlich einen ersten Nistkasten für Meisen. Und schon eine Woche später konnte er beobachten, dass dort Leben eingezogen war.

Das motivierte. Und animierte dazu, ein kleines Häuschen im Garten zu errichten, in dem weitere Nistmöglichkeiten geschaffen wurden. Von den drei neuen Nistkästen aber wird immer nur eines bewohnt. „Der Konkurrenzkampf ist groß“, sagt der 58-Jährige. Und das Nahrungsangebot in der Umgebung offenbar begrenzt.

Doch Czech hatte ein Problem. Gleich zweimal passierte es ihm - so vor gut vier, fünf Jahren, dass alle Tiere in einem Nistkasten tot sind. Sogar einen externen Fachmann in Oberschleißheim schaltet er ein, einen Hinweis auf die Ursachen findet auch der nicht. Dafür reagiert Czech, der inzwischen zu einem echten Vogelfreund geworden ist. Er baut eine Kamera ein, projiziert die Livebilder via Internet auf seinen Großbild-Fernseher im Wohnzimmer. Wird so Augenzeuge eines jährlichen Verdrängungswettbewerbs. Dass die Schwachen auch weiterhin sterben, kann er nicht verhindern. Wohl aber die toten Jungtiere frühzeitig aus dem Nistkasten nehmen und damit dafür sorgen, dass die Überlebenschancen der Verbleibenden steigt.

Derartig Dramatisches kommt in den fast 90 anderen Nistkästen auch vor, die Czech inzwischen auf besondere Bitte der Bayerischen Staatsforsten Wasserburg in einem 2,5 Quadratmeter großen Areal im Ebersberger Forst ehrenamtlich seit 2014 auch noch betreut, nicht vor. Im Bereich Hasengeräumt, Rotsäulerl und Hochstraß-Geräumt kümmert er sich vorwiegend an den Wochenende um die dort installierten Nistkästen. Bewohnt werden sie von Meisen und Kleibern, aber auch zunehmend von Siebenschläfern, Hornissen und sogar Mäusen. Zweimal im Jahr finden diese Kontrollen statt. Dann geht’s ums Reinigen und darum, Beschädigungen zu beseitigen. Ein echter Fachmann dafür ist Peter Lürken aus Forstinning. Czech sagt anerkennend über den Mitstreiter beim Landesbund für Vogelschutz: „Der wirft nichts weg, der macht eher aus zwei kaputten Nistkästen einen neuen“. An den Job, Nistkästen im Forst zu kontrollieren, kam der Hohenlindener per Zufall. Ihm war einst bei Spaziergängen aufgefallen, dass drei Viertel beschädigt waren. Er wandte sich schriftlich an die Wasserburger Forstbehörde - und hatte ein Ehrenamt.

Besonders heuer ist viel kaputtgegangen. Die Stürme haben ganze Arbeit geleistet. Aber Jungtiere sind dabei, so Czechs Beobachtungen, nicht zu Schaden gekommen. „Glück im Unglück“ nennt er das.

Haupteinsatzzeit wird demnächst sein; im November. Vorher aber bastelt der Handwerker noch an einem neuen Projekt. Weil die von ihm angefertigten Filmaufnahmen aus seinem Nistkasten wegen der Lichtverhältnisse nur in Schwarzweiß dargestellt werden können, hat Czech eine LED-Technik angeschafft. Wenn die so funktioniert wie gewünscht, können demnächst auch Farbaufnahmen entstehen. Zu sehen ist das alles im Internet. Czech hat die Homepage „hohenlinden.info“ ins Leben gerufen. Dort gibt es einen (technischen) Weg weiter in einen der Nistkästen. Auf der Seite findet sich auch Vieles über die Geschichte seiner Heimatgemeinde. Es ist aber, betont er, nicht der offizielle Internetauftritt der Gemeinde, sondern sein Steckenpferd.

Darüber hinaus betreibt Czech - und das schon seit 2006 - eine weitere Seite im Internet: ebersberger-forst.com. Eine Seite, vollgestopft ist mit weiteren Informationen und Links über den Wald. Und mit Tipps bzw. Bitten an Vogelfreunde der Region. Zum Beispiel, dass mehr Wildsträucher wie Sauerdorn, Kreuzdorn, Brombeere, Kornelkirsche, Holunder oder Heckenkirche den Vögeln außerordentlich hilfreich seien. Die Intention dahinter: Mehr Menschen sensibler machen für die Natur. Deshalb bietet Czech in den Herbstferien auch eine Extraveranstaltung für Kinder an (siehe Kasten). Unterstützt wird es u.a. von der Gemeinde, die vier Nistkästen für Baumläufer spendiert. Zusammen mit Czech werden die Kinder sie an geeigneter Stelle aufhängen. Die Pächterin der Sauschütt, Nicole Haas, hat schon signalisiert, die Kinder kostenlos mit einer Brotzeit zu bewirten.

Internet

www.hohenlinden.info

Von Jörg Domke

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