Grippeimpfung
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Wer sich gegen Grippe impfen lässt, hat gute Chancen, nicht krank zu werden. 

„Wir laufen total auf Hochtouren“

Ansturm auf Grippe-Impfstoff: Bayerischer Landkreis meldet Engpässe - Nachteil für Privatpatienten

Die Nachfrage nach dem Grippe-Impfstoff ist aufgrund der Corona-Pandemie in diesem Jahr stark angestiegen. Im Landkreis Ebersberg kommt es bereits zu Engpässen.

  • Wegen der Corona-Pandemie ist die Nachfrage nach Grippe-Impfungen in diesem Jahr hoch.
  • Im Landkreis Ebersberg wird der Impfstoff deshalb bereits schon jetzt langsam knapp.
  • Vor allem für Privatpatienten wird das zum Nachteil.

Landkreis – An Grippeschutzimpfungen besteht wesentlich mehr Nachfrage, als die Jahre zuvor, melden Apotheken und Ärzte aus dem Landkreis. Daher kommt es zu Engpässen und Verzögerungen. Viele Patienten warten auf die Impfung – manche vergeblich.

Daniela Suhle, aus der Sankt-Ulrich-Apotheke in Pliening erklärt, dass die Ärzte bereits im Februar die Bestellmengen in den Apotheken und Firmen angeben mussten. „Da war Corona noch kein großes Thema und dementsprechend der geschätzte Bedarf niedriger“, sagt sie. Laut Dr. Katja Tritzschler, Hausärztin aus Moosach, steigt die Nachfrage seit Mitte September, als auch die Impfstoffe noch ausgeliefert wurden. Zur Influenza-Impfung rät Tritzschler normalerweise nur Personen aus Risikogruppen. Also Menschen ab 60 Jahren sowie mit geschwächtem Immunsystem oder chronischer Erkrankung. Doch dieses Jahr melden sich vermehrt gesunde, jüngere Patienten sowie Menschen, die sich normalerweise nicht impfen ließen, bemerkt die Ärztin.

Grippe-Impfung im Landkreis Ebersberg: Privatpatienten müssen lange warten

Privatversicherte müssen sich aus organisatorischen Gründen selbst mit einem Rezept den Grippeimpfstoff in der Apotheke holen. Gerade sie müssen lange Wartezeiten und Reservierungen „ohne Gewähr“ in Kauf nehmen, erklärt Apothekerin Suhre. „Alles an bestelltem Impfstoff kam pünktlich und war innerhalb der letzten Wochen komplett weg“, sagt sie. Das habe sie nicht erwartet. Auch Apotheker Merlin Zakrzewski aus der Forstapotheke Hohenlinden stellt fest: „Wir laufen total auf Hochtouren.“ Die Firmen kämen mit dem Ausliefern nicht hinterher. Es komme zu immer mehr Verzögerungen.

Grippe-Impfung wegen Corona-Angst: Privatpatienten teilweise im Nachteil

Dr. Marc Block aus Zorneding, Internist, Hausarzt und während des Corona-Katastrophenfalls Versorgungsarzt für den Landkreis, erklärt sich die Nachfrage so: Wegen Corona sei die Furcht vor einer Parallelinfektion groß. „Dafür gibt es zwar keinerlei Belege oder Erfahrungen, aber die Angst ist da“, sagt Block. Auch die Nachfrage an Pneumokokken-Impfungen, also gegen bakterielle Lungenentzündung, sei gestiegen. Diese Impfung empfiehlt der Mediziner normalerweise nur Risikopatienten.

Impf-Empfehlung nur für Risikopatienten: Arzt gibt Tipps zum Schutz in der kalten Jahreszeit

Rund 25 Millionen Impfstoff-Dosen haben die Ärzte in Deutschland für dieses Jahr bestellt. Diese haben die Firmen produziert und ausgeliefert und werden „verimpft“, so der Zornedinger Arzt. Allerdings zählen bundesweit rund 40 Millionen Menschen zu einer Risikogruppe. Auch im Landkreis Ebersberg wird es also wohl weniger Impfdosen geben als Menschen, denen der Mediziner zu der Spritze raten würde. Er sagt voraus, dass erst mal keine weiteren Lieferungen zu erwarten sind: „Wenn die weg sind, kommt dieses Jahr auch nichts mehr nach“.

Dabei sei dank der pandemiebedingten Hygienemaßnahmen die Gefahr einer Ansteckung mit Grippe deutlich geringer als sonst, so Block. Er erwartet weniger klassische Grippen als die Jahre zuvor, denn schon im Frühjahr 2020 ebbte die Grippewelle auffällig ab. Weil die Leute begannen, Masken zu tragen und mehr auf die Hygiene zu achten, erklärt er. Dies stellt auch Apotheker Zakrzewski aus Hohenlinden fest: „Der Bedarf an Erkältungspräparaten ist – zumindest bisher – niedriger als die Jahre zuvor.“ Wie jeder möglichst gesund durch die kalte Jahreszeit kommt, da sind sich die Apotheker und Ärzte einig: Warm anziehen, gesunde Ernährung und sich an die Hygieneregeln halten.

Raffael Scherer

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