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Ein riesen Schock ist dieser Brief der Radiologie für Karin Bachmaier (55): Sie fordert, dass zukünftig anders formuliert werden soll. 

„Ich habe nur noch funktioniert“

Frau bekommt nach Mammographie Post vom Arzt und durchlebt die Hölle - dabei ist alles anders

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Als Karin Bachmaier aus Hohenlinden am Abend nach der Arbeit den Brief ihres Radiologen aus München öffnet, bei dem sie ihre Brustkrebsvorsorge machen hat lassen, schnürt es ihr die Luft ab.

Hohenlinden –  Die Röntgenaufnahme der Frau sei von drei qualifizierten Ärzten begutachtet worden, steht da. Und: Es sei eine Auffälligkeit festgestellt worden sein. „Dies muss für sie kein Anlass zur Sorge sein, aber wir möchten den Befund gerne abklären“, heißt es.

Für die 55-Jährige fühlt sich die Nachricht an, wie ein freier Fall, ein Schlag mit der Faust ins Gesicht, sagt sie. Sie sei vollkommen unvorbereitet gewesen. Sie habe nicht mit einer Befundbenachrichtigung auf die Weise gerechnet.

Karin Bachmaier rechnet mit der Diagnose Krebs

Womit sie ab diesem Zeitpunkt aber rechnet? Mit Krebs. Erst in fünf Tagen bekommt sie einen Termin in einem speziellen Mammografiecenter in Unterföhring. Tage, in denen man sich die Gräuel einer Krebserkrankung ausmale, wie sie sagt. Bei dem Termin stellt sich heraus: Es ist kein Krebs. Die Ärztin habe alles fürsorglich erklärt. Vor Erleichterung muss Karin Bachmaier im Arztzimmer weinen.

Doch die 55-Jährige ist sauer: Der Standardbrief, den sie von ihrem Radiologen bekommen habe, sei vollkommen unpersönlich und wenig empathisch formuliert. „Das kann man auch anders schreiben“, sagt sie. So wie ihr gehe es wohl vielen Frauen nach der Krebsvorsorge, vermutet die Hohenlindenerin. Dass sie durch die „unglückliche Formulierung“ denken, dass sie Krebs haben. Denn nachdem die Frauen solche Briefe bekommen, müssen sie erst auf eine Nachuntersuchung und ein persönliches Gespräch mit einem Mediziner warten.

„Ich hatte fünf Tage Hölle auf Erden“

Diese quälende Wartezeit wünscht Bachmaier niemandem: „Ich hatte fünf Tage Hölle auf Erden, war mit meinen Nerven am Ende, habe nur noch funktioniert.“ Die 55-Jährige denkt immer und immer wieder: „Warum?“

Zu einem sogenannten Mammographie-Screening, also der Früherkennung von Brustkrebs, lädt die Kassenärztliche Vereinigung Bayerns (KVB) Frauen im Alter von 50 bis 69 Jahren ein. Darin soll über die Erkrankung und Möglichkeiten, wo Frauen die Vorsorge machen lassen können, informiert werden, wie eine Sprecherin der KVB erklärt.

Auch Bachmaier bekam bereits vor Jahren diese „Einladung“. Sie hält es für eine gute Sache. Wäre da nicht der aus ihrer Sicht missglückte Brief.

„Auch Standardtexte können geändert werden und in diesem Fall wäre das unbedingt notwendig. Warum quält man Patienten unnötigerweise so?“, fragt die 55-Jährige. Sie fordert Ärzte und Einrichtungen auf, mit Patienten feinfühliger umzugehen. Schließlich gehe es um eine mögliche schlimme Diagnose.

Wie der Brief formuliert ist, liegt beim Arzt

Die Sorge Bachmaiers kann Corinna Heinrich, Sprecherin der Kooperationsgemeinschaft Mammographie mit Sitz in Berlin, verstehen. Die Gemeinschaft zertifiziert Praxen, wie die, in der Bachmaier war, solche Untersuchungen durchzuführen. Einen Standardbrief, der vorformuliert ist, gebe es jedoch laut Heinrich nicht. Das obliege dem Arzt, wie ein solches Schreiben an Patienten formuliert werden.

Zu den konkreten Fall könne sich die Sprecherin nicht äußern, weil sie Details nicht kenne. Sie sagt aber allgemein zu solchen Benachrichtigungen: „Vielleicht kann man es sensibler formulieren.“ Dass überhaupt per Brief benachrichtigt werde, habe mit der Masse an Patienten zu tun. Dennoch gebe es Praxen, berichtet Heinrich, die bei „Auffälligkeiten“ in der Untersuchung telefonisch – und damit wesentlich persönlicher – benachrichtigen und erklären, dass es eine weitere Vorsorgeuntersuchung bedürfe. Eine Erklärung, die sich auch Karin Bachmaier lieber gewünscht hätte.

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