Wenn es nach dem Kultusministerium geht, sollen sich Grundschüler vor Schulbeginn im Klassenzimmer selbst testen. Bei den Eltern stößt dies auf viel Kritik.
+
Wenn für Schüler es nach dem Kultusministerium geht, sollen sich Grundschüler vor Schulbeginn im Klassenzimmer selbst testen. Bei den Eltern stößt dies auf viel Kritik.

Forderung nach Tests für daheim

Eltern-Kritik an Corona-Selbsttests für Schüler

  • Michael Seeholzer
    vonMichael Seeholzer
    schließen

Schüler sollen sich selbst auf das Coronavirus testen. Im Landkreis Ebersberg ab dem Ende der Osterferien. So manche Eltern sehen die Vorgehensweise kritisch.

Landkreis – Mit einem Test verbinden Schüler nicht automatisch etwa Positives. Aber wenn das Ergebnis in diesem Fall „negativ“ ist, wäre das positiv für alle. Es geht um die Corona-Schnelltests. 59 400 der geplanten 92 000 Sets sind laut Landratsamt geliefert und an die Schulen verteilt. Dort sollen sich die Schüler nach den Osterferien selbst testen – freiwillig und kostenlos. Dafür gibt es nicht von allen gute Noten. In der Elternschaft rumort es. Auch eine Online-Petition läuft. Zielrichtung: zuhause testen.

Der Organisationsvorlauf erfordert erheblichen Aufwand von den Schulen. Michael Pollak, der Rektor der Grund- und Mittelschule Aßling berief am Mittwoch kurzfristig eine Lehrerkonferenz ein. Er habe spontane Hilfsangebote von Eltern und der örtlichen Apotheke bekommen. Den Lehrern solle vorgeführt werden, wie diese Untersuchungen richtig gehandhabt werden.

Kein positiv getestetes Kind soll „abgeführt“ werden

Pollak beschäftigt vor allem eine Frage: „Was passiert, wenn ein Kind positiv ist?“ Es dürfe keinesfalls die Situation eintreten, dass das Kind dann quasi „abgeführt“ werde. Eher müsse das so gehandhabt werden, als wenn ein Kind – so wie früher eben – nur „Bauchweh“ hatte.

Diana Mihic, die Elternbeiratsvorsitzende der Grundschule an der Karl-Sittler-Straße in Poing, glaubt nicht, dass das ohne Stigma funktionieren wird. „Die Kinder wissen, dass vorher ein Test gemacht wurde. Sie sollten lieber zuhause getestet werden.“ Das sei zudem mit dem Vorteil verbunden, dass die kleinen Schüler dann nicht einmal in Kontakt mit den anderen Klassenkameraden kommen würden, die sie infizieren könnten. Außerdem sagt Mihic: „Durch die Tests fallen Unterrichtsstunden weg. Die Lehrer sind in dieser Situation auch so schon überlastet.“

Gesprächsbedarf scheint jedenfalls vorhanden zu sein. Alexander Bär, der Rektor der Grund- und Mittelschule Ebersberg, berichtet: „Wir kommunizieren viel mit den Eltern.“ Nach Ostern sehe man weiter, meint er.

Test-Stress

Je kleiner die Probanden sind, desto bedrohlicher wird ihnen wohl ein Test vorkommen. Das ist deshalb auch Thema eines Kurzvideos namens „Alex beim Coronatest“ auf der Homepage des Landratsamtes. Das soll helfen, jüngere Kinder auf das vorzubereiten, was sie im Diagnostikzentrum erwartet. Zu sehen sind dabei das Testpersonal in Schutzanzügen und der gesamte Ablauf inklusive Rachenabstrich. Die Rolle des Kindes wird mit einer Handpuppe mit Mundschutz dargestellt, informiert das Landratsamt.

Mathias Paul (37) aus Hohenlinden gehört zu den Eltern, denen die staatlichen Maßnahmen überhaupt nicht mehr einleuchten, mehr noch, er sieht „das Kindswohl gefährdet“. Sein Vorwurf: Es werde auch „falsch positiv getestet“, behauptet er, mit Konseqenzen für die jeweils ganze Familie. Sein eigener Sohn (5) sei „einfach per E-Mail“ in Quarantäne geschickt worden, ohne dabei zu prüfen, ob er im relevanten Zeitpunkt überhaupt Kontakt zu dem betreffenden Kind im Kindergarten gehabt habe. Die Kinder hätten inzwischen „Angst vor dem Virus durch diese ganze Testerei“, die Eltern seien in großer Sorge wegen der persönlichen finanziellen Konsequenzen.

Was macht das Testen mit den Kindern?

Die Angst der Kinder versetzt auch Die Poinger Elternbeiträtin Mihic in Sorge. Sie fragt sich, was in einem kleinen Schüler vorgehen muss, der plötzlich von seinen Klassenkameraden getrennt wird und dann darauf warten muss, bis er vielleicht nach einer Stunde von seinen Eltern abgeholt wird. „Möglicherweise hat er ja auch schon einen Verwandten verloren“ wegen Covid-19 gibt die Mutter von drei Kindern (sieben, zehn und zwölf Jahre alt) zu bedenken.

Gegen das Testen in der Schule sei eine Online-Petition gestartet worden. Das ist beileibe nicht die einzige Initiative. In Nordrhein-Westfalen heißt die Aktion zum Beispiel „Selbsttests gehören in Elternhände“. „Ich bin mir sicher, dass in unserer Schule nicht einmal die Hälfte der Eltern einem freiwilligen Test in der Schule zustimmen würde“, sagt die Poinger Mutter. Ihr Vorschlag: Die Eltern für die Testungen zuhause mit einer ausreichenden Anzahl von Untersuchungskits versorgen. „Das wäre viel besser“ als Selbsttests in der Schule, ist Mihic überzeugt.

Alle Nachrichten aus dem Landkreis Ebersberg bei der Ebersberger Zeitung. Übrigens: Alles aus der Region gibt‘s jetzt auch in unserem neuen, regelmäßigen Ebersberg-Newsletter.

Auch interessant

Kommentare