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Alle Tische sind belegt im Bürgersaal in Hohenlinden bei der Hilfsaktion für Julia. 

Große Hilfsaktion in Hohenlinden

Fast 1000, die der krebskranken Julia (14) helfen wollen

Ein ganzes Dorf ist auf den Beinen, um Speicheltests abzugeben. Es geht darum einen Knochenmarkspender für die krebskranke Julia (14) aus Hohenlinden zu finden. 

Hohenlinden –Wer nicht wusste, dass es im Wendlandhaus um eine Typisierungsaktion für die an Blutkrebs erkrankte 14-jährige Julia ging, hätte anhand des Besucherandrangs und der vielen Autos rings um die Halle auf ein Fest getippt. Doch die immerhin fast 1000 Menschen waren alle gekommen, um mittels eines Abstrichs der Wangenschleimhaut ihr Gewebe bestimmen zu lassen. Vielleicht ist ja jemand dabei, dessen Merkmale mit denen des jungen Mädchens übereinstimmen - er oder sie wäre damit der Held, der Julia, derzeit in der Haunerschen Kinderklinik in München, helfen könnte.

Nicht enden wollende Schlange

Tatsächlich standen die Spendenwilligen, meist aus den Landkreisen Ebersberg und Erding, in einer nicht enden wollenden Schlange vom Eingang des Wendlandhauses bis hinauf in den Saal. Dort warteten bereits an 40 Tischen Freiwillige aus dem Ort: um die Daten der Spender aufzunehmen, sie nochmals genau über den Verlauf der Typisierung zu informieren, ihr Einverständnis abzufragen und schließlich mit einem Wattestäbchen den alles entscheidenden Abstrich vorzunehmen.

Helfer sind überwältigt

„Bisher hatten wir noch keine Minute Leerlauf“, gab sich Alois Fruth, einer der Hauptinitiatoren der Aktion aus Isen, ebenso zufrieden wie überwältigt. „Ich hätte nie geglaubt, dass so viele Leute kommen, um sich testen zu lassen. Schließlich ist Sonntag, draußen scheint die Sonne, viele denken da doch eher an einen Ausflug. Und trotzdem lässt der Ansturm nicht nach“.

Bürokratie gehört dazu

Tatsächlich hatten alle Helfer gut zu tun, denn auch nach der eigentlichen Spende wartete noch ein Verwaltungsschritt. Jetzt prüften andere Freiwillige nochmals die Richtigkeit der Daten. Schließlich sollte alles so korrekt verlaufen, wie es die Regeln des Vereins der Deutschen Knochenmarkspende (DKMS) vorgeben. Denn im Fall einer - natürlich erhofften - Übereinstimmung von Gewebe zwischen Spender und der kranken Julia muss das Zusammenführen beider Personen möglichst schnell und korrekt verlaufen.

Auch Spenden willkommen

Aber auch Spenden waren willkommen. Tatsächlich landeten jede Menge Geldscheine in den gläsernen Boxen, die u.a. von Monika Pirkel aus Forstern und Barbara Meyer aus Hohenlinden „bewacht“ wurden. „Jeder, der mindestens 50 Euro gespendet hat, bekommt auf Wunsch von uns ein Papier, das er bei der DKMS gegen eine Spendenbescheinigung eintauschen kann“, erklärten die beiden Damen. „Wir haben aber auch noch größere Geldzuwendungen erhalten, direkt auf das Konto unseres Intern 3-Vereins, der sich um Julia kümmert“, ergänzte Fruth. Immerhin kostet jede Typisierung 35 Euro, und auch für die Organisation in der Halle musste einiges investiert werden.

Viele Vereine engagieren sich

Dabei, so Fruth ganz stolz und bewegt zugleich, „haben wir sehr viel Hilfe aus dem gesamten Ort erfahren. Viele Vereine hatten sich engagiert: Die Feuerwehr übernahm die Einweisung beim Parken, Pfadfinder und Gemeindearbeiter vom Bauhof halfen tatkräftig bei Auf- und Abbau, der Burschenverein kümmerte sich um die Verpflegung mit Brotzeiten und Getränken. Sie hatten einfach das Mobiliar vom Dorffest am Samstag noch einmal verwendet“.

Sachspenden treffen ein

Auch viele Sachspenden trafen ein. So hatte die Forstinger Brauerei viele Getränke umsonst geliefert, der örtliche Rewe-Markt brachte 100 Kilogramm Obst. Katharina Lang, Pächterin des Wendlandhauses, stellte den Kaffee gratis. Und es wurden über 100 verschiedene Kuchen aus dem Ort angeliefert, die dann von Mitgliedern des Gartenbauvereins und der Frauengemeinschaft verkauft wurden.

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„Was wir hier erlebt haben, ist enorm“, resümierte Alois Fruth, „ich habe noch nie zuvor eine solche Hilfsbereitschaft erlebt, das hier ist ein wahrlich positives Zeichen einer gelebten und funktionierenden Dorfgemeinschaft“.

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Jetzt bleibt nur noch zu hoffen, dass die Mühe von vielen am Ende auch einer einzelnen hilft. 

Friedbert Holz

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