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Schlechtes Wetter gibt es nicht. Auch im Winter radelt Helmut Müller (79) durch den Landkreis. 

Ein Leben für den Sport

Sein Fahrrad hält diesen 79-Jährigen am Leben

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Helmut Müller ist 79 Jahre alt und fit wie ein Turnschuh. Und das, obwohl er künstliche Hüften hat. Er verrät sein Rezept und wovor er Angst hat. 

Hohenlinden – Helmut Müller (79) hat große Angst. Was, wenn er es irgendwann nicht mehr aus dem Haus schafft? Wenn er nicht mit dem Rennrad stundenlang bei Wind und Wetter durch den Ebersberger Forst düsen kann? Er sagt: „Mir wird heute schon Angst.“ Es gebe einige in seinem Alter, die es bereits erwischt hätte, die schafften es nicht mehr nach draußen. Davon will Müller nichts wissen. Bei ihm ist es (noch) anders.

Morgens, halb zehn, Hohenlinden. Helmut Müller zieht sich seine rote Wind-Stopperjacke an und greift nach seinem Helm. Alles wie immer, wie jeden Tag. An diesem Mittwoch will der 79-Jährige nach Ebersberg. Mit dem Rennrad. Schwarz und aus Carbon ist das Gefährt, und damit extra leicht. Es ist eine Profiausrüstung, die bei Müller gut investiert ist. Einfach sind es 20 Kilometer nach Ebersberg. Um die 75 Minuten wird er brauchen. „Eine ganz vernünftige Zeit“, wird er später in Ebersberg sagen. Bei Müller dreht sich um Sport. „Mein Fahrrad hält mich am Leben“, sagt er. Jeden Tag ist der 79-Jährige stundenlang mit dem Radl unterwegs – zwischen 40 und 90 Kilometer strampelt er durch den Kreis und Oberbayern.

Frühsport um 5.30 Uhr

Helmut Müllers Motivation dafür beginnt in seiner Jugend. Er macht eine Lehre zum Friseur, um später den Friseurladen seines Vaters in Hohenlinden übernehmen zu können. „Als Ausgleich zur Arbeit habe ich mit Sport begonnen“, erzählt Müller. Alles Mögliche habe er probiert: Fußball. Waldlauf, den er irgendwann aufhören musste, weil es die Gelenke nicht mitmachten. Seine Ausbildung absolvierte er in München, wohin er aus dem Landkreis pendeln musste. Um 5.30 Uhr stand er auf und machte 30 Minuten Sport vor der Arbeit. Er ging Laufen.

Auch mit Tennisspielen habe Müller begonnen, sich aber „wie ein Tollpatsch angestellt“, wie er sagt. Er muss lachen. Mit 32 Jahren hat er dann das Radeln entdeckt und sich ein Rennrad, später ein Mountainbike besorgt. Seitdem, seit 47 Jahren, radelt Müller. Das Gewicht des Körpers ist auf dem Sattel, die Gelenke werden geschont, die Durchblutung in allen Körperteilen gefördert und es hält gesamtheitlich fit. Wenn Müller so fürs Radfahren schwärmt, klingt es wie aus der Apotheken-Umschau abgelesen. Wer ihn beobachtet und kennt, hat aber den Beweis, dass es wohl stimmt.

Gemüsereis oder Schweinebraten?

Müller schiebt sein Carbonrad über das Kopfsteinpflaster am Ebersberger Marienplatz. Seine Klickschuhe klackern bei jedem Schritt, sodass Passanten um ihn herum interessiert schauen. Mittwochs ist in der Kreisstadt Markt und das erste Anlaufziel Müllers. Es gibt thailändisches Essen an einem der Stände am Platz: Reis, Gemüse, Currysoße. „Natürlich schaue ich auf meine Ernährung“, beginnt er bei Gemüsereis zu erzählen. Das sei schon immer so gewesen in seinem Leben: Lebensmittel mit wenig Fett. „Natürlich habe ich aber auch mal gesündigt“, erzählt er weiter. „Eine Ente oder einen Braten esse ich bis heute gerne.“

In Müllers Leben geht es um mehr als fettiges Essen. Es geht darum, das Leben zu spüren. Und das kann der 79-Jährige am besten, wenn er mit etwa 20 Kilometer in der Stunde frei durch den Forst im Landkreis düst und nicht daheim sitzen muss. Oder, so wie vor einigen Jahren, quer über die Mittelmeerinsel Mallorca; gemeinsam mit Radsportspezln aus Erding. Müller war mit Abstand der älteste der Männer. Irgendwann war er zu alt, die Kraft und Ausdauer fehlten. Das Bergfahren sei vorbei, gesteht er ein und schaut wie ein trauriger Bub. Mit 79 Jahren dürfte das verschmerzbar sein. „Aber“, sagt er, „vielleicht kaufe ich mir ein E-Bike. Dann kann ich wieder mithalten.“

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