Zuerst der Dreck, dann das schnelle Internet

Hohenlinden - Spätestens im Verlauf des kommenden Jahres werden so ziemlich alle Haushalte in Hohenlinden theoretisch die Chance haben, sich ans schnelle Internet anzuschließen.

Die Weichen dafür stellte nun der Gemeinderat. Einstimmig entschied das Plenum, dem Unternehmen Telekom den Zuschlag für den Netzausbau zu geben. Das Kommunikationsunternehmen könnte noch im laufenden Jahr mit den erforderlichen Maßnahmen beginnen, die sich insbesondere in den Außenbereichen der Flächengemeinde abspielen werden. Heuer sei etwa die Hälfte des Gesamtvorhabens zu schaffen, im nächsten Jahr dann der Rest, hieß es im Gemeinderat.

Fachleute gehen von einem Gesamtinvestitionsvolumen von 1,1 Mio. Euro aus, wobei der Gemeinde an der Landkreisgrenze ein Eigenanteil von 333 119 Euro verblieben wird. 70 Prozent übernimmt also der Freistaat.

Doch bis es so weit ist, ist noch eine Menge zu tun. „In erster Linie wird es Dreck geben“, so der von der Kommune beauftragte Fachmann Josef Ledermann. Gutachter gehen davon aus, dass etwa 17,5 km Tiefbau- bzw. Straßenbaumaßnahmen erforderlich sein werden. Baubeginn ist heuer im Sommer. Dazu kommen noch drei Kilometer oberirdische Kabelverlegungen auf vorhandenen Trassen. Insgesamt soll es um gut 40 km Glasfaserkabel gehen, die heuer und 2017 in den Hohenlindener Boden verlegt werden. „Eine Infrastrukturverbesserung für die Zukunft“, wie es heißt. Die entsprechenden Arbeiten werden übrigens grundsätzlich auf öffentlichem Grund durchgeführt.

Kurzrückblick: Ende 2015 wurden in Hohenlinden die für solche Breitband-Investitionen erforderlichen Ausschreibungen abgeschlossen und ausgewertet. Dabei hatte man sich in diesem Fall eines speziellen Punktesystems bedient, bei dem nicht nur der reine Preis eine Rolle spielte. Für Fachleute überraschend war, dass nicht nur Branchenriese Telekom seinen Ring in den Hohenlindener Hut warf, sondern auch noch zwei Mitbewerber. Am Ende bekamen aber doch die Telekom-Leute mit den meisten Bewertungspunkten den Zuschlag.

Der Ausbau auf Grundlage des bayerischen Breitbandförderungsprogramms erfolgt in den Bereichen Hohenlindens, in denen es bislang keine Grundversorgung oberhalb der Marke von 30 Megabit/Sekunde gibt. Das sehen die Förderrichtlinien so vor.

Die Anlieger in den Bereichen, in denen schon jetzt 30 Megabit/Sekunden vorliegen, müssen sich dagegen noch ein wenig gedulden. Die EU will es so, dass Beschleunigungen durch eine so genannte Vectoring-Technik (eine Optimierung der vorhandenen Kupferleitungen) erst mit einem bestimmten zeitlicher Verzug durchgeführt werden können, so Ledermann.

Betont wurde im Plenum, dass die Telekom Glasfaser dort, wo es möglich ist, bis an die jeweiligen Grundstücksgrenzen legt. Eine Verlängerung direkt bis zum Haus, also unter Privatgrund, kostet danach rund 600 Euro. Sollte sich der Anlieger für einen Anschluss entschieden, fielen weitere Kosten einschließlich Nutzungsvertrag an. Niemand ist gezwungen, sich anzuschließen.

Erfahrungsgemäß geht man davon aus, dass von den gut 300 Haushalten, die man in Hohenlinden heuer und 2017 neu mit Glasfaser erreichen kann, gut 70 auch wirklich anschließen werden.

Gesteigertes Interesse wird man aber im Gewerbegebiet haben, wo schnelle Datenautobahnen längst als harte Standortfaktoren bewertet werden. jödo

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