+
Man kann erahnen, wie es einmal ausschauen wird im Neubaugebiet in den Reuten III in Hohenlinden. Noch lange nicht abgeflaut ist der kommunalpolitische Streit um das Projekt.  

Dauerthema im Gemeinderat

Endloser Konflikt: Hohenlinden streitet um ein Baugebiet

  • schließen

Es ist ein Thema, das kein Ende nimmt: Das geplante Baugebiet „In den Reuten III“ sorgt in Hohenlinden für reichlich hitzigen  Streit.

Hohenlinden –Im Kern geht es beim Bebauungsplan „In den Reuten III“ um ein Neubaugebiet mit 31 Wohneinheiten. Das mag für eine Gemeinde wie Hohenlinden schon etwas Größeres sein. Nüchtern betrachtet ist das Vorhaben in der Buchenstraße dann aber doch nichts Ungewöhnliches. Immerhin ist das geplante Projekt so gestrickt, dass es für einen veritablen Konflikt auf kommunalpolitischer Ebene taugt; und das nicht erst seit diesen Wochen. Im Gemeinderat hatte man zuletzt die im Verfahren eingegangenen Stellungnahmen von Trägern öffentlicher Belange und von Bürgern aus der unmittelbaren Nachbarschaft, der Ahornstraße, zu beurteilen. Abzuwägen heißt es offiziell. Um das in diesem Fall schriftlich Vorliegende einfach nur einmal vorzulesen, brauchten Bürgermeister Ludwig Maurer und Bauamtsleiterin Beatrice Huber mehr als eine Stunde. Die Stellungnahmen der beteiligten Behörden und die dazu erforderlichen Abwägungen des Hohenlindener Rats nahmen dabei nur einen Bruchteil der Zeit ein. Vielmehr ging es im Kern um Einwendungen von zwei Bürgergruppen bzw. einem Bürger, der im Plenum aus Datenschutzgründen immer nur „Bürger 1“ genannt wurde, hinter dem sich aber Gemeinderat Josef Neumeier befand bzw. befindet.

Wahlkampf befeuert die Diskussion

Nicht nur, weil gerade Wahlkampfzeit ist: Der Streit um das weitere Vorgehen in den Reuten ist längst zu einer persönlichen Fehde mutiert, wie es scheint. Neumeier gegen Maurer als Verwaltungschef und andersrum.

Um die neueste Beschlusslage im Gemeinderat vorwegzunehmen: Alle Einwendungen, auch die von den beauftragten Anwälten formulierten, wurden abgewogen und werden damit nicht in eine geänderte oder gar zurückgezogene Planung des Gebietes münden. Ob angesichts dieser Beschlusslage weiterhin Rechtsmittel in Erwägung gezogen werden, wird sich also noch zeigen (müssen).

Ganz vom Tisch ist eine Fortsetzung eines juristischen Kampfes offenbar nicht. Im Bauamt fürchtet man noch immer eine schon seit Monaten im Raum stehende Androhung einer Normenkontrollklage. Das ist schon, was bundesdeutsches Baurecht angeht, eine ziemlich scharfe Waffe.

Das Konfliktpotenzial zwischen dem Rathauschef und dem Mitglied der Bürgerlichen im Rat ist – nur mit Blick in die Buchenstraße – wahrlich vielschichtig. Längst geht es nicht mehr nur um unterschiedliche Ansichten, wie hoch im neuen Baugebiet gebaut werden darf. Längst nicht mehr nur um Fragen möglicher Verschattungen, womöglich unzureichender Lärmschutzmaßnahmen, um fehlende Stellplätze, zu klein bemessene Rangierflächen zwischen den künftigen Häusern. Längst nicht nur um zu geringe Straßenbreiten, angeblich zurückgehaltene oder gar fehlende Gutachten bzw. um Verstöße gegen geltende Brandschutzregelungen. Oder um angeblichen Etikettenschwindel, weil Neumeier der Verwaltung unterstellt, aus einem reinen Wohngebiet mit strengeren Lärmschutzrichtwerten ein allgemeines Wohngebiet gemacht zu haben.

Debatte gespickt von gegenseitigen Vorwürfen

Was jetzt wieder vehement im Plenum zur Aussprache kam, waren nicht zuletzt gegenseitige Vorwürfe, die jeweils andere Stelle verzögere bzw. blockiere den Fortgang eines Projekts, bei dem immerhin dringend benötigter Wohnraum auch für Hohenlindener geschaffen werden soll. Um Wahlkampf in seiner reinsten Form also, weil sich zur Zeit niemand gerne unterstellen lässt, die Schaffung von Wohnraum für Einheimische und Neubürger zu behindern.

Vor diesen Herausforderungen steht Hohenlinden nach der Kommunalwahl

Wollte man es freundlich formulieren, wirft man der Gegenseite jeweils so etwas wie Unwissenheit vor. Vokabeln wie Irreführungen der Bürger oder gar bewusste Täuschungen fielen zuletzt aber auch wieder.

Ludwig Maurer glaubt sich, wie Josef Neumeier, auf der richtigen Seite. Der Bürgermeister nutzte die Aussprache zuletzt gleich mehrfach für Hinweise, auch schriftlich belegen zu können, wer hier korrekt handele und wer nicht. Die von Neumeier kritisierte Verzögerung des Gesamtvorhabens gehe, so Maurer, auf Neumeier selber und dessen juristische Spielchen zurück. Und das sei anhand der ihm vorliegenden Dokumente leicht und locker belegbar. Etwas, was Neumeier ebenso vehement zurückweist.

Das letzte Wort ist noch lange nicht gesprochen

Es scheint, dass das letzte Wörtchen hier noch lange nicht gesprochen worden ist. Maurer verwies derweil gegenüber der Ebersberger Zeitung auf einen Faktencheck auf der Homepage seiner Wählergruppe ÜWH, zu erreichen unter der Adresse https://üwh-hohenlinden.de/faktencheck-baugebiet-buchenstrasse-sportgelaende-19-02-2020/.

Auch interessant

Mehr zum Thema

Meistgelesene Artikel

Coronavirus im Landkreis Ebersberg: Polizei sprengt Grillfeier +++114 Infizierte+++
Coronavirus im Landkreis Ebersberg: Infizierte, Hintergrundberichte, Hinweise - hier gibt es alle Entwicklungen zur Krise im Live-Ticker.
Coronavirus im Landkreis Ebersberg: Polizei sprengt Grillfeier +++114 Infizierte+++
Kommunalwahl 2020 im Landkreis Ebersberg: Ergebnisse der Stichwahlen
Die Ergebnisse der Kommunalwahl 2020 im Landkreis Ebersberg: Landrat, Bürgermeister, Gemeinderäte und Kreistag im Überblick.
Kommunalwahl 2020 im Landkreis Ebersberg: Ergebnisse der Stichwahlen
Stichwahl im Landkreis Ebersberg: Live-Ticker +++Sensation in Egmating, Amtswechsel in Grafing+++
Am 29. März ist Stichwahl in mehreren Kommunen. Ab 18 Uhr wird ausgezählt. Alle Ergebnisse, News und Reaktionen lesen Sie hier live im Ticker.
Stichwahl im Landkreis Ebersberg: Live-Ticker +++Sensation in Egmating, Amtswechsel in Grafing+++
Brilmayer entschuldigt sich in aller Form: Es war ein Fehler
Ebersbergs Bürgermeister Walter Brilmayer (CSU) hat Wahlsieger Uli Proske (SPD) gratuliert. Gleichzeitig entschuldigte er sich für seine Wahlkampf-Aktion.
Brilmayer entschuldigt sich in aller Form: Es war ein Fehler

Kommentare