+
Familie Voß vor ihrem prächtig beleuchtetem Haus in Hohenlinden: (v.li.) Vater Sebastian, Leilani, Yasmin, Mutter Mariola, Leander, Maja und Lilian. 

In Hohenlinden

18 000 Lichter für kranke Herzen

Aus Dankbarkeit: Familie Voß aus Hohenlinden sammelt mit ihrem leuchtenden Weihnachtshaus für die Medizinforschung.

Hohenlinden – In der Mitte leuchtet ein großes rotes Herz. Drumherum blinken 18 000 bunte Lichter im Takt der Musik. Eine perfekte Show aus Lichterketten, Sternen, beleuchteten Tannen, Schneemännern und Rentieren, die rhythmisch aufleuchten und den Abendhimmel erstrahlen lassen. Doch das wahrscheinlich ungewöhnlichste Weihnachtshaus der Region soll nicht nur die Besucher erfreuen, die jeden Tag nach 17 Uhr am Hupfauer Anger in Hohenlinden vorbeischauen. Neben der Unterhaltung dient es auch einem guten Zweck. Die traumhaft schöne Lichterkulisse unterstützt die Forschung für kranke Herzen.

Ein krankes Herz hatte auch Yasmin Voß, die mit ihren Eltern und vier jüngeren Geschwistern in dem prächtig beleuchteten Haus in Hohenlinden wohnt. Die heute Sechzehnjährige kam mit einem schweren Herzfehler zur Welt. Innerhalb von dreieinhalb Jahren musste sie im Deutschen Herzzentrum München insgesamt fünfmal am offenen Herzen operiert werden.

Als 2010 ein sechster Eingriff nötig wurde, rettete sie die moderne Medizin. Anstelle einer erneuten und belastenden offenen Operation konnten ihr die Ärzte des Herzzentrums eine neue Herzklappe besonders schonend und nur mit Hilfe eines Katheters einsetzen. Ein Erfolg der Forschung. Denn diese völlig neue Methode war erst kurz vorher entwickelt und zugelassen worden. Seitdem geht es Yasmin blendend. Nur noch zu Kontrolluntersuchungen muss sie ins Herzzentrum kommen.

Nach den schweren Jahren fühlt sie sich heute endlich so gesund und belastbar wie andere Teenager in ihrem Alter. Gerade begann sie eine Ausbildung zur Zahnarzthelferin. Doch nach Dienstschluss lässt Yasmin die Herzen leuchten. Jeden Tag steht sie jetzt ab dem späten Nachmittag als Weihnachtsmann verkleidet mit den anderen Familienmitgliedern vor dem Gartentor und verteilt Glühwein, Punsch und Plätzchen an die Besucher der spektakulären Weihnachts-Show. Wer will, kann eine kleine Spende in die dafür aufgestellte Keksdose werfen.

„Das Geld sammeln wir für die Forschung am Münchner Herzzentrum“, sagt Yasmin. „Diese Forschung hat mir das Leben gerettet. Damit auch in Zukunft möglichst viele andere Kinder davon profitieren können, leiten wir alle Spenden an der Förderverein der Klinik weiter.“

Es stand nicht gut um die kleine Yasmin, als sie am 12. Februar 2001 im Schwabinger Krankenhaus das Licht der Welt erblickte. „Sie war ganz schwach, hat nicht geschrien und nichts getrunken“, erinnert sich Mutter Mariola Voß (38). Die Ärzte untersuchten das Baby. Als sie feststellten, dass mit dem kleinen Herzen etwas nicht stimmt, wurde Yasmin sofort in die Klinik für Kinderkardiologie des Deutschen Herzzentrums München verlegt.

Nach weiteren Tests und einer Herzkatheter-Untersuchung dann die schockierende Diagnose: „Unserem Kind fehlte der Übergang zu der lebenswichtigen Lungenarterie, die das Blut aus dem Herzen zur Lunge leitet“, sagt Vater Sebastian Voß (43). „Diese Herzklappe und die Arterie waren verschlossen. Dazu hatte Yasmin ein Loch in der Herzscheidewand.“ Ohne Behandlung ein lebensgefährlicher Zustand. Es folgten fünf schwierige Operationen am offenen Herzen. Beim ersten Eingriff war Yasmin gerade mal sechs Wochen alt und ihr kleines Herz so groß wie eine Walnuss. Mit eineinhalb Jahren folgte eine weitere schwere Sechs-Stunden-Operation, bei der dem Mädchen eine künstliche Herzklappe eingesetzt wurde. Doch die Implantate hielten nicht lange. Nach vier Tagen, fünf Monaten und noch einmal zwei Jahre später mussten die Herzklappen wieder ausgetauscht und ersetzt werden. „Erst die vierte Klappe, die Yasmin im Juli 2004 bekam, hielt immerhin sechs Jahre lang“, schildert Sebastian Voß. „Dabei wurde die ohnehin schon schwierige Operation jedes Mal noch komplizierter, weil sich nach jedem Eingriff Narbengewebe und Verwachsungen bilden.“ Deshalb machte sich Familie Voß große Sorgen, als es Yasmin 2010 wieder schlechter ging und die Herzklappe erneut ausgewechselt werden musste.

Würde sie eine sechste Operation überstehen? Doch inzwischen hatte die moderne Kinderkardiologie eine Methode entwickelt, mit der man den kleinen Patienten eine Herzklappe ohne offene OP und nur über einen Katheter einsetzen konnte.

Yasmin war eine der ersten Patienten, die davon profitierten. Im Alter von neun Jahren bekam sie von den Spezialisten im Herzzentrum die Klappe eingesetzt, die auch heute noch in ihrem Herz einwandfrei arbeitet. Seitdem geht es Yasmin gut. Sie führt ein ganz normales Leben, kann Sport treiben und trainiert sogar Karate. Zwar muss auch die jetzige Klappe im Laufe der nächsten Jahre wieder ersetzt werden, weil sie nicht mitwächst. Doch davor hat Yasmin keine Angst mehr: „Auch das wird dann hoffentlich über einen Katheter möglich sein.“

Erst letzte Woche war Yasmin wieder im Herzzentrum: Kontrolluntersuchung bei Oberärztin Nicole Nagdyman, die die kinderkardiologische Ambulanz leitet, und bei Klinikdirektor Prof. Peter Ewert. Ergebnis: Alles in Ordnung!

Danach bedankten sich die Hohenlindener auf ihre Weise: Als Weihnachtsmänner verkleidet besuchten sie die Station der Kinderkardiologie, auf der Yasmin selbst insgesamt fast sechs Monate verbrachte. An die kleinen Patienten, ihre Angehörigen und die Schwestern verteilten sie Nikolaussäckchen, lasen lustige Geschichten vor und sorgten für Weihnachtsstimmung.  ez

Bunte Lichtershow

Die Licht-Show am Weihnachtshaus im Hupfauer Anger in Hohenlinden läuft noch bis zum 6. Januar täglich von 17 bis 21 Uhr. Besucher sind jederzeit herzlich willkommen. Im Januar werden die diesjährigen Spenden wieder an das Herzzentrum übergeben. Letztes Jahr kamen auf diese Weise rund 2000 Euro zusammen.

Auch interessant

Mehr zum Thema

Meistgelesene Artikel

Stadtradler überholen Autos
Im heißen Sommer wurde heuer zum zweiten Mal im Landkreis die Kampagne Stadtradln gestartet. Dabei wurden beachtliche Ergebnisse erzielt.
Stadtradler überholen Autos
Brücken unter Notendruck
Nicht jeder Riss ist gleich gefährlich. Aber die Gemeinde Markt Schwaben will bei den Brücken jetzt genauer hinschauen.
Brücken unter Notendruck
Mobil in Vaterstetten
Ältere Menschen mobiler machen und der Vereinsamung entgegenwirken. Das soll mit dem „Seniorenfahrdienst“ in Vaterstetten erreicht werden.
Mobil in Vaterstetten
Julian aus Ebersberg
Die Freude bei der Familie Sissy und Benedikt Alberer aus Ebersberg ist groß: Julian der Stammhalter ist eingetroffen! Der Bub kam am 17. September in der Kreisklinik …
Julian aus Ebersberg

Kommentare