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Eine kritische Stelle im Ort: Die B 12 beim Westkreisel in Richtung Forstinning und Autobahn. 

Kommunale Planung

Kiesabbau: Hohenlinden setzt auf Zeit

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Weiteren Kiesabbau rund um den Hohenlindener Ortskern verhindern? Das wird der Gemeinde nicht gelingen. Aber sie will Konzentrationsflächen ausweisen.

Hohenlinden – Ursprünglich sollte schon bei der Neuaufstellung des Hohenlindener Flächennutzungsplans vor ein paar Jahren festgelegt werden, wo Kies auf Gemeindeflur abgebaut werden darf und wo nicht. Die Planungen von damals konnten jedoch nicht verwirklicht werden, weil Grundstückeigentümer nicht mitmachten. Folglich setzte die Gemeinde Hebel in Bewegung, um neue Konzentrationsflächen an anderen Stellen zu schaffen. Ein Verfahren, das zurzeit noch andauert.

Genau in diese Phase fielen zeitlich nunmehr zwei Anträge auf Abgrabungsgenehmigungen zum Abbau mit Wiederverfüllung; einmal im Bereich Neustockach und einmal in Neumühlhausen. Aus Sicht der Verwaltung und der Gemeinderäte quasi zur Unzeit. Die Sorge: Jetzt hier zuzustimmen, könnte bedeuten, die laufenden Überlegungen zur Fixierung von Konzentrationsflächen zu torpedieren oder gar ganz unmöglich zu machen.

Das zentrale Problem der Gemeinderäte, der Verwaltung und vieler Bürgerinnen und Bürger ist dabei die Frage, wie diese Kiesabbauflächen verkehrlich erschlossen werden sollen. Dazu hatte man Anfang November eine Verkehrszählung in Auftrag gegeben. Die gutachterliche Empfehlung lautete: Wenn Kiesgruben in diesem Bereich am Rande des Forstes zwischen Staatsstraße 20 86 (Richtung Ebersberg) und B 12, dann erschlossen über Zufahrten an der Staatsstraße.

Zumindest vorstellbar sei allenfalls noch eine Rechtsabbiegespur von der B 12 ins besagte Abbaugebiet.

Eine Bemerkung, die bei einigen Gemeinderäten Kopfschütteln erzeugte. Hier gehe es um den Abbremsbereich direkt vor dem Westkreisel, „die schlimmste Stelle im Ort“, so Vizebürgermeister Tom Riedl. Eine Anbindung an dieser Stelle sei eine Katastrophe, zumal laut Gutachten dort täglich zwischen 22 000 und 24 000 Pkw/Lkw fahren.

Ein Ortstermin am 10. Februar mit Vertretern des Landratsamtes, des Staatlichen Bauamts Rosenheim, des Planungsverbandes, eines Architektenbüros und des Verkehrsgutachters kam, so fasste Bürgermeister Ludwig Maurer zusammen, zu dem Ergebnis, dass Kiesgruben nur über Staatsstraße erschlossen werden sollten. Dazu wäre, zu der schon bestehenden Zufahrt zu einer schon bestehenden Grube, noch eine zweite an einer noch auszusuchenden Stelle zu schaffen.

Um dies alles samt der Ausweisung der Konzentrationsflächen noch in die anstehende Flächennutzungsplanänderung zu gießen, braucht es noch eine Weile. Deshalb entschied sich der Gemeinderat, die beiden vorliegenden Abbauanträge auf Grundlage des bayerischen Baugesetzes maximal für ein Jahr zurückzustellen. Sollten sich neue, für die Gemeinde tragbare Entwicklungen ergeben, könne man gegebenenfalls schnell reagieren, so Maurer.

Er und auch Riedl betonten vor über 20 Zuhörern im Sitzungssaal des Rathauses aber auch, in der Vergangenheit weitgehend negative Erfahrungen mit Kiesgewinnung in Hohenlinden gemacht zu haben. Da sei oft viel versprochen und wenig gehalten worden, so Riedl. Ein Grundproblem sei, dass die mit einem Abbau verbundenen Auflagen von niemandem kontrolliert würden.

Womöglich auch ein Grund, warum das Plenum im Zusammenhang mit der Zurückstellung des Neumühlhauser Gesuches zusätzlich einstimmig beschloss, sich einen Rechtsbeistand zu gönnen. Jörg Domke

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