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Gottesdienst zur 1250-Jahr-Feier des Kirchenstandorts Kronacker am Rande der Gemeinde Hohenlinden. Im Hintergrund die Filialkirche St. Johannes.

1250 Jahre St. Johannes in Kronacker

Ein Tag der Freude und Hoffnung

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1250 Jahre Kirchenstandort: das kann nicht jeder. Es darf also gefeiert werden.

Hohenlinden – Ja, das ist in vielerlei Hinsicht ein Tag der Freude: „Weil man etwas Besonderes feiern darf“, wie Pfarrer Christoph Stürzer gleich zur Begrüßung ins Mikrofon ruft. Das Besondere besteht im Anlass: 1250 Jahre Kirchenstandort Kronacker. Nur wenige Orte weit und breit haben eine solche Geschichte aufzuweisen. Sie ist jedenfalls so besonders, dass die Jubiläumsfeier für einen Mann wie Weihbischof Bernhard Haßlberger sozusagen zu einem Muss-Termin geworden ist. Dieses stattliche Alter sei Grund, stolz zu sein, sagt der Geistliche. Sicherlich rund 300 Gläubige hören ihm aufmerksam zu beim Feldgottesdienst auf der Wiese unterhalb des ehrwürdigen Gotteshauses.

Haßlberger hat viele auf seinem Zettel stehen, denen es an diesem Tag der Freude Dank zu sagen gilt. Er dankt den beiden Kronacker Kindern, die ihn vor dem Gottesdienst extra begrüßen. Allen Menschen, die sich dafür eingesetzt haben und es noch immer tun, dass das Gotteshaus erhalten blieb und bleibt. Und nicht zuletzt dem Herrgott. Dafür, dass er seine schützende Hand stets über Kronacker hielt.

Kirche, so sagt es Haßlberger später in seiner Ansprache, sei für viele ein Ort der Begegnung. Und der Ort, an dem Gottesdienste gefeiert würden. Kirche sei aber mehr. Sie sei der Ort, „an dem Gott da ist mitten unter uns“.

Der Weihbischof spricht von den Zweiflern unter uns Menschen. Denen, die unsicher sind, dass Gott bei ihnen ist, wenn sie ihn brauchen. Diese Zweifel habe die Institution Kirche einst aufgegriffen und ihnen, den Zweiflern, eine Kirche in Form eines Gebäude gebaut. Zur direkten Begegnung mit Gott, der für Christen für Liebe, Leben und Vertrauen stehe.

Ein Ort nicht nur für Zweifler

Pfarrer Christoph Stürzer stimmte an diesem herrlichen Spätsommertag in den Chor der Danksagungen gerne ein. Den Festausschuss erwähnte er, den Pfarrgemeinderat, den Kirchenchor, die Blasmusik. Immer, wie er am Rande bemerkte, in der Gefahr, wichtige Leute dabei zu vergessen.

Einiger dieser wichtigen Leute ist ohne Frage Architekt Martin Spaenle. Er war der Einladung zum Festgottesdienst gerne gefolgt. Schließlich ist Kronacker dem Münchner nicht nur ein beruflich-geschäftliches Anliegen, sondern offenbar auch ein Herzensangelegenheit. Von größeren statischen Schäden im Dachwerk spricht er gegenüber der Heimatzeitung. Und von massiven Problemen im Baugrund unterhalb des Turms. Mit ein Grund, warum das Gotteshaus zur Zeit gesperrt ist.

Doch es tut sich inzwischen was. Anfang des Jahres, so Spaenle, wurde eine automatische Lüftung eingebaut. Sie soll das Innenklima nachhaltig verbessern helfen. Das große Problem heißt Luftfeuchtigkeit. Sie sei, so der Fachmann, das Übel, das insbesondere den Altären am meisten zusetze. Ausgewertete Laborwerte durch die Belüftungsautomatik lägen noch nicht vor, sagt der Experte. Die Erfahrung von vergleichbaren Sanierungsprojekten zeige aber, dass hier frühzeitig und behutsam angesetzt werden müsse. Quasi so, dass man das empfindliche Interieur nach und nach an die künftigen, optimierten Bedingungen heranzuführt.

Laut Spaenle sollen die massiven Sanierungseingriffe im kommenden und übernächsten Jahr erfolgen. Dauer nach seiner Einschätzung: zwei Jahre. Zuletzt hatte man noch das Ziel verfolgt, mit den Arbeiten noch heuer zu beginnen, das habe aber aus verschiedenen Gründen nicht geklappt.

Lange hatte man in den zuständigen Stellen der katholischen Kirche nicht wirklich an die Sache Kronacker rangehen wollen. Immerhin geht es „nur“ um eine Filialkirche. Bis sich dann doch letztendlich die Erkenntnis durchsetzte, dass eine Kirche von einer artigen historischen Bedeutung nicht weiter dem Verfall preisgegeben werden könne. Spät also, aber wohl noch nicht zu spät.

Wie es scheint, werden die Hohenlindener im Jahr 2020 bei günstigem Verlauf also nochmals so ein würdiges Fest feiern können. Dann, wenn Dank zu sagen sein wird für eine gelungene Sanierung und Restaurierung eines Gotteshauses, das weit und breit mit einer so bewegten Historie nur ganz schwer zu finden sein wird in Südbayern.

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