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In Hohenlinden gab es 1968 die ersten Frauen im aktiven Feuerwehrdienst

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Von: Jörg Domke

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Die Feuerwehr Hohenlinden 1921.
Eine historische Aufnahme . Die Feuerwehr Hohenlinden 1921. © kn

Feuerwehr ist längst nicht mehr eine reine Männersache. Schon gar nicht in Hohenlinden, wo es schon 1968 eine aktive Damengruppe gab.

Hohenlinden – „Die Freiwillige Feuerwehr Hohenlinden wurde am 29. Juni 1872 gegründet. Für jeden erwachsenen Mann bestand die Feuerwehrpflicht. Zur Brandbekämpfung wurde eine fahrbare Spritze mit Handbetrieb erworben, für deren Betrieb acht Mann erforderlich waren. Leider wurden trotzdem viele Bauernhöfe ein Raub der Flammen, weil das nötige Löschwasser fehlte. Zur Vorbeuge wurden deshalb in Kreith und in Hohenlinden Löschwasserspeicher errichtet. In Kronacker, Kaging und Birkach wurden an den Bachläufen Löschweiher angelegt. Jeder Bauer mit einem Pferdegespann musste bei einem Brandfall Löschwasser fahren. Eine größere Zahl von Feuerwehrmännern wurde damals auf Kursen und mehrtägigen Schulungen bereits ausgebildet und zu Steigern bestimmt. In den Sommermonaten wurde alle zwei Monate eine Feuerwehrübung abgehalten...“

So steht es auf der Internet-Homepage der Feuerwehr Hohenlinden unter der Rubrik „Geschichte“. Bei der Lektüre fällt gleich auf: Vor 150 Jahren war im Zusammenhang mit dem Thema Feuerwehr ausschließlich von Männern die Rede. Zur damaligen Zeit sicherlich der Regelfall.

Heinrich Mittermeier erinnert sich

Heute dagegen ist diese Geschlechter-Rollenverteilung längst überholt. Erst recht bei der Feuerwehr in Hohenlinden, denn die gehörte bayernweit zu den ersten Ortsfeuerwehren, die auch Damen, selbstverständlich versehen mit den erforderlichen Leistungsabzeichen, auf Einsätze schickte. Das Ganze geschah zu der Zeit, als Bartl Wandinger der erste Kommandant war.

Gut an diese Zeit erinnern kann sich Heinrich Mittermeier. Der war schon mit 16 Jahre bei der Hohenlindener Feuerwehr. Nicht zuletzt, weil auch sein Vater schon als Gerätewart ehrenamtlich im Team fungierte. Heinrich Mittermeier, der inzwischen in Forstern lebt, wurde später Maschinist und Ausbilder. Und legte nahezu zeitgleich mit jener neunköpfigen Damengruppe (Gruppenführerin war Loise Ortner) das bronzene Leistungsabzeichen ab.

Protokollbuch seit 1949

Dazu findet sich übrigens ein handschriftlicher Eintrag in einem Protokollbuch bzw. Buch zur Zeitgeschichte, das der einstige Kommandant Paul Irl 1949 anlegte. Sehr akkurat wurden seither alle wesentlichen Ereignisse darin notiert: Verläufe und Beschlüsse von Jahreshauptversammlungen, Protokolle, Listen von Aktiven, Beitragszahlungen (ab 1953 wurde ein Vereinsbeitrag von einer Mark erhoben). Später wurden in die Chronik auch Bilder eingeklebt. Oder Zeitungsartikel.

Buch Nr. 1 endet im Oktober 1992. Es gibt ein Nachfolgebuch, das auf analoge Weise bis 2006 geführt wurde. Danach nahm auch hier die digitale Technik Einzug.

Zurück zur ersten Damengruppe einer Ortsfeuerwehr in Bayern: Manche Männer in der Mannschaft hätten, so weiß Heinrich Mittermeier, damals ziemlich geschaut. Immerhin sei die Frauengruppe, im Gegensatz zu den Männern, bekleidungstechnisch gut ausgestattet worden. Damals, sagt der 69-Jährige, sei das mit der Ausrüstung noch nicht so gewesen wie heute.

Mittermeier selber war später, von 1987 bis 2003, Kreisbrandmeister im Bereich Atemschutz: Und einer derjenigen, der verantwortlich waren für die Atemschutzstrecke im Feuerwehrgerätehaus in der Kreisstadt Ebersberg. Im Jahr 2011 schied er schließlich krankheitsbedingt aus dem aktiven Dienst aus, blieb der Feuerwehr, speziell natürlich der in „seinem“ Hohenlinden, aber bis heute verbunden. „Einmal Feuerwehr, immer Feuerwehr“, so sein Credo.

Junge Frau (18) ist Schriftführerin im Verein

Eine Lebenseinstellung, die womöglich auch irgendwann einmal auf Elena Philipp zutreffen könnte. Der Hohenlindener Wehr gehört die 18-Jährige seit Dezember 2018 an. Eintritt mit 15 Jahren also. Für ein Teenager in diesem Alter auch heute kein gewöhnlicher Schritt. Freunde hätten sie motiviert, sagt die Verwaltungsangestellte in Ausbildung am Landratsamt in Ebersberg. Mindestens ebenso motivierend sei aber der Großvater gewesen. Ein Opa, den die junge Frau leider gar nicht mehr kennenlernen konnte, weil er früh verstorben war. Aber in der Familie sei immer wieder erzählt worden, wie sehr sich Lorenz Kern bei der Feuerwehr im benachbarten Buch am Buchrain engagierte. So, schmunzelt Elena Philipp, habe sie auch sein wollen.

Feuerwehrfrau, gemeint ist der Dienstrang, ist die junge Hohenlindenern noch nicht. Aber seit fast einem Jahr die Schriftführerin im Verein. Damals, im Juli 2021, ahnte sie bei ihrer Wahl im Rahmen der Hauptversammlung womöglich noch gar nicht, welche Aufgaben konkret mit diesem Ehrenamt verbunden sein können, wenn bei besagter Ortsfeuerwehr zugleich ein Jubiläum wie das 150-jährige Bestehen organisiert werden muss. Nicht nur, dass Elena Philipp gegenwärtig viel zu tun hat, alles, was da im Vorfeld entschieden wurde und noch entschieden wird, digital zu protokollieren. Auch die sozialen Medien sind zurzeit ihr Metier. Auf Facebook und Instagram wirbt die Feuerwehr Hohenlinden längst ebenso selbstverständlich für die bevorstehenden Festtage wie in herkömmlichen Medien.

Erst dieser Tage ist auf dem Volksfestplatz wieder ein kurzes Video entstanden, bei dem die Feuerwehrler auf das Eicher-Oldtimertreffen am Donnerstag, 16. Juni, ab 8 Uhr mit den Eicherfreunden Forstern aufmerksam machen .

Überhaupt ist Werbung heuer mal wieder ein großes Thema bei den Hohenlindenern. Recht zufriedenstellend war zuletzt eine Kampagne angelaufen, so der Vereinsvorsitzende Anton Speckmaier. Sechs Neue konnten in den letzten Wochen und Monaten gewonnen werden. Geworben wurde u.a. mit einem Bild der aktuellen Damengruppe. Die besteht zurzeit ebenfalls aus neun Mitgliedern, wobei für das Werbebild mit einem neuen Löschfahrzeug LF 20 im Hintergrund wegen Corona und Terminschwierigkeiten nicht alle abgelichtet werden konnten.

Weiterhin aktive Mitglieder gesucht

Auch die Festtage nach Pfingsten werden die Feuerwehrler nutzen, um junge Leute, Männer wie Frauen, aber auch Quereinsteiger für den aktiven Dienst zu begeistern, so Anton Speckmaier und Elena Philipp.

Anton Speckmaier und Elena Philipp
Anton Speckmaier und Elena Philipp © jödo

Natürlich sind die beiden nicht die einzigen Protagonisten, was die Vorbereitung der Festwoche ab Dienstag, 14. Juni, angeht. Seit dem 19. Oktober 2020 hat sich ein Festausschuss formiert, der im Kern aus gut 20 Mitwirkenden besteht, die sich in drei Gruppen um die Planung kümmern. Nach Möglichkeit soll alles perfekt laufen: Nicht nur, weil Hohenlinden heuer im Jubiläumsmarathon der Feuerwehren im Landkreis Ebersberg auch noch den Zuschlag zur Ausrichtung des Kreisfeuerwehrtages bekam.

Damengruppe der Feuerwehr 2003
Die Damengruppe stellte sich 2003 zu einem Foto für die Heimatzeitung zusammen © Dziemballa

Überhaupt ist die Feuerwehr Hohenlinden traditionsgemäß eng verbunden auch mit der Ausrichtung eines einmal jährlich stattfindenden Volksfestes. Die Feier des 100-jährigen Bestehens 1972 war einst zugleich auch der Startschuss zur Ausrichtung dieser Volksfeste fast in jedem Jahr. Deshalb wird heuer im Juni nicht nur das Jubiläum der Feuerwehr gefeiert, sondern auch zurückgeblickt auf 50 Jahre Volksfeste. Und nebenbei bemerkt, auch auf das 150-jährge Bestehen der Krieger- und Reservistenkameradschaft.

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