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In Aktion: Günter „Butzi“ Putz, zum 38. Mal Auktionator der Christbaumversteigerung in Hohenlinden.

Christbaumversteigerung

Mit Charme und viel Witz

Der Star der Christbaumversteigerung in Hohenlinden ist Günter „Butzi“ Putz. Der 75-Jährige ist zum 38. Mal Auktionator. 

Hohenlinden Obwohl draußen schönstes Wetter herrscht, ist an diesem Dreikönigstag die Gaststube in der „Post“ zu Hohenlinden bis auf den letzten Platz besetzt. Hier findet die traditionelle Christbaumversteigerung der Krieger- und Reservistenkameradschaft statt, zum 38. Mal ist Günter Putz senior der Auktionator.

Bevor er loslegt, besteigt Vereinsvorsitzender Thomas Heidfeld das kleine Treppchen, von dem aus später der Meister das vielfältige Angebot anpreist. Artig liest der Chef eine lange Liste von 80 Sponsoren vor. Sie haben wesentlich dazu beigetragen, dass „Butzi“, wie der agile und muntere, 75-jährige Auktionator liebevoll genannt wird, hier überhaupt etwas zu verteilen hat.

Als er, der das Amt vom bereits verstorbenen Georg Hupfer übernommen hat, die Bühne betritt, muss er fast schon schreien, um das Stimmengewirr in der Gaststube zu übertönen. Er setzt sich freilich durch. Aus dem Nebenraum werden ihm von Helfern laufend Tannenzweige mit interessanten Anhängseln gereicht, die es nun zu versteigern gilt. Zweige und Christbaum, der reich mit allerlei feinen Sachen behängt erst am Ende der Auktion unter den imaginären Hammer kommen wird, sind Spenden der örtlichen Baumschule.

Harmlos geht’s los mit einem Zweiglein, an dem ein paar Kerzen, ein Duschgel und eine Flasche Obstwasser hängen. Für zwölf Euro findet der Zweig samt Schmuck einen neuen Besitzer. Schon etwas mehr wird für ein Messer-Set und Klebstoff geboten. Einem anderen Gast ist ein Zweig mit kleinem Bierfass, Mütze und Meterstab gleich 20 Euro wert. Spannend wird’s, immer begleitet von „Butzis“ launigen Sprüchen und nicht immer jugendfreien Witzen, als etwa ein Kübel Farbe samt Pinsel ausgerufen wird. Der neue Eigentümer bekommt nicht nur das Gebinde für 37 Euro, sondern vom Auktionator den Vorschlag, „dass bei mir daheim die Küche gstrichen werden sollt’“. Stets hat Putz senior einen kleinen Schmarrn auf Lager, etwa zu jener blinkenden Warnlampe, die er „für einen leichteren Heimweg heut’“ empfiehlt. Besonders gut gehen Brotzeiten aller Art: ein Laib Gebackenes samt zwei dicken Rollen Presssack, Geräuchertes bis hin zu kiloweise feinstem Fleisch vom örtlichen Metzger – das Paket geht für 60 Euro weg. Dazu Bier, Schnaps und Wein in allen Variationen, dazwischen gar ein ganzer Kuchen. Tipp des Auktionators an den Bieter: „Wennst ihn ned ganz schaffst, rufst halt an, ich komm’ gern und hilf“.

Günter Putz nimmt kein Blatt vor den Mund, wenn er seine Waren loswerden will. Ein Vogelhäuschen etwa preist er mit den Worten an: „Wir alle haben doch einen Vogel, aber nicht jeder ein Haus dafür“. Als es ihm zu laut wird im Raum, mahnt er seine Zuhörer, „etwas staader zu sein – oder habt ihr daheim keine Frau, mit der ihr ratschen könnt?“

Gekonnt und locker bringt er alles unter die Leute, was ihm aus dem Nebenraum gereicht wird, nur beim Set rosaroter Frauen-Unterwäsche wird’s zäh. Sein erster Versuch, die beiden Stücke an eine junge Frau, die direkt vor ihm sitzt, zu verkaufen, scheitert. Vielleicht auch deswegen, weil er „beim Probieren in der Pause“ gerne dabei wäre, wie er augenzwinkernd anmerkt. Als schließlich eine mutige Frau aus den hinteren Reihen ihr Zehn-Euro-Angebot in den Saal wirft, drehen sich blitzschnell alle Köpfe um, für einen kleinen Moment ist es fast still in der Stube. „Butzis“ Charme wirkt halt doch.

Friedbert Holz

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