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Runde Formen: das neue Pfarrheim in Hohenlinden.

Neues Pfarrheim in Hohenlinden

Die perfekte Welle

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Wellenhaus, Beluga, Flugzeughalle: Für das neue Pfarrheim in Hohenlinden gibt es schon viele Namen.  Dabei wird es ein charmanter, einladener Zweckbau.

 Hohenlinden – Der Volksmund ist manchmal schnell dabei, Dingen, die emotional so oder so berühren, besondere Namen zu verpassen. Wellenhaus ist da noch eine harmloseste Variation. Auch von Beluga, dem in der Arktis lebenden Weißwal, war schon die Rede. Von einer Flugzeughalle, einer Garage oder, wenigstens biblisch angehaucht, der Arche Noah. Allen Begrifflichkeiten gemeinsam ist, dass hier eigentlich „nur“ der Neubau des katholischen Pfarrheims gemeint ist, dessen Äußeres in der Tat für Hohenlindener Verhältnisse nicht gewöhnlich ist.

Was den einen oder anderen zudem verschreckt haben mag: So Modernes zu schaffen, traut man gerade diesem Bauherrn, der katholischen Kirche nämlich, offenbar nicht wirklich zu. Wer jedoch das Innere des Holzständerbaus mit dem auffallenden, ja extravaganten wellenförmigen Blechdach gesehen hat, der revidiert womöglich schon bald sein bisheriges Urteil.

Bis zur zweiten Jahreshälfte muss sich der Neugierige aber noch gedulden. Erst dann wird das neue Herzstück der Pfarrei St. Josef komplett fertiggestellt sein und es eine offizielle Eröffnung mit Tag der offenen Tür etc. gegeben haben.

Kirchenpfleger Josef Gallenberger ist in diesen Wochen und Monaten fast täglich auf der Baustelle. Dass es Kritiker gibt, was die Architektur des Hauses angeht, weiß er. Und dennoch scheut sich der Preisendorfer nicht, festzustellen, dass das neue Pfarrheim so, wie es gebaut wird, sein persönlicher Stolz und der der Kirchenverwaltung ist. Weil hier nachhaltig, umweltfreundlich und energetisch bewusst vorgegangen worden sei. Und weil hier bewiesen werde, dass auch Kirche ein Bauprojekt zu realisieren im Stande sei in einer verhältnismäßig kurzen Zeit.

Innen und außen wird kräftig gewerkelt

In diesen Tagen wird kräftig gewerkelt, außen wie innen. Gärtner nutzen die frühlingshaften Sonnenstrahlen gleich mal und legen gerade los. Sie bereiten alles vor für eine künftige Blumenwiese. Innen sind Handwerker dabei, die letzten Türen einzusetzen. Die Arbeiten insgesamt sind bereits so weit fortgeschritten, dass man sich schon jetzt ein gutes Bild von dem machen kann, was künftig den gut 2200 Hohenlindener Katholiken als ihr Pfarrzentrum zur Verfügung stehen wird.

Beispielsweise ein Büro mit zwei PC-Arbeitsplätzen und einem angeschlossenen eigenen Kopierraum. Alles ist mit Eichenparkett verlegt. Überall gibt es große Fenster oder gar riesige Schiebetüren, die den Zugang eröffnen zum künftigen Pfarrgarten, der via einer großzügigen, rustikalen Terrasse auch für gesellschaftliche Zwecke genutzt werden kann. Einige Hecken müssen noch gepflanzt werden, um wieder eine gewisse Abgrenzung zum nahen Friedhof zu schaffen.

Für die Jugend (Minis oder Pfadis) gibt es einen eigenen Raum mit eigener Küche, der obendrein einen direkten Anschluss zum Pfarrsaal hat. Der heißt bei den Architekten offiziell Multifunktionsraum. Und das nicht zu Unrecht. 82 nutzbare Quadratmeter stehen zur Verfügung. Platz genug für bis zu 80 Besucher, so Gallenberger. Damit hat der lichtdurchflutete Raum etwa die Kapazität seines Vorgängers, aber es gibt einen entscheidenden Unterschied: Hier ist alles barrierefrei zu erreichen.

Pfarrsaal kann in der Mitte geteilt werden

Blickfang im Pfarrsaal ist eine 2,75 bis 2,25 Meter große mehrfachverglaste Scheibe, die in der Tat dem Raum eine besondere Transparenz zu verleihen scheint. Mehrere Schiebetüren zur Terrasse bieten die Möglichkeit, Veranstaltungen hier sowohl drinnen als auch draußen stattfinden zu lassen.

Der Clou: Der Raum ist durch eine faltbare Wand in der Mitte teilbar, sodass zeitgleich auch zwei Veranstaltungen durchgeführt werden können. Die neue Heimat von Seniorennachmittagen, Pfarrversammlungen, Fortbildungen aller Art, Eltern-Kind-Angeboten oder Jugend-Events verfügt obendrein ebenfalls über eine moderne Küche mit Durchreiche.

Das neue Pfarrheim hat zudem noch einen Lager- und einen Archivraum, einen Technikraum sowie zwei Toilettenräume. Wobei wegen des erfolgten Anschlusses an die kommunale Wärmeversorgung so viel Platz für Haustechnik gar nicht benötigt wird. Etwas über 200 Quadratmeter Nutzfläche werden es am Ende mal sein, so Gallenberger.

Wellendach kommt ohne Schrauben aus

Das Besondere ist nicht nur die extravagante Dachform, die im Inneren geschickt aufgegriffen wird. Unter Holzpaneelen ist Filz verarbeitet, der zur Kondenswasseraufnahme dienen wird. Das gesamte Dach komme ohne Verschraubungen aus, so der Kirchenpfleger. Besonders ist auch die Vorgehensweise der Kirche bei diesem Hohenlindener Projekt insgesamt.

Offizieller Bauherr ist zwar das Ordinariat, die tagtäglichen Bauherrenaufgaben (wie Auftragsvergaben oder selbst die Bezahlung der Handwerker) hat man jedoch bewusst direkt in die örtliche Pfarrei St. Josef gegeben. Eine Vorgehensweise, die „eigentlich eine Ausnahme“ sei, so Josef Gallenberger. Oder, wenn man so will, ein zweites Pilotprojekt – neben der besonderen Architektur.

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