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Tollkühne Modellflieger und detailverliebte Bastler: So schön war das internationale Heli-Treffen Hohenlinden

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Von: Friedbert Holz

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Mit Schirm und Teleobjektiv hält ein Besucher Ausschau. Vor ihm steht ein Modell eines Bundesgrenzschutz-Helis.
Mit Schirm und Teleobjektiv hält ein Besucher Ausschau. Vor ihm steht ein Modell eines Bundesgrenzschutz-Helis. © Johannes Dziemballa

Spektakuläre Manöver, versierte Piloten und ausgefeilte Technik – das können nicht nur die Großen: Beim Modellbau-Helikopter-Treffen in Hohenlinden zeigten das die Fans des diffizilen Hobbys. Vor allem, das wird bei dem Besuch auf dem Flugplatz klar, fließt viel Herzblut in die Miniatur-Schmuckstücke.

Hohenlinden – Der kleine Hubschrauber steigt steil in den Himmel, fliegt rücklings weiter, mit dem Rotor nach unten. Ein Looping nach vorne folgt, dann eine Schraube nach oben, und plötzlich lässt er sich nach unten trudeln, immer schneller – stürzt er jetzt gleich über dem Maisfeld ab? Nein, der junge Mann aus Wasserburg hat seinen Henseleit TDR 2 voll im Griff, landet das Modell sauber auf der rund 6000 Quadratmeter großen Rasenfläche, dem Flugfeld des Fliegerclubs Hohenlinden.

Robert Sixt heißt der Könner an der Fernsteuerung, er hält mit 278 km/h den Geschwindigkeits-Rekord für diese Hubschrauber der Typklasse 3D-Acro. „Die Zahlen-Buchstaben-Kombination lässt schon ahnen, wofür diese leichten und sehr wendigen Fluggeräte gut sind“, verrät er. Denn damit lassen sich, genügend Fingerfertigkeit, Reaktionsvermögen und räumliches Denken voraus gesetzt, schier unglaubliche Manöver in die Luft zaubern.

Modellhelikopter: Akrobatik lässt Zuschauer staunen

Das wird den zahlreichen Zuschauern auch klar, als sie kurz darauf ein „Duett“ zweier solcher Mini-Helikopter verfolgen können. Ihre Piloten am Boden lassen sie derart akrobatisch durch den Äther tanzen, dass mancher nur noch mit offenem Mund hinterher staunt. Nach zwei Durchgängen ist dieses Air-Race vorbei, die Batterien sind leer.

Lama heißt das 2,5 Meter lange und 24 Kilo schwere Lastenhubschrauber-Modell von Andreas Schreiber.
Lama heißt das 2,5 Meter lange und 24 Kilo schwere Lastenhubschrauber-Modell von Andreas Schreiber. © Johannes Dziemballa

Rund 50 gestandene Männer und zwei Frauen sind zum ersten Treffen dieser Art nach Hohenlinden gekommen. Aus ganz Süddeutschland und dem nahen Österreich sind sie angereist, im Gepäck kleine Pavillons gegen die stechende Sonne, im Schatten darunter neben Camping-Mobiliar und einer mobilen Kleinstwerkstatt ihre besonderen Lieblinge: Hubschrauber-Modelle. In allen Größen und Farben sind sie hier vertreten, vom durchaus ernst zu nehmenden Flug-Spielzeug, wie der zwölfjährige Kilian eines besitzt, bis zum 2,5 Meter langen und 24 Kilo schweren Nachbau eines französischen Lama SA 315 von Aérospatiale.

Zwei Jahre Bauzeit für Riesen-Heli mit 2,5 Meter Länge und 24 Kilo Gewicht

„Dieser Hubschrauber war immer schon mein Traum. Denn fast alle mechanischen Teile an ihm sind sichtbar, ich habe ihn in zwei Jahren gebaut“, beschreibt Andreas Scheiber aus Kematen in Tirol sein Schmuckstück. „Bei uns zuhause fliegen diese Hubschrauber vor allem Lasten in die Berge, das Original ist 280 km/h schnell“. Nochmals 200 km/h schneller konnte ein Prototyp aus den USA im Jahr 1966 fliegen, der Lockheed 286. Er besitzt neben einem Rotor noch eine Schub-Turbine an winzigen Tragflächen, kam nie in Serie.

Der Besitzer eines solchen Modells im Mini-Format lässt ihn kurz laufen, sofort wabert Kerosin-Geruch durch die Luft. „Wir brauchten eine Sondergenehmigung, um Hubschrauber wie diesen oder einige andere mit Verbrennermotoren hier fliegen lassen zu können“, erklärt Reinhard Neumaier, erster Vorstand im Fliegerclub. „2014 startete der Verein mit 13 Mitgliedern, heute gehören 60 dazu, meist Männer im Alter zwischen zwölf und 70. 125 mal 30 Meter groß ist die gepachtete Wiesen an der Straße nach Forstern, geflogen wird bei uns im Sommer je nach Wetter, im Winter auch mal in einer Halle“.

Heute aber gehört der Himmel ganz den Rotor-Flüglern, die im Original mittels eines so genannten Pitchs in die Höhe gehen, mit Pedalen in der Luft ausgerichtet werden, mit einem Hebel direkt vor sich führt der Pilot alle anderen Manöver aus. Bei einer Fernbedienung indes gibt es nur zwei Hebel, deren Gebrauch sorgsam geübt sein will. Und so trainieren viele der Modell-Piloten, die einen „großen“ Hubschrauber mitgebracht haben, ihre Reflexe gerne auch an den 3D-Acros.

Schmuckstücke sind die Nachbauten berühmter Hubschrauber

Die wahren Schaustücke, die hier im Schatten der Pavillons parken, sind aber die Nachbauten von berühmten Helikoptern. So hat etwa Manfred Dopfer aus Unterschleißheim, 59-jähriger Maschinenbautechniker, einen wunderschönen grünen Bell UH-1D („Huey“) mitgebracht. „Ich habe ihn originalgetreu jenem Typ nachgebaut, wie er einst beim Bundesgrenzschutz im Einsatz war“, erklärt er. Gegenüber hat ein amerikanischer Hutchinson geparkt, bekannt aus der Fernsehserie „Magnum“, daneben wartet ein schwarzer MV Agusta aus Italien, elegant in der Linienführung und sehr schnell – der Papst sitzt manchmal in einem, ganz in Weiß lackiert.

Anderthalb Jahre Bauzeit hat Manfred Dopfer aus Unterschleißheim in dieses Modell eines einen Eurocopter EC 135 T3 der Schweizer Bergrettung investiert.
Anderthalb Jahre Bauzeit hat Manfred Dopfer aus Unterschleißheim in dieses Modell eines einen Eurocopter EC 135 T3 der Schweizer Bergrettung investiert. © Johannes Dziemballa

Dass auch moderne Technik hier Einzug hält, beweist eine Gruppe junger Leute aus Eggenfelden: Sie haben nach zwei Jahren im 3-D-Drucker ein Hubschrauber-Gehäuse aus Polyamid kreiert.

Sicherheitsvorkehrungen braucht es auch auf dem Modellflugplatz

Alles muss hier richtig und vor allem sicher ablaufen, darüber wacht Flugleiter Michael Greisinger aus Haar. Der Ingenieur pflegt sein Hobby schon über 40 Jahre, hat auch seinen Sohn damit infiziert. Er schwärmt von diesem präzisen Sport, würde sich über noch mehr Zulauf freuen.

Ein Training mit dem ersten Modell muss ja nicht so ablaufen, wie es jener Mittfünfziger schildert, der aus verständlichen Gründen anonym bleiben will. „Ich hatte mir einen Modellsatz gekauft und daheim gebaut. Weil schlechtes Wetter war, dachte ich an einen Testflug im Wohnzimmer. Leider war der Flug nur von kurzer Dauer: Der Hubschrauber stürzte ab, zuerst gab es Kratzer im Parkett-Boden vom Rotor, danach mächtig Ärger mit der Frau“. Nun trifft er sich regelmäßig mit Gleichgesinnten unter freiem Himmel, so wie diesmal in Hohenlinden.

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