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Das Set-Foto zeigt den Gastronom Manfred Gantner und seinen Vater Lorenz. Die Szene stammt aus dem Dokumentarfilm "B12 - Gestorben wird im nächsten Leben" von Christian Lerch.

Neue Kinodoku spielt im Landkreis Ebersberg

Skurril, warmherzig und echt: „B12: Gestorben wird im nächsten Leben“

Wo findet man das echte bayerische Leben? Im Biergarten vielleicht, ganz sicher abseits der ausgetretenen Touristenpfade. Und manchmal an ganz unspektakulären Orten, so wie in der Kinodokumentation „B12 - Gestorben wird im nächsten Leben“.

Hohenlinden - Das echte, urige Bayern - das wollen Urlauber und Zuzügler gerne finden. Sie suchen es im gemütlichen Biergarten im Schatten der Kastanien. Auf dem Oktoberfest zwischen Lederhose, Dirndl und Lebkuchenherz. Oder an einem der Sehnsuchtsziele rund um die bayerischen Alpen wie Chiemsee, Schloss Neuschwanstein oder Zugspitze. Der Schauspieler und Drehbuchautor Christian Lerch zeigt seine Heimat von einer anderen Seite. Sein Dokumentarfilm „B12 - Gestorben wird im nächsten Leben“ schildert den Alltag in einem Imbiss entlang einer vielbefahrenen Bundesstraße im Osten Münchens, weit entfernt von den üblichen Bayern-Klischees und garantiert keine Postkartenidylle, dafür aber mitten aus dem Leben.

2 Kilometer nach Hohenlinden, 146 Kilometer nach Passau, 31 Kilometer nach München. Unablässig rauschen Autos und Lastwagen an der kleinen Ortschaft Neupullach im  Landkreis Ebersberg vorbei. Eine gefährliche Renn-Strecke, auf der es schon viele schwere Unfälle gab. Kein Ort, der auf den ersten Blick zum Verweilen einlädt. Bauten liegen verstreut auf dem Grundstück - Häuser, Container und ein kleiner Biergarten, abgewirtschaftet und dennoch immer wieder von überraschendem, mitunter etwas morbidem Charme.

Lastwagenfahrer machen hier Pause, auf der Durchfahrt Richtung München oder Passau bis nach Tschechien. Andere kommen regelmäßig her, so wie die Männerrunde, die in unverfälschtem Bairisch in Erinnerungen schwelgt und über das Leben sinniert. Ihre besten Zeiten haben die Stammtischfreunde hinter sich. Konrad, der als Rock'n'Roll-Tänzer früher für Furore sorgte - jetzt braucht er eine neue Hüfte. Oder der Parkplatzwächter Mane, der keine großen Worte macht. Und Lorenz „Lenz“ Gantner, ehemaliger Wirt der Raststätte B12, der mit 89 Jahren unter körperlichen Gebrechen leidet und am liebsten sterben würde. Dass sein Sohn Manfred alles renovieren und umbauen will, sieht er sehr skeptisch. Doch der 42-Jährige will sich vom Vater nicht länger reinreden lassen, auch weil ihm der mit den Immobilien einen großen Batzen Schulden übergeben hat.

Der Regisseur Lerch zeigt in seiner Langzeitdokumentation den Freistaat von seiner ungeschönten Seite. Die Welt rund um den kleinen Imbiss ist rau und herzlich, manchmal tragisch und oft ziemlich skurril. Herrlich ist etwa die Szene, in der ein gekochter Saukopf serviert wird, samt Rüssel. Pfeffer und Salz dazu, perfekt, schwärmt Franz. „So Sachen g'hören 'gessen, dann bist immer g'sund. Sonst bist Du krank.“

Lange Jahre kannte Lerch, der aus Wasserburg am Inn stammt, das Rasthaus mit seinen vielen wechselnden Pächtern nur vom Vorbeifahren, aus dem Autofenster. „Also, eines Tages angehalten, ausgestiegen und eingetreten in einen Kosmos der Sorgen, Nöte, Sehnsüchte und wahrlich außergewöhnlichen Bewältigungsstrategien.“

Lerch hat diese Welt schon oft beschrieben, etwa als Drehbuchautor zu Marcus H. Rosenmüllers erfolgreichem Kinodebüt „Wer früher stirbt, ist länger tot“. Es ist die Alltagswelt, die nicht hochglänzend daherkommt wie auf Postkarten, die aber dafür echt und anrührend ist. Im vergangenen Winter zeigte der Bayerische Rundfunk bereits kurze Episoden als Web-Serie. Die Szenen im Film sind jedoch fast alle neu und waren vorher noch nicht zu sehen. Lerchs Resümee der Dreharbeiten rund um das Rasthaus: „Es war lehrreich, lustig, magisch. Und manchmal schauerlich. Wie das Leben selber. Merci B12!“.

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