Übler Nachbarschaftsstreit in Hohenlinden 

 Rasierklingen-Anschlag im Mietshaus

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Ein übler Nachbarschaftsstreit tobte in einem Dreiparteienhaus in Hohenlinden – bis zum traurigen Höhepunkt: Eine Mieterin (45) legte Rasierklingen in die Turnschuhe einer anderen Mieterin (40).

Hohenlinden -  Zum Glück entdeckte die Frau die Klingen, bevor sie zum Joggen in die Schuhe schlüpfte. Doch die 25-fach vorbestrafte Hartz-IV-Empfängerin kassierte die Quittung: Wegen versuchter gefährlicher Körperverletzung und Sachbeschädigung verurteilte das Amtsgericht Ebersberg sie zu sieben Monaten Haft. Die Verurteilte beteuerte aber ihre Unschuld – und legte Berufung ein.

Vor dem Landgericht München II wurde der Fall noch einmal aufgerollt. „Ich habe die Tat nicht begangen“, sagte die Angeklagte in München, „ich finde es sehr schade, dass die Richterin mir nicht geglaubt hat.“ Und an die neue Richterin gewandt: „Ich möchte Sie bitten, mir zu helfen, den Fall aufzuklären.“ Die zwei Nachbarinnen über und unter ihr hätten sie gemobbt. Sie hätten sich zusammengetan, um sie anzuschwärzen – und das Gericht geradewegs angelogen. Die 45-Jährige beteuerte auch, dass sie die Taten bei all ihren Vorstrafen zugegeben habe – aber diesmal sei sie es nicht gewesen. „Es gab kein Motiv, den beiden etwas zuzufügen“, sagte sie, „ich wollte mit ihnen klar kommen.“ Sie hätte schließlich dort wohnen bleiben wollen. Inzwischen wurde sie aber zwangsgeräumt.

Der Vermieter (73) als erster Zeuge sprach von „Schikanen“, die sich dauernd gesteigert hätten: Sie habe dauernd den Hausmeister beschuldigt, den Waschraum zugemüllt, den Garten in Beschlag genommen, übel riechende Flokati-Teppiche aufgehängt. Mit dem Einzug der 45-Jährigen sei der Unfrieden ins Haus gekommen. „Sie ist ausgezogen – und der Frieden im Haus war hergestellt.“

Auch die Nachbarin (49) aus dem Erdgeschoss berichtete von Schikanen durch die Angeklagte. Mehrmals habe diese einen Wasserschaden im Haus verursacht; die Tür sei mit Ketchup verschmiert gewesen, die Blumen mit Seifenlauge zerstört; die Autoreifen seien zerstochen gewesen. Den Vorwurf eines „Komplotts“ wies die 49-Jährige zurück: „Das ist ein Schmarrn. Wir hätten uns so gut unterhalten können, wenn sie nicht immer so einen Schmarrn gemacht hätte.“

Im Oktober 2015 habe die 45-Jährige dann die Fußmatten der beiden anderen Frauen mit blauer Acrylfarbe beschmiert, sodass die 49-Jährige mit den Schuhen hineintrat, die dadurch ruiniert waren. Zwei Wochen später folgten je zwei Rasierklingen in den Schuhen der 40-jährigen Dachgeschossbewohnerin. Sie rief die Polizei.

Am Ende glaubte auch die Richterin am Landgericht den Zeuginnen, die jeden anderen als Täter ausschließen konnten. Nun muss die Hartz-IV-Empfängerin für sieben Monate ins Gefängnis.

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