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Kiesabbau ist umstritten - auch in Hohenlinden.

Umwelt

Hohenlinden droht noch mehr Kiesabbau

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Auch wenn es sich rechtlich nicht verhindern lässt: Der Hohenlindener Gemeinderat hat einen Antrag für eine weitere Kiesgrube zurückgestellt - und setzt auf Gespräche mit dem Betreiber. 

Hohenlinden– Das Dilemma hat Vizebürgermeister Tom Riedl ganz treffend zum Ausdruck gebracht: Kiesabbau ist hierzulande privilegiert. Die Möglichkeiten einer Gemeinde wie Hohenlinden sind daher begrenzt, entsprechende Anträge auf Abgrabungsgenehmigungen abzulehnen. Im Zweifelsfall würde man bei der eigentlichen Genehmigungsbehörde im Landratsamt oder gar vor Gericht stets den Kürzeren ziehen. Eine weitere, gut einen Hektar große Grube direkt am Rande des Ebersberger Forsts und im Anschluss an eine schon bestehende Kiesgrube müsse man daher, so Riedl, vom Herzen und Verstand her ablehnen. Wissend, dass man sie politisch wohl nicht verhindern kann.

Auch Bürgermeister Ludwig Maurer (ÜWH) kam zu einer ähnlichen Bewertung, als der Gemeinderat in öffentlicher Sitzung den Antrag der Forstinninger Tiefbaufirma Hörgstetter zu behandeln hatte.

Hörgstetter hatte formell mit Datum vom 16. Januar 2017 einen Antrag gestellt, im Anschluss an eine schon betriebene Grube eines Mitbewerbers eine weitere, 0,98 ha große Fläche ausbeuten zu können. Dabei geht es dem Vernehmen nach um eine Abbautiefe von 14 Metern und einem Volumen von rund 100 000 Kubikmetern.

Die Kiesgrube soll, so hieß es, über einen Zeitraum von zwölf Jahren betrieben werden, was eine Ausbeutung von 8500 Kubik pro Jahr entspricht oder, wie im Plenum berechnet wurde, um zwei bis drei Lkw-Bewegungen pro Tag. Nach den zwölf Jahren soll die Grube binnen drei Jahren mit kontrolliertem Material wiederverfüllt werden und eine landwirtschaftliche Nutzung folgen, so wie das Areal heute auch schon genutzt wird.

Bürger befürchten Kraterlandschaft

Die Hörgstetter-Grube liegt innerhalb einer in Planung befindlichen Konzentrationsfläche im Ortsteil Neustockach, für die die Gemeinde Hohenlinden derzeit ein Konzept erarbeiten lässt. Mit diesen Konzentrationsflächen will man ein Ausufern von Kiesgruben rund um den Ortskern eigentlich verhindern (wir berichteten bereits). Würde man nun dem Hörg-stetter-Antrag zustimmen, so war Tenor im Plenum, würde man die Erarbeitung eines Konzentrationskonzepts quasi selber torpedieren bzw. ad absurdum führen.

Was den Räten besonders im Magen liegt, ist die verkehrliche Erschließung dieser Abbauareale. Im Rat gibt es große Sorgen, dass Probleme programmiert würden, sollten die Zufahrten zu dicht an den Kreuzungsbereich der Ebersberger Straße mit der Ortsumgehung kommen.

Hans Hörgstetter bekam sogar im Plenum das Wort und signalisierte zumindest Gesprächsbereitschaft, um das angesprochene Erschließungsproblem in den Griff zu bekommen. „Wir liegen nicht weit auseinander“, sagte er mit Verweis auf bereits geführte Gespräche mit den Straßenbehörden. Machte aber auch klar, dass man sich eine zeitnahe Lösung wünsche.

CSU-Ratsherr Tom Riedl brachte im Verlauf einer ausführlichen Debatte auch das Argument einer Landschaftsbildzerstörung ins Spiel. Hohenlinden habe aufgrund der teils mächtigen und daher wirtschaftlichen Vorkommen von Kies seit vielen Jahren um sich herum mit Kiesgruben zu tun und dabei auch mit deren negativen Begleiterscheinungen. Sauer reagierte Riedl daher, als er nun in einer Stellungnahme der Landschaftplanung sinngemäß lesen musste, dass die geplante Grube der Forstinninger Firma Sichtachsen nicht wesentlich beeinträchtige.

Wie der Vizebürgermeister sehen das inzwischen offenbar auch immer mehr Bürger kritisch. „Uns droht eine Kraterlandschaft“, sagt etwa Claudia Mangels. Die 50-Jährige versteht nicht, warum sich nicht schon längst im Ort eine Initiative lautstark zu Wort gemeldet hat, die gegen Raubbau, Landschaftsverunstaltung, Lärm und Dreck zu Felde zieht. Nur weil etwas rechtlich erlaubt sei, müsse es nicht gleich gut und richtig sein, so die Anliegerin aus der Buchenstraße, die die Ratsdebatte als Zuhörerin verfolgte. Von „sinnloser Ausbeutung der Natur“ spricht sie. Davon, dass hier keine Nachhaltigkeit erkennbar sei. Wer wie sie der Meinung ist, dass es nun gut sei mit weiteren Kiesgruben auf Hohenlindener Flur, den lädt sie gern ein zu einer Kontaktaufnahme unter der Mailadresse claudia.mangels@t-online.de.

Der Rat stellte den Antrag formell zunächst zurück – einstimmig. Ratsherr Rudi Woidich (CSU) hatte einen entsprechenden Vorstoß angeregt. Nun hat man zumindest dadurch maximal drei Monate Zeit gewonnen. Zeit, um beim Planungsverband nachzufragen, welche Möglichkeiten es gibt, etwas zu verhindern, was womöglich nicht zu verhindern ist.

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