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Wo 950 Königinnen begattet werden: Besuch in der Belegstelle Sauschütt im Ebersberger Forst

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Von: Friedbert Holz

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Im Ebersberger Forst befindet sich die Belegstelle Sauschütt.
Im Ebersberger Forst befindet sich die Belegstelle Sauschütt. © Johannes Dziemballa

Tief im Ebersberger Forst brummt‘s, summt‘s und geht es rund: In der Belegstelle Sauschütt werden Bienenköniginnen begattet. Jetzt ist gerade Hochsaison.

Hohenlinden – Sie ist kaum auszumachen, die Belegstelle Sauschütt, nur ein kleines Schild an der Staatsstraße 2086 zwischen Hohenlinden und Ebersberg gibt einen unscheinbaren Hinweis. Dabei wird hier, mitten im Ebersberger Forst auf einer schmalen Lichtung, von winzigen Bienen Großes geleistet. In rund 50 so genannten Begattungskästen, auf Pflöcke montiert und wie als großer Garten angelegt, wohnen zeitweise Bienenvölker mit ihrer jungen, noch unbegatteten Königin. Die kennt nur ein einziges Ziel: von Drohnen begattet zu werden, um anschließend, zurück im Holzkästchen, wieder Eier für viele neue Bienen zu legen.

Belegstelle seit den 1930er-Jahren in Betrieb

„Belegen“ heißt das in der Fachsprache der Imker, die hierher, ganz in der Nähe des Ausflugslokals Sauschütt, ihre jeweiligen Bienenköniginnen zum Begattungsflug bringen. „Diese Belegstelle, seit den 1930er-Jahren in Betrieb, ist deshalb mitten im Wald angelegt“, erklärt Herbert Schwarzer aus Dorfen, „weil sowohl Bienen als auch Drohnen einen Flugradius von rund sieben Kilometern haben und wir sicher sein wollen, dass sie hier nicht gestört werden, etwa durch unerwünschte Drohnen einer anderen Bienenrasse“.

Die Imker Herbert Schwarzer und Kathi Seidl.
Die Imker Herbert Schwarzer und Kathi Seidl. © Johannes Dziemballa

Es ist die einzige Belegstelle im Ebersberger Forst, die nächste liegt weit entfernt im Freisinger Moos. „In der Saison, die von Mitte Mai bis etwa Mitte August reicht, sind etwa 950 Bienenköniginnen zu begatten“, weiß Imkerin Kathi Seidl aus Reithofen. Sie und Herbert Schwarzer, beide Mitglieder im Imker-Kreisverband Erding, haben Bienen in einem der vielen Begattungskästen. „Jeweils etwa 500 Arbeiterinnen mit einer Königin, die sich an einem Futterteig aus Zucker laben können. Diese Nahrung reicht den kleinen Tieren für etwa zwei bis drei Wochen.“

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Zu sehen sind zudem drei kleine Kunststoff-Rähmchen mit Waben. So kann ein Bienenzüchter auf diesen Brutwaben kontrollieren, ob die Begattung funktioniert und die Königin schon Eier abgelegt hat.

Bis zu 150 Holzkästen mit Bienenvölkern stehen in der Belegstelle.
Bis zu 150 Holzkästen mit Bienenvölkern stehen in der Belegstelle. © Johannes Dziemballa

Der Grund, weshalb die Bienen ihren Heimatstandort verlassen, liegt im Begattungsvorgang ihrer jeweiligen Königin. Sobald diese geschlüpft ist, etwa nach fünf Tagen, verlässt sie das besagte Holzhäuschen und fliegt zu den Drohnen.

Diese männliche Form der Bienen ist etwas größer und dient ausschließlich der Erhaltung ihrer Rasse. Im Bienenstock müssen sie keinerlei Arbeiten verrichten, sammeln auch keine Pollen, gelten – das weiß schon jedes Kind aus der „Biene Maja“ – als faul. Auch sie leben hier im Wald in ähnlichen Kästen, schwärmen täglich aus.

Königin legt bis zu 2000 Eier am Tag

Beim sogenannten Hochzeitsflug der Bienenkönigin zu Drohnen-Sammelplätzen wird sie von fünf bis zehn verschiedenen Drohnen im Flug begattet, „ein Sekundenvorgang, der nur sehr schwer zu beobachten ist“, erzählt Imker Schwarzer. Die jeweiligen Drohnen sterben nach dem Begattungsakt, haben damit ihre Schuldigkeit getan. Die Königin aber fliegt wieder zurück zu ihrem Volk, legt etwa fünf Tage nach der Begattung die befruchteten Eier ab – bis zu 2000 am Tag.

„In der Hochsaison“, berichtet Schwarzer, „können hier an der Belegstelle dann bis zu 150 solcher Holzkästen stehen. Pro unbegattete Königin sind von Imkern dann 1,50 Euro als Unkostenbeitrag an unseren Verband zu zahlen.“ Nach der Begattungssaison werden sowohl die verschiedenen Bienenvölker samt ihrer Königinnen, als auch die Drohnen-Völker wieder heimgebracht, wo sie auf die neue Saison warten.

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