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Das geplante Neubaugebiet wird an die bestehende Bebauung Ahornstraße (Bildmitte) anschließen. 

Wohnen in Hohenlinden

Bedenken im Dutzend

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Die Anlieger wehren sich: Das geplante Neubaugebiet „In den Reutten III“ in Hohenlinden stößt auf erheblichen Widerstand.

 Hohenlinden – Der Siedlungsdruck rund um München ist groß. Die Nachfrage nach halbwegs bezahlbarem Wohnraum ist gewaltig. Nicht zuletzt sollen es wenigstens ein paar Einheimische sein, denen die Kommunalpolitik ermöglichen möchte, in ihrem Heimatort wohnen bleiben zu können. Mit den Neubaugebiet „In den Reutten III“ glauben die Verwaltung und der Gemeinderat in Hohenlinden, diesem Bedarf ein Stück weit Rechnung tragen zu können. Doch ganz widerstandslos kann die Gemeinde den erforderlichen Bebauungsplan nicht aufstellen.

Über zwei Stunden lang diskutierte der Gemeinderat jetzt öffentlich. Mehrere nichtöffentliche Termine waren dem Ganzen vorausgegangen. Den Hintergrund für die stellenweise langatmige Debatte lieferten im Kern zwei Schreiben mit jeweils gut einem Dutzend Einwänden gegen die Planungen der Gemeinde. Eines stammt von einer Interessengemeinschaft aus der benachbarten Ahornstraße, eines von einem Anwalt, den ein Ahornstraßen-Anlieger dazu beauftragte. Inhaltlich unterscheiden sich beiden Schreiben kaum, wie Bürgermeister Ludwig Maurer im Plenum bemerkte. Folglich gab es auch stellenweise gleichlautende Antworten der Gemeinde auf die formulierten Einlassungen. Beziehungsweise ging es um Stellungnahmen des Planungsverbandes Äußerer Wirtschaftsraum, der im Auftrag der Gemeinde das Neubaugebiet östlich des Siedlung in der Ahornstraße planerisch entwickeln soll.

Die Bedenken der Anlieger gibt es quasi im Dutzend. Die neuen Pläne seien nicht konform mit dem Flächennutzungsplan, hieß es beispielsweise. Kritisiert wird die geplante Straßenführung, die zu intensive Bebauung. Parkkonflikte seien daher programmiert. Es könne Probleme mit einer benachbarten Starkstromleitung und einem Mobilfunkmassen geben. Die (beschleunigte) Verfahrensweise überhaupt sei ebenso nicht akzeptabel. Die Gemeinde wolle so auf eine Umweltprüfung verzichten. Geht so nicht, sagen die Ahornstraßen-Anlieger. Geht doch, erwidert der Planer.

Kritisch wird nicht zuletzt die Lärmsituation gesehen, die sich durch die B-12-Umfahrung ergebe. Für ein Wohngebiet zu hoch, sagen die Kritiker. Die angedachte Erweiterung der bestehenden Lärmschutzwand bringe nichts.

Damit haben die Bedenkenträger sogar nicht einmal unrecht. Gutachterliche Prognosen räumen ein, dass es Überschreitungen von Orientierungs- und teilweise auch von Grenzwerten gebe. In diesen Fällen (drei geplante Gebäude wurden genannt) sollen besondere Regelungen im passiven Lärmschutz, also Maßnahmen an den Fassaden und an den Fenstern, die Lösung sein.

Besonders kritisiert wurden in den genannten Schreiben mögliche Verschattungen durch die künftig entstehenden Neubauten. Auch hier stellte der Planungsverband im Verlauf der Sitzung ein Gutachten vor. Eigens zu diesem Thema wurde sogar ein 3-D-Model geschaffen. Das Ergebnis: Ja, es gibt Verschattung. Aber, so sagen die Planer, in einem verträglichen Ausmaß. Teilweise gehe es nur um ein paar Stunden in den frühen Morgenstunden. Als Bezugspunkte diente die Sonneneinstrahlung an zwei genau definierten Tagen im Januar bzw. März. Der Vorwurf, durch die Verschattung würden persönliche Rechte von Bewohnern der Ahornstraße gemindert, wurde zurückgewiesen.

Das Schattenproblem tauchte auch deshalb auf, weil die geplanten Neubauten mit Wandhöhen bis zu 5,8 Metern deutlich höher werden sollen als die bestehenden Bauten in unmittelbarer Nachbarschaft, wobei die Entfernungen zwischen den bestehenden und geplanten Häusern zwischen 16 und 18 Meter ausmachen werden.

Dass womöglich in den Reutten III höher gebaut werden darf als in den Reutten II, ist daher derzeit auch ein Thema. Ein Thema aber, das für die Mehrheit im Rat kein Problem darstellt. Der Zeitgeist sei inzwischen ein anderer, sagt etwa Bürgermeister Maurer.

Und mehrere andere Mandatsträger verwiesen darauf, dass auf kleiner werdenden Grundstücken einfach automatisch höher gebaut werden müsse. Man wolle möglichst vielen die Chance geben, noch selber bauen zu können. Größere Grundstücke seien einfach nicht mehr zu bezahlen, so der Tenor.

Sämtliche Einwände wiesen der Planungsverband bzw. die Gemeindeverwaltung und der Gemeinderat letztlich zurück. Auch den der Vorwurf, es sei eine zu massive Bebauung angedacht worden. Im Verhältnis der Grundstücke zu der bebauten Fläche orientiere man sich vollkommen an dem Richtwert, der auch schon in der Ahornstraße angewendet worden war, hieß es.

Lediglich Ratsherr Josef Neumeier entpuppte sich im Plenum als nahezu einsamer Kämpfer für die Belange aus der Ahornstraße. Womöglich nicht ganz zufällig. Einer seiner Söhne ist dort Anlieger. Neumeier selber hatte ebenfalls ein Paket an Bedenken und Einwänden schriftlich geschnürt, durfte aber bei deren Abarbeitung im Rat nicht mitstimmen. Die Kollegen wiesen seine Bedenken allesamt zurück.

Demnächst werden die so genannten Träger öffentlicher Belange (Behörden, Verbände, Vereine, die Wirtschaft etc.) in dem laufenden Bebauungsplanverfahren zu Wort kommen. Im optimalen Fall, hieß es, könnte ein Satzungsbeschluss im Herbst auf dem Tisch liegen.

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