SV Hohenlinden vor der Pleite - Gemeinde hilft aus

Hohenlinden - Der Sportverein Hohenlinden steht kurz vor der Pleite. Damit der Betrieb weitergehen kann, wird die Gemeinde kurzfristig in die Bresche springen.

Martin Werndl jun. stand da in Jeans, Hemd, Lederjacke und Baseballmütze. Doch in seiner Rolle als Vorstand beim SV Hohenlinden stand er sprichwörtlich auch da wie ein nackter Mann, dem man keinen Euro mehr aus der Tasche ziehen kann.

Dem Sportverein, seinem SVH, geht es finanziell alles andere als gut. Einsparpotential? „Da geht nichts mehr, was wir noch machen können“, versicherte er im Gemeinderat. Und fügte, ungefragt, gleich noch an, dass es keine Spieler in der ersten Mannschaft gebe, die für ihre Kickerkünste Geld bekämen.

Leider aber gebe es auch zu wenig bis gar keine Mitstreiter, so Werndl, die dem Vereinsvorsitzenden unter die Arme greifen würden, um das SVH-Schiff insgesamt wieder flott zu kriegen. „Man findet keine Leute, die mitmachen wollen“, beklagte er. Es gebe zum Beispiel ein von Vizebürgermeister Thomas Riedl ausgearbeitetes Konzept für die Bandenwerbung am Sportplatz, aber ihm fehle die Zeit, es auch nur in Ansätzen umzusetzen, so Werndl im Verlauf der Gemeinderatssitzung am Montag.

Im Verein gebe es dagegen viele, die sich liebevoll um den Erhalt des Sportlerheims bemühen, das längst in die Jahre gekommene Mobilar pflegen und auch sonst darauf achten, dass die Betriebskosten seit Jahren minimiert werden. Nun aber sei Ende der Fahnenstange.

Im Vorjahr fehlten 10 000 Euro, die Rücklagen seien aufgebraucht, sekundierte ihm Martin Hubner, Gemeinderat und als Rechnungsprüfer ehrenamtlich im Verein tätig. Eine Sonderumlage für alle Mitglieder (15 Euro) habe es bereits auf der Grundlage eines Beschlusses der Jahreshauptversammlung gegeben, so der ÜWH-Mann weiter. Das eingenommene Geld ist längst wieder ausgegeben worden. Derzeit prüfe eine Kommission, in welcher Form man die Mitgliedsbeiträge für das Jahr 2012 und den folgenden Jahren verändern könne, um dem Klub insgesamt ein wenig mehr Luft zu verschaffen. Im kommenden Januar werde man das Kind aus der Taufe heben, so Hubner. Ende Januar werde der Jahreshauptversammlung ein Vorschlag unterbreitet, den alle Mitglieder dann beschließen sollen. Immerhin gehe es auch darum, neue Mitgliedsbeiträge so zu gestalten, dass sie als sozialverträglich für alle empfunden würden. Hubner: „100 Euro pro Jahr für ein Fußballkind, das können viele aufbringen, aber nicht jeder.“

Die Zeit drängt. So sehr, dass der Gemeinderat jetzt einstimmig entschieden hat, weitere Betriebs- und Unterhaltskosten für das Sportheim bzw. das -gelände zu übernehmen. Es geht um Wasser-, Strom-, Müll- und Kanalisationskosten. Und es geht dabei um rund 4000 Euro, die die Kommune für dieses Jahr und für 2012 übernehmen wird.

Eine gute Nachricht für die Kommission, die in der nächsten Woche wieder tagen wird. Und eine Nachricht, die den Klubverantwortlichen vor den nächsten Zusammenkünften etwas mehr Luft verschaffen werde, wie Hubner und Werndl versicherten. Und Zeit, nach neuen Lösungen zur Krisenbewältigung zu suchen.

Von Jörg Domke

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