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Holzwurm ist nicht zu stoppen

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Hohenlinden - Der Holzwurm nagt und nagt und nagt und nagt in der Filialkirche Kronacker. Da kann Mesnerin Gertraud Oskar noch so fleißig gegenarbeiten.

Wer in diesen heißen Tagen ein Abkühlung suchte, der fände in der Filialkirche in Kronacker ein ideales Plätzchen.

Nun ist eine Kirche zuallerletzt kein überdimensionierter Kühlschrank, sondern in erster Linie ein Ort der Besinnung. Und der will in der Regel ungestört sein. Ungestört von Besuchern, die erfrischende Kühle suchen, ungestört aber auch von anderen Unannehmlichkeiten. Doch die gibt es in dem kleinen Gotteshaus genügend.

Immer wieder haben Katholiken aus dem Hohenlindener Ortsteil aufmerksam gemacht auf den baulich miserablen Zustand des Gotteshauses. Einer von ihnen, Leo Pointner, Landwirt und unmittelbarer Nachbar, glaubt den Grund zu wissen: „Das Hauptproblem der Kirche in Kronacker ist ihre Bedeutungslosigkeit. Ist die Tatsache, dass wir es hier mit einer Kirche zu tun haben, die eigentlich kaum jemand außerhalb von Kronacker braucht.“

Vor ziemlich genau einem Jahr, am 11. August 2010, hatte die Heimatzeitung auf einer ganzen Seite über die Filialkirche berichtet. „Wie ein Haufen Elend“ lautete der Titel. Mesnerin Gertraud Oskar hatte damals auf die giftgrünen Schimmelflecken an den Wänden gezeigt, die man mit Tüchern zuhängt, wenn Gottesdienstzeit ist. Hatte auf die Spuren hingewiesen, die der Holzwurm täglich hinterlässt. Die EZ hatte berichtet von engagierten Kronacker Bürgern, denen der weitere Verfall ihres Gotteshauses nicht wurscht ist. Und hatte dabei den Eindruck gewonnen, dass in der 70-Seelen-Bauernschaft viele den Glauben daran, dass sich einmal etwas tun wird, fast verloren haben.

Leo Pointner, und mit ihm andere Bürger aus Kronacker, stellt sich seit Jahren die immer gleichen Fragen: „Warum verfällt eine Kirche?“ Und: „Wie kann es sein, dass ein Gotteshaus in einem Jahrhundert zu einem Haufen Elend verkommt?“ Das in einem Land, das durch aus im Wohlstand lebt.

Nun ist ein Jahr vergangen. Und hat sich etwas getan? Gertraud Oskar kann gar nicht anders antworten: „Nein, nichts.“ Auf Initiative von Leo Pointner ist immerhin eine Kommission des Denkmalamtes aufgetaucht und hat sich das Anwesen angesehen. „Der Denkmalschutz ist tätig im Rahmen seiner Möglichkeiten“, bricht Pointner eine Lanze für die Mitarbeiter des Landesamtes.

Ende Mai sei erstmals die Pfarrei an ihn herangetreten mit der Absicht, für eine eventuelle Renovierung gesicherte Zuwege zu bekommen. Pointner: „Das war für uns ganz neu“. Die Verhandlungen laufen noch. Der ehemalige Ratsherr: „Wir sind auf einem guten Weg.“

Auch Michael Jedl von der Hohenlindener Kirchenverwaltung weiß nichts von weitergehenden Aktivitäten innerhalb der letzten zwölf Monate.

Doch es pressiert. Niemand weiß das besser als die Mesnerin, die derzeit regelmäßig die Hinterlassenschaften des Holzwurms beiseite wischt. Und doch ohnmächtig mit anschauen muss, dass die kleinen Nager noch fleißiger sind als die fleißigste Mesnerin. „In dem einen Jahr ist es noch schlechter geworden mit dem Wurm“, sagt sie fast frustriert. „Der Zahn der Zeit nagt, und der Holzwurm frisst weiter“. (siehe auch Bilderstrecke)

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