Kinder unter Rettungsdecken: Das heftige Unfwetter beim Bürgerfest Anfang Juli bescherte Feuerwehr und Rotem Kreuz eine unruhige Nacht. Foto: Stefan Rossmann

Horror-Unwetter: Versicherung zahlt nicht

Zorneding - Die Schäden in Millionenhöhe durch das Unwetter beim Zornedinger Bürgerfest Anfang Juli werden nicht von Versicherungen übernommen. Der Grund: Es war höhere Gewalt, für die keine Assekuranz gerade steht.

„Hausbesitzer und Gemeinde bleiben auf ihren entstandenen Kosten sitzen“, kommentiert Bürgermeister Piet Mayr (CSU) ein Schreiben der Versicherungskammer Bayern, das jetzt ins Zornedinger Rathaus geflattert ist. Dabei hat das „grobe Unwetter nicht unerhebliche Schäden hinterlassen“, weiß der Bürgermeister. Die Versicherungskammer stützt sich auf ein Gutachten des Deutschen Wetterdienstes. Das hat laut Mayr ergeben, „dass an diesem Tag innerhalb von 15 oder 20 Minuten bis zu 39,28 Liter Regen pro Quadratmeter gefallen sind“. Derartige Niederschlagsmengen innerhalb eines so kurzen Zeitraums würden dem Deutschen Wetterdienst zufolge „weniger als einmal in 100 Jahren“ auftreten. Das Attest, das im Schreiben der Versicherungskammer nachzulesen ist: „Damit liegt ein Fall höherer Gewalt vor.“

Die Konsequenz formuliert der Bürgermeister so: „Das bedeutet, dass seitens der Versicherung keine Schadensersatzleistungen in Aussicht gestellt werden können.“

Die Gemeinde ist selbst Betroffene: Im Jugendtreff hinter dem Rathaus am Wiesenweg haben die eindringenden Wassermassen den Bodenaufbau im Untergeschoss durchfeuchtet. „Die Böden wurden so stark in Mitleidenschaft gezogen, dass nun umfangreiche Sanierungsarbeiten nötig sind“, sagt der Rathauschef. Mayr sieht aber auch Positives, denn ein Schaden sei selten ohne Nutzen: Die jungen Aktiven des Jugendtreffs hätten sich nämlich entschlossen, selbst Hand anzulegen und die Räumlichkeiten von oben bis unten neu zu gestalten. So seien inzwischen die Wände frisch gestrichen, die Theke abgeschliffen und Möbel, die schon lange auf der Wunschliste gestanden hätten, angeschafft worden.

Dass trotz der schlechten Nachricht der Versicherungskammer Bayern etliche der betroffenen Hausbesitzer möglichst wenig finanzieller Schaden entsteht, hat der Gemeinderat erst kürzlich ein positives Signal gesetzt: Die Kommune bat nämlich nicht, was sie durchaus gekonnt hätte, die Bürger für Dienstleistungen von Zornedinger Feuerwehren zur Kasse, fürs Kellerauspumpen oder das Beseitigen abgebrochener Äste. Da aber auch auswärtige Feuerwehren in jener Nacht helfend im Einsatz waren, übernahm aus Gründen der Gerechtigkeit auch deren Kosten die Gemeinde.

„Es wäre ja nicht gegangen, das der eine nichts bezahlen muss, nur weil die Zornedinger Wehr bei ihm abgepumpt hat, der Nachbar aber schon, weil bei dem zufällig auswärtige Einsatzkräfte tätig waren“, so Rathauschef Mayr weiter. Deren Rechnungen beliefen sich auf knapp 10 000 Euro. Zusammen mit den Einsätzen der Zornedinger Feuerwehren ließ sich die Kommune die Folgen des Unwetters nahezu 50 000 Euro kosten.

Von Eberhard Rienth

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