Hunger im reichen Vaterstetten

Vaterstetten - „Es gibt Leute hier, die hungern“, betonte Michael Münch, verantwortlich für die Caritas-Beratungsstelle in Vaterstetten. Er stellte jetzt seinen Jahresbericht im Sozialausschuss vor.

Es ist kaum zu glauben: Vaterstetten ist eigentlich eine reiche Gemeinde. Doch Münch kümmert sich um Menschen in der Kommune, die sich selbst nicht mehr helfen können. Oft geht es um ältere Mitbürger, die sich schämen, überhaupt um Unterstützung zu bitten. Manchmal muss sehr schnell gehandelt werden. Und da geht Münch dann selbst in den Supermarkt um einzukaufen und Lebensmittel bei den Betroffenen vorbei zu bringen. Das dazu notwendige Geld stammt aus einem Notfalltopf, der unter anderem aus der Caritas-Sammlung gespeist wird. Das örtliche Altenhilfewerk ist ebenfalls eingebunden. Informiert über Bedürftige wird Münch manchmal auch von aufmerksamen Nachbarn.

Die Anfragen nach sozialer Beratung zeigen oft eine Anhäufung von Problemen, die sich beispielsweise als Folge beginnender oder lang andauernder Arbeitslosigkeit, psychischer Krankheit, Unfall, fehlender Krankenversicherung, Schulden, Trennung oder der hohen Mietkosten in Vaterstetten entwickelt haben. Letzteres ist ein besonders Problem. Münch: „Es gibt 80 bis 90 Vormerkungen für Sozialwohnungen.“

Den Betroffenen gelinge es meist lange Zeit, die Probleme zu beschönigen und nach außen die Fassade zu wahren. Irgendwann geht es aber nicht mehr. Oft stelle sich heraus, dass gesetzliche Leistungen nicht oder verspätet beantragt oder Folgeanträge versäumt wurden. Viele Anspruchsberechtigte stünden den oft komplizierten Antragsformularen hilflos gegenüber. Die kritische Situationen wie zum Beispiel eine drohende Stromsperre oder die Kündigung der Wohnung werde unterschätzt. Münch machte im Ausschuss aber auch klar: „Ich leiste nur Hilfe zur Selbsthilfe. Die Betroffenen müssen selbst mitarbeiten, um die Situation zu bereinigen.“

Robert Langer

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