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Ihnen stinkt's? Dann lesen Sie das!

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Bürokratie lähmt, Bürokratie erstickt Initiative – dennoch wird sie immer mehr. Foto: Imo-Phalanx

Ebersberg - Wundern Sie sich noch oder ärgern Sie sich schon? Wir ärgern uns. Darüber, dass die Ampeltaktung in Kirchseeon nur dann leidlich ihren Zweck erfüllt, wenn die Straße trocken ist und nicht wenn’s schneit, so wie am Donnerstag. Dass beim kleinsten Scheefall die S-Bahn eine halbe Stunde Verspätung hat. Dass sich die Webfehler unserer Gesellschaft inzwischen in die ungünstigste Richtung aufaddieren.

Wir ärgern uns, dass ein Fußgänger in Ebersberg auf dem Weg ins Café mit einem Druck auf die Ampel 100 Autofahrer aufhalten kann, die nicht auf dem Weg zu einem netten Frühstück, sondern auf dem Weg in die Arbeit sind. Nur ein Beispiel dafür, wie in unserer Demokratie inzwischen Minderheiten die Mehrheiten majorisieren. Hat fast symbolhaften Charakter.

Wir ärgern uns über Beschlüsse. Darüber, dass in Grafing Senioren offensichtlich nicht zuzumuten ist, ihren Müll ordentlich zu entsorgen, wenn die Container nicht direkt vor ihrer Haustüre stehen. Müllentsorgung ist Bürgerpflicht. Auch die Senioren haben Bürgerpflichten.

Geschockt waren wir, als der Grafinger Sozialausschuss beschlossen hat, ein altes Schulhaus zum Lager für alten Krempel umzufunktionieren und deswegen keine Kinder mehr in die Räume zu lassen. Platz für Antiquitäten haben wir, Platz für Kinder nicht. Wer soll diese Antiquitäten bestaunen, wenn die Kinder im Erwachsenenalter diesem rückwärts gerichteten Deutschland mal den Rücken kehren werden?

Gewundert haben wir uns dagegen bei dem Gedanken, wie Generationen von Schulkindern in Elkofen die Schulbank gedrückt haben können. So ganz ohne Brandschutz? So viele Kinder sind dort in die Klassenzimmer gestürmt, dass die Treppe ins Obergeschoß schon ganz ausgelatscht ist. Eine Treppe, die aus Holz und deswegen neuerdings zu gefährlich ist. Wir haben uns gefragt, wie die Kinder das die ganzen Jahre unbeschadet geschafft haben können. Brandschutz soll Sicherheit geben. Waren unsere Vorgängergenerationen zu sorglos, oder sind wir zu ängstlich? Waren sie zu dumm oder sind wir ein bisschen zu gescheit geworden?

Ratlos sind wir bei manchen Entscheidungen in politischen Gremien. Wir rätseln darüber, welchen Gesetzmäßigkeiten es wohl folgen könnte, dass man der Montessorischule in Moosach, die Kinder in Klassenstärke aus Grafing unterrichtet, einen einen Zuschuss in Höhe von 1000 Euro für Reparaturarbeiten verweigert, während in der gleichen Sitzung der evangelischen Kirche für Renovierungsarbeiten 3000 Euro zugebilligt werden. Einen Unterschied gibt es freilich: Die Montessorischule finanziert sich aus Elternbeiträgen, die Kirche bekommt Kirchensteuer.

Wir sind in Sorge um den Konsens in unserer Gesellschaft. Dem Individuum wird immer weniger zugetraut, seine eigenen Lebensrisiken zu bewältigen: Ironischerweise trauen sich aber nicht wenige Mandatsträger immer mehr zu, wenn es darum geht, Regeln aufzustellen und Kontrolle zu erhöhen. Deutschland ist auf dem Weg zum Scheinland. Führerschein, Fahrzeugschein, Krankenschein.

Während wir also den Brandschutz optimieren, optimieren andere ihre Bezüge. Die Griechen zum Beispiel durch imaginäre Olivenbäume, die es nur auf dem Papier gibt, das ein Heer von Beamten der Europäischen Union hätte kontrollieren soll. Haben sie aber leider nicht. Die Olivenbäume gab es nur auf dem Papier, dafür gab es Scheine in Form von Subventionen. Brandschutz in Griechenland? Fehlanzeige. Ausbaden dürfen wir das alle über eine höhere Inflationsrate. Es ist eine Todsünde unserer Gesellschaft: Entscheidung ohne Verantwortung. Sie geht leider Hand in Hand mit zwei weiteren Todsünden: „Mandat ohne Kompetenz“ und „Leistung ohne Gegenleistung“ haben uns auch schon bis hinunter in die lokale Ebene in Bedrängnis gebracht.

Was wir uns wünschen würden: Mehr „Sein“ als „Scheine“, mehr Verstand als Glück und neue Wege beschreiten. Weg von den alten Reflexen. Die haben gründlich ausgedient. Hoffentlich wird’s bald Frühling. Damit die Menschen wieder besser mit dem Ampeltakt in Kirchseeon zurecht kommen. Der Schneefall schlägt nämlich langsam aufs Gemüt.

Von Michael Seeholzer

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