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Helm auf und ab zur Übung: Bundesinnenminister Thomas de Maizière in Poing.

Bundesinnenminister in Poing

Im Einsatz mit de Maizière

Poing - Thomas de Maizière hat bei seinem Besuch in Poing nicht nur eine Rede gehalten, sondern auch bei einer Feuerwehrübung mitgemacht. Währenddessen protestierten Demonstranten gegen die Asylpolitik des Bundesinnenministers.

Aufgeregt ist Maxi Kiefinger nicht. In wenigen Minuten wird er Bundesinnenminister Thomas de Maizière treffen und vielleicht mit ihm ein ausrangiertes Auto mit einem Rettungsspreizer zerlegen. Wenn der Minister das will, sagt Maxi Kiefinger, 21-jähriger Feuerwehrmann in Poing. Der CSU-Kreisverband hat am Donnerstag zum Blaulichtempfang geladen, um das Ehrenamt wertzuschätzen.

Um 16.50 Uhr fährt die schwarze Limousine des Ministers in den Hof des Poinger Feuerhauses ein; Blitzlicht, Kameras, Journalisten laufen zum Auto. Maxi Kiefinger bleibt ruhig. Der Minister sollte eher nervös sein, flüstert er und lächelt. Denn er soll gleich bei einer Feuerwehrübung mitmachen.

Gemeinsam mit dem Poinger Feuerwehrmann Maxi Kiefinger öffnete de Maizière (re.) ein Unfallauto. 

„Wir dachten uns, Sie könnten selbst einmal Hand anlegen, Herr Minister“, sagt Poings Feuerwehrkommandant, Robert Gaipl. Das grüne Unfallfahrzeug und der hydraulische Spreizer stehen bereit, Maxi Kiefinger steht gespannt daneben. „Das mache ich“, antwortet der Minister spontan. Er schlüpft in eine Feuerwehrjacke, setzt sich einen Helm auf und klappt das Visier nach unten; zwischendrin im Getümmel: die Personenschützer des Spitzenpolitikers. Los geht’s: Kreitinger hält den Spreizer. 30 Kilogramm wiegt das Gerät, „mal schauen, ob der Minister das halten kann“, scherzten die Kameraden noch vor wenigen Minuten. Der CDU-Mann greift kräftig zu, auch wenn er etwas hager neben dem zwei Meter großen und kräftigen Maxi Kiefinger wirkt. „Er hat sich gut gemacht“, wird der 21-Jährige später sagen. De Maizière scherzt, als er noch die Rettungsschere testet: „Zum Fingernägel schneiden ist das nichts!“ Die Kameraden um ihn lachen.

Auf dem Poinger Marktplatz protestierten rund 300 Demonstranten gegen die Asylpolitik des Bundesinnenministers.

Der Generator des Feuerwehrautos brummt laut, so laut, dass von den Schreien und Gesängen einer Demonstration vor den Mauern des Feuerwehrhauses niemand etwas mitbekommt, auch der Minister nicht. Flüchtlinge – vorwiegend aus Afghanistan – fordern, gemeinsam mit Unterstützern von Asylhelferkreisen aus dem Landkreis, dass die Bundesregierung Menschen nicht nach Afghanistan abschiebt. „Afghanistan ist nicht sicher“, steht auf einem der vielen Banner und Plakate. Seit Ende 2016 gibt es vermehrt Abschiebungen von Afghanen – bisher waren sie geduldet. Im Landkreis Ebersberg sind es derzeit nach Auskunft des Landratsamtes 166, die davon zukünftig betroffen sein könnten. „Wir leben, lieben Demokratie“, hallt es durch das Poinger Wohnviertel.

Im Saal der Wache lobt jetzt Thomas Huber, Landtagsabgeordneter und CSUKreischef, die Leistung der Ehrenamtlichen in Poing – allen voran der Feuerwehrkameraden. Der Empfang sei als Anerkennung für alle Ehrenamtlichen in den „Blaulichtorganisationen und Asyl-Helferkreisen gedacht“, sagt Huber. Und noch der Hinweis an de Maizière: Vor den Türen demonstrieren Flüchtlinge und Helfer für ein Bleiberecht in Deutschland.

Der Poinger Maxi Kiefinger zeigte Thomas de Maizière, wie der Rettungsspreizer funktioniert.

Maxi Kiefinger schlüpft in der Zwischenzeit in sein Feuerwehrsakko. Dann spricht der Minister. Nirgends werde derart auf die Leistung von Ehrenamtlichen gesetzt wie in Deutschland, das verdiene außerordentliche Wertschätzung, deshalb sei man hier. Und: Dass Rettungskräfte vermehrt angegriffen werden, sei „widerlichstes und schäbigstes Verhalten“. Applaus im Raum. Die Strafen für derartige Taten will der Minister deutlich erhöhen. Maxi Kiefinger hört gespannt zu. Die geringe Wertschätzung der Feuerwehrarbeit kennt er: „Viele denken, wir sind eine Berufsfeuerwehr, aber wir machen alles freiwillig.“ Was ihm noch am Herzen liegt, ist der Nachwuchs, der dringend benötigt werde. Und eine gute Jugendarbeit. Die will de Maizière fördern, sagt er. Man habe „tolle Erfahrung“ mit jungen syrischen Flüchtlingen beim THW, nennt der Minister als Beispiel.

Dann geht es in die Debatte mit Ehrenamtlichen aus den Asylhelferkreisen. Sie mahnen den Minister: Von Sicherheit in Afghanistan könne keine Rede sein. „Prüfen Sie die Abschiebungen“, fordert Götz Kirchhoff den CDU-Mann auf. Dieser reagiert: „Ich bin anderer Meinung, sorry.“ Es gebe sichere Regionen. In die wolle man die Menschen „behutsam, aber entschlossen zurückbringen“. Dass Menschen bei einer Flucht sterben, berühre den Minister, sagt er. Aber: Deutschland könne nicht alle Flüchtlinge aufnehmen. Der Großteil der Gäste applaudiert.

Dann ist die Show zu Ende, de Maizière beißt in ein belegtes Brötchen; noch schnell ein Foto und ab nach draußen. Die Demonstranten sind weg. Maxi Kiefinger schaut der Ministerlimousine nach. „Das hat man nicht alle Tage“, sagt er: Eine Feuerwehrübung mit einem Bundesminister aus Berlin.

Christoph Hollender

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