„Wir hatten über Weihnachten eine Auslastung von 94 %: Chefarzt Claus Krüger. sro

Immer mehr psychisch Kranke: Tagesklinik geplant

Ebersberg - Immer mehr Menschen werden wegen psychischer oder psychisch mitbedingter Beschwerden behandelt. Darauf will die Kreisklinik Ebersberg reagieren: mit zusätzlichen Tagesklinikplätzen in der Psychosomatik und einem besseren Angebot für Ältere.

„Wir hatten über Weihnachten eine Auslastung von 94 Prozent“, so der Chefarzt der Psychosomatischen Medizin und Psychotherapie, Claus Krüger, im EZ-Gespräch. Und die Warteliste werde immer länger, denn die Abteilung arbeitet inzwischen seit mehr mehr als zwei Jahren erfolgreich und hat eine überregionale Akzeptanz erworben. Die Psychosomatik verfügt derzeit über 18 Betten. Vier Fachärzte, Psychologinnen, Kreativtherapeutinnen und ein speziell geschultes Pflegepersonal kümmern sich um die Patienten.

Um den steigenden Bedarf zu decken und die Patienten zeitnah behandeln zu können, muss die Abteilung in der Kreisklinik wachsen. Dazu sind sowohl eine Erweiterung der Bettenzahl als auch eine spezielle Tagesklinik geplant. Eine räumliche Erweiterung für mehr Patientenzimmer komme beim derzeitigen Stand der laufenden Umbaumaßnahmen wohl erst in einigen Jahren in Frage, so Krüger.

Günstiger seien die Voraussetzungen für psychosomatische Tagesklinik an der Kreisklinik. Darin erhalten Patienten tagsüber umfassende Betreuung, können am Abend aber wieder nach Hause gehen. Das hat neben den organisatorischen vor allem auch medizinische Vorteile. Man kann bedarfsgerechter behandeln. Patienten könnten beispielsweise ohne stationären Aufenthalt, nur in der Tagesklinik betreut werden. Oder man kann Patienten, die anfangs stationär behandelt wurden, in der Tagesklinik weiterbehandeln und so wieder schrittweise an das „normale“ Leben gewöhnen. Dabei werden sowohl in der Station als auch in der Tagesklinik Gruppenangebote mit Bewegungs- oder Kunsttherapie angeboten. „Wir hoffen, dass das Ministerium die Tagesklinik bald genehmigt“, so Krüger.

Wenn alles so läuft, wie es sich die Verantwortlichen in der Kreisklinik vorstellen, dann könnte das neue Angebot noch in diesem Sommer starten. Zehn zusätzliche Plätze wären in einer ersten Phase möglich. „Dazu muss auch das Personal aufgestockt werden“, so Krüger.

Dann könnte auch das zweite Projekt des Chefarztes realisiert werden, mit dem er das Angebot für Ältere ausbauen will. „40 bis 60 Prozent der Menschen über 65 leiden unter psychischen Problemen“, so Krüger. Dafür gibt es bisher zu wenig spezialisierte psychosomatische Abteilungen, derzeit nur eine Einrichtung in Nürnberg. Auslöser eines psychischen Leidens seien oft alterstypische Krisen, beispielsweise schwere Erkrankungen, Wegfall des Arbeitsplatzes, Einstieg in die Rente oder der Verlust von Angehörigen „Damit kommen die Menschen ganz unterschiedlich zurecht.“ Mitunter wachse mit dem Alter einfach auch die Angst, plötzlich nicht mehr 110 Prozent fit zu sein. Als Beispiel nennt Krüger einen Mann, der an sich zu hohe körperliche Anforderungen stellte und Probleme damit hatte, im Alter von 75 Jahren nicht mehr wöchentlich mehrmals mit dem Mountainbike um den Chiemsee radeln zu können. „Wir konnten ihm helfen, auch ein geringeres sportliches Pensum als lebenswert zu akzeptieren. Seitdem geht es ihm viel besser.“

Von Robert Langer

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