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Geplante Maßnahmen an der Bahnstrecke stellten Vertreter der Bahn bei der Informationsveranstaltung im Pfarrzentrum vor.

Thema Bahnlärm

Info zum Brenner-Zulauf in Vaterstetten enttäuscht Zuhörer

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„Wird es lauter oder nicht. Zahlen helfen mir da nicht weiter.“ So formulierte es ein Besucher der Informationsveranstaltung zum Thema Bahnlärm und künftiger Zulauf zum Brenner-Basistunnel in Vaterstetten. Er sprach damit aus, was auch viele andere Teilnehmer wollten. Eine klare Antwort bekamen sie aber nicht.

Vaterstetten – Viele Zuhörer waren beim Info-Abend im Pfarrzentrum Vaterstetten enttäuscht von den Ausführungen der Bahn-Vertreter, auch in Bezug auf die künftige Entwicklung.

Reaktion von Michael-Ernst Schmidt, bei der Bahn zuständig für „Kommunikation Großprojekte“: „Es ist schwer, ein Szenario abzugeben, für Zahlen, die ich nicht habe.“ Und: „Wir werden uns nicht an Kaffeesatzleserei beteiligen.“ Den Bau eines weiteren Fernbahngleises zwischen Grafing-Bahnhof und München konnte er für die Zukunft nicht grundsätzlich ausschließen, betonte aber: „Dazu haben wir derzeit keinen Auftrag“. Ausschließen wollte Schmidt jedoch, dass Güterzüge künftig zusätzlich auch über S-Bahngleise geleitet werden, mit Ausnahme von Notsituationen.

Die Veranstaltung war auf Initiative der Vaterstettener SPD zustande gekommen. Deren Vorsitzender Josef Mittermeier wertet das Ergebnis des Abends als „etwas dünn“. Positiv sah er allerdings, dass sich die Bahnvertreter den Fragen der Bürger gestellt hätten. Und Mittermeier zeigte Verständnis dafür, dass sie keine Aussagen zu Entwicklungen treffen könnte, zu denen sie keine Fakten hätten.

Die Bahn-Vertreter hatten zunächst das Projekt Brenner-Basistunnel präsentiert, als einen Teil der Verbindung zwischen Helsinki im Norden und Palermo im Süden. Klar ist, dass bisher Güterzüge über den Brenner wegen der Steigung nur eine eingeschränkte Länge beziehungsweise ein eingeschränktes Gewicht haben konnten. Mit einem Tunnel könnten die Züge länger werden und schneller fahren.

Das könnte dazu führen, dass nach Eröffnung der neuen Strecke, wenn die gleiche Menge an Gütern bewegt werde, zunächst weniger Züge unterwegs sein werden. In Betrieb gehen könnte der Tunnel mit einer Gesamtlänge von über 60 Kilometern ab dem Jahr 2026.

Ein weiterer Teil des Vortrages waren Ausführungen, wie beispielsweise Bürgerinitiativen in einem „Dialogverfahren“ bei der Planung für die Neubaustrecke im Inntal einbezogen würden, von der Grenze bei Kiefersfelden bis nach Rosenheim.

Zusätzlichen Lärmschutz soll es für den westlichen Teil der Bahnlinie in Richtung München geben. Für den Gemeindebereich Vaterstetten ist auf einer Strecke von rund dreieinhalb Kilometern der Einbau sogenannte Schienstegdämpfer vorgesehen. Kosten laut Bahn: Rund 1,5 Millionen Euro. Diese Dämpfer, ein Block Metall, der fest mit der Schiene verbunden wird, soll die Schwingung vermindern.

Die Zuhörer waren skeptisch. Hingewiesen wurde von den Teilnehmern unter anderem auf störende Erschütterungen an der Strecke, die in den aktuellen Überlegungen wohl keine Rolle spielten.

Der SPD-Bundestagsabgeordnete Ewald Schurer, der sich mit dem Thema Bahnlärm schon länger beschäftigt, betonte, wegen der weiteren Zunahme des Personenverkehrs auf den Bahnstecken rund um München, könnten künftig wohl kaum auch noch mehr Güterzüge über die Landeshauptstadt geleitet werden. „München ist schon voll.“ Eine Alternative wäre nach seiner Ansicht eine frühzeitige Ableitung auf die Mühldorfer Strecke und dann beispielsweise in Richtung Norddeutschland. Schurer forderte zudem, das nun aufgelegte staatliche Programm zu zusätzlichem Lärmschutz auf freiwilliger Basis zu erweitern und fortzuführen.

Reaktion von Schmidt: „Wir lassen das so stehen. Wir beteiligen uns nicht an Spekulationen.“ Klar machte Schmidt aber auch: „Ich kann nicht die Züge in Watte packen. Sie werden weiterhin Züge hören.“ Aber: „Wir wollen, dass sie mit der Strecke zurecht kommen. Wir wollen, dass Sie Verbesserungen erfahren.“

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