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Franziska Pfluger nimmt eine Bodenprobe auf einem ihrer Felder. Diese werden zur Landesanstalt für Landwirtschaft (LfL) ins Labor zur Auswertung gebracht. Anhand der Ergebnisse kann die Düngeplanung vorgenommen werden. 

Franzis Hofleben

Jungbäuerin (25) aus dem Landkreis klagt: Immer mehr Bürokratie

Franziska Pfluger ist stellvertretende Kreisbäuerin und die jüngste in dieser Position in ganz Bayern. Wir begleiten die 25-jährige das Jahr über bei ihrer Arbeit auf dem Bauernhof in Zorneding. In Gastbeiträgen stellt die Jungbäuerin ihre Positionen und ihr Hofleben dar.

Zorneding Im Januar wurde ich in der Ebersberger Zeitung auf die neue Umfrage des Bundesumweltministeriums aufmerksam. Interessant, dass sich die jungen Leute (befragt wurden 14 bis 22-Jährige) für die Umwelt einsetzen wollen, aber es oft an der alltäglichen Umsetzung scheitert. Immer höhere Produktionsstandards werden zwar erwartet, jedoch sind nur wenige bereit, auf Dauer mehr Geld für qualitativ hochwertige Lebensmittel auszugeben. Im Gegenteil: 87 Prozent der Befragten halten es für wichtig, dass umweltfreundliche Produkte möglichst günstig sein sollen.

Aus dem Leben. Wir begleiten eine Jungbäuerin: Ein Projekt des Münchner Merkur/der Ebersberger Zeitung

Doch warum müssen unsere in Bayern bzw. Deutschland produzierten Lebensmittel, die im Allgemeinen noch nie so eine hohe Qualität hatten wie heute, immer billiger werden? Meiner Meinung nach ist die Wertschätzung der Verbraucher für gute Nahrungsmittel schon vorhanden. Allerdings heißt umweltbewusst denken nicht gleich umweltbewusst handeln. Es ist doch wesentlich bequemer, in den nächsten Supermarkt zu gehen, um die komplette Produktpalette mit den besten Angeboten zu erhalten.

Schon wieder mehr Bürokratie 

Hingegen erfordert es einen Mehraufwand, wenn ich zum nächsten Hofladen, Frischmilch-/Eierautomaten oder zum Wochenmarkt fahren muss, um meine frischen, regionalen und saisonalen Produkte zu kaufen. Weiter fordern die Jugendlichen mehr Plaketten, Siegel und Labels bei der Lebensmittelkennzeichnung. Meiner Meinung nach gibt es jetzt schon zu viele verschiedene Kennzeichnungen, die viele nicht erkennen, unterscheiden oder richtig deuten können.

Die jungen Leute erkennen klar, dass es „Umweltprobleme“ gibt, sind aber in der letzten Konsequenz nicht bereit auch den eigenen Alltag einzuschränken. Ihr Vorschlag wäre, dass es stattdessen die Politik mit strengeren Umweltgesetzen richten soll. Das heißt tatsächlich schon wieder mehr Bürokratie für die Landwirte.

Die Vorgeschichte und ein Portrait zu Franziska Pfluger: Franzis Hofleben

So wie die neue Düngeverordnung. Seit Juni 2017 gibt es sie. Hier steht im Vordergrund, dass die notwendigen Düngemengen für den jeweiligen Standort ermittelt werden. Damit soll ein Gleichgewicht von Nährstoffbedarf, Bodenvorrat und Düngung entstehen. In der Vergangenheit war es neben der Erstellung einer Nährstoffbilanz bereits üblich, regelmäßig Bodenproben aller Feldstücke zu entnehmen, um genaue Informationen über die Inhaltsstoffe (ph-Wert, Phosphat, Kalium, Magnesium) im Boden zu erhalten. Natürlich auf auf unserem Hof. Es ist sogar verpflichtend spätestens alle sechs Jahre Bodenproben zu entnehmen.

Es trifft die kleinen Betriebe 

Diese werden zur Landesanstalt für Landwirtschaft (LfL) ins Labor zur Auswertung gebracht. Anhand der Ergebnisse kann die Düngeplanung vorgenommen werden. So konnte der Bauer seine Düngung an den tatsächlichen Bedarf der Pflanzen anpassen. Die neue Verordnung verlangt, dass noch mehr Zahlen und Fakten unter bestimmten Vorgaben dokumentiert werden. Neben der Dokumentation gibt es aber auch betriebliche Veränderungen, die auf den Landwirt zukommen können.

Denn für die Gülleausbringung sind in Zukunft nur noch bestimmte Güllefässer mit der neuesten Technik erlaubt. Mögliche Folgen für den Landwirt können sein, dass ein neues Gerät angeschafft werden muss, oder die Arbeit an einen überbetrieblichen Dienstleister vergeben wird. Außerdem sind die Sperrfristen der Gülleausbringung verändert worden. Das bedeutet, dass Gülle und Gärreste über einen bestimmten Zeitraum nicht aufs Feld gefahren werden dürfen. Die Gefahr besteht, dass der Lagerraum am Hof knapp wird und Alternativen gefragt sind.

Bei beiden Beispielen sind hauptsächlich die kleinstrukturierten, bäuerlichen Betriebe betroffen, die von der Bevölkerung bevorzugt werden – auch im Landkreis. Die neuen Verordnungen bewirken vor allem Einschränkungen für Bauern, die nicht über die nötigen finanziellen Mittel für Neuanschaffungen oder Baumaßnahmen verfügen, die räumlich eingeschränkt sind oder keine gesicherte Hofnachfolge haben.

Text: Franziska Pfluger

Redaktionelle Betreuung: Christoph Hollender

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