Hat er mit Drogen gehandelt?

Junger Grafinger muss ins Gefängnis

Grafing/Ebersberg – Ungläubiges Lächeln. Haare raufen. Kopfschütteln. Gesicht in der Armbeuge vergraben. Es hilft alles nichts, jetzt muss Mauris A. (alle Namen geändert) für eineinhalb Jahre ins Jugendgefängnis.

Zumindest nach derzeitigem Stand der Dinge. Ein Einspruch gegen das Urteil von Amtsrichterin Susanne Strubl und ihren beiden Schöffen ist wahrscheinlich.

Der 20-jährige Mauris A. hat kein leichtes Leben. Er wohnt in einem Grafinger Weiler, so nah wie möglich an seiner Ausbildungsstelle. Der Großteil seines schmalen Lehrlingsgehalts geht für die Wohnung drauf. Finanziell ist er komplett auf sich alleine gestellt. Die letzte Bezugsperson, seine Mutter, hat sich „aus dem Staub gemacht“, als Mauris A. gerade volljährig geworden war, wie es der Jugendgerichtshelfer beschreibt. Von Ämtern hat der Grafinger die Nase voll. Nachdem er für Mietzuschüsse monatelang von einer Stelle zur anderen und wieder zurück verwiesen worden war, gab der Grafinger irgendwann auf.

Das Geld beschafft er sich jetzt eben anders. Problem dabei: Seine Zusatzeinkünfte generiert Mauris A. nach Ansicht des Gerichts nicht nur durch Nebenjobs, sondern auch durch den Verkauf von Drogen.

„Die zwei anderen Anklagepunkte gibt mein Mandant offen zu, aber den Verkauf von Betäubungsmitteln streitet er vehement ab“, sagt Rechtsanwalt Gerhard Erdmann im Namen des 20-Jährigen. Erdmann kennt den jungen Mann schon seit ein paar Jahren. „So schlimm ist Herr A. nicht, das kann ich Ihnen sagen“, wirbt Erdmann für seinen Mandanten. „Und wenn solche Zeugenaussagen jetzt Beachtung finden, brauchen wir bald gar keine Zeugen mehr hören, sondern können einfach mit dem Polizeibericht verhandeln.“

Die Verurteilung von Mauris A. hängt an der Aussage des 19-jährigen Daniel T. Der Grafinger war am 15. April 2012 mit einem Freund von der Polizei aufgehalten worden. Zusammen hatten sie 22 Gramm Gras bei sich versteckt. Das hätten sie bei Mauris A. gekauft, gab Daniel T. damals detailreich bei der Polizei an. Vier Wochen später zog T. diese Aussage aber zurück. „Alles nur eine Lüge“, sagte er. Den Namen des Dealers kenne er nicht. Der ihm weitläufig bekannte Marius A. sei lediglich der erste gewesen, der ihm einfiel. Diese Aussage wiederholt Daniel T. vor Gericht auch nach dem Hinweis, dass er sich bei einer Lüge strafbar mache. Dabei verstrickte er sich jedoch in Widersprüche. Wird er vielleicht unter Druck gesetzt?

Der Polizist, der die Aussagen des 19-Jährigen aufgenommen hatte, gibt an, dass Daniel T. beim zweiten Auftritt auf der Dienststelle unglaubwürdig gewesen sei. „Seine Mutter hat von zahlreichen Schweige-Anrufen berichtet und gesagt, dass ihr Sohn von seinen ehemaligen Freunden geschnitten wird“, so der Polizeibeamte.

Obwohl es vor Gericht keine belastende Aussage gegen Mauris A. gibt, kommen Staatsanwaltschaft und Gericht zu der Auffassung, dass dieser mit Drogen gehandelt hat. Vorgeworfen wird ihm zudem der Besitz von 0,4 Gramm Haschisch und eine Trunkenheitsfahrt auf einem Mofa, für das A. keinen Fahrerlaubnis besitzt. Weil er wegen anderer Delikte noch in einer offenen Bewährungsstrafe von 15 Monaten handelte, lautet das Urteil nun: 18 Monate Jugendstrafe.

Johannes Markmann

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