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Ein starkes Team im Kampf für eine bessere medizinische Versorgung (v.l.): Abdul, Rebecca, Juliet, Hajaratu, Bruder Nestor (Laborchef und Prior der Mission Lunsar), dahinter Nils Niederstebruch aus Aßling. Foto: EZ

Der Kampf geht weiter

Aßling - Aßlinger Verein setzt seine Arbeit nach dem Abklingen der Ebola-Seuche in Sierre Leone fort.

Es waren drei Erlebnisse, die den jüngsten Aufenthalt der Aßlinger Helfer vom Verein „Globolab“ im westafrikanischen Sierra Leone prägten: Die schwierige Situation der Ebola-Waisen, der Wiederaufbau des Labors in der katholischen Klinik in Lunsar nach dem Abklingen der Seuche und ein Brand im Operationssaal der Klinik mit 110 Betten.

Eine Klimaanlage hatte Feuer gefangen. Einige Kabel waren wohl durchgeschmort. „Das war nicht ungefährlich“, erklärt Vereinsvorsitzender Nils Niederstebruch. Zu diesem Zeitpunkt war seine Frau Edith, OP-Schwester an der Kreisklinik Ebersberg, im Operationssaal. Telefonisch alarmierte sie ihren Mann. Nils Niederstebruch rannte aus einem Meeting heraus. „Ich war über zehn Jahre aktiv bei der Feuerwehr. Aber da musste ich auch erst mal kurz überlegen, wie wir das angehen.“ Die halbe, aus Kunststoff bestehende Klimaanlage tropfte brennend auf den Boden. Die andere Hälfte drohte die ebenfalls aus Kunststoff bestehende Deckenverkleidung zu entzünden. „Erst in diesem Moment fiel mir auf, dass das komplette Krankenhaus keine Feuerlöscher besitzt.“

Das Löschen mit nassen Tüchern dauerte mehrere Minuten. Dabei war der Strom noch an. Zudem war zu befürchten, dass die Rohre bersten und sich das Kühlgas entzünden könnte. Glücklicherweise brach die Leitung erst beim Aufräumen, als das Feuer schon aus war.

Der Blick auf das Land war für die Helfer zwiespältig. Zwar werde die „Ebola-Freiheit“ gefeiert. Dennoch gebe es alle zehn bis zwanzig Kilometer eine Polizeikontrolle, erzählt Bioingenieur Niederstebruch. „Man wird auf Fieber getestet und teilweise wird man freundlich gezwungen auszusteigen und sich die Hände zu desinfizieren.“ Natürlich seien solche Maßnahmen tatsächlich nur wenig hilfreich. „Sie schärfen jedoch den Blick auf das Problem und die Menschen werden immer wieder aufmerksam gemacht. Allein schon deswegen sind solche Maßnahmen gerechtfertigt, ja sogar nötig und hilfreich.“ Denn gänzlich ebolafrei sei Sierra Leone natürlich nicht.

Seit rund fünf Jahren ist der Verein in Lunsar tätig. Durch die Seuche war die Unterstützung dringend notwendig, die Arbeit vor Ort vorübergehend jedoch stark eingeschränkt. Die Klinik war zeitweise geschlossen.

Im Land habe sich durch das Ebola, oberflächlich betrachtet, kaum etwas verändert. Aber: Die Zahl der zahlenden „weißen“ Besucher des Landes sei extrem gering, erklärt Niederstebruch. Alle „Unterkünfte“ litten unter starkem Umsatzmangel. Fernab der größeren Dörfer und Städte begegne man dem Hunger in einer Form „wie ich es in Sierra Leone zuvor nicht gesehen habe“. Hier werde klar, dass zur Zeit tausende Ebola-Waisen im Land lebten und nur die allerwenigsten würden durch staatliche oder private Stellen versorgt.

Die medizinische Versorgung im Krankenhaus von Lunsar, etwa 100 Kilometer von der Hauptstadt Freetown entfernt im Landesinneren gelegen, ist das erklärte Ziel des Aßlinger Vereins. Eingerichtet wurde diesmal ein neues mikrobiologisches Labor. Einen Tag später startete das Training für das Personal. Geplant war die Schulung von zwei Fachkräften, es wurden dann aber doch fünf. Geschult wurde vor und nach der regulären Arbeit. „Es hat geklappt, aufgrund eines außergewöhnlich hohen Engagements der Labormitarbeiter“, so Niederstebruch. Stolz sind die Aßlinger darauf, dass ihre Organisation die erste war, die damals in Sierra Leone auf Ebola reagierte, die Klinik in Lunsar unter anderem mit Schutzanzügen ausstattete und deren richtigen Gebrauch mit einem selbst gedrehten Video erklärte. Das wurde beim aktuellen Besuch der Helfer in Lunsar bei mehreren Meetings von den örtlichen Verantwortlichen immer wieder betont. Mit dabei war neben Edith und Nils Niederstebruch auch der Ebersberger Orthopäde Wolfgang Haller, der einige Operationen durchführte.

Ein Hauptanliegen der Aßlinger Helfer ist es, bei Infektionen von Patienten, beispielsweise nach Operationen, durch Tests den richtigen Wirkstoff herauszufinden, mit dem diese Infektion behandelt werden kann. Dabei stellen die Helfer fest, dass immer mehr bisher verwendet Antibiotika bei den Betroffenen keine Wirkung mehr zeigen. Die Keime sind resistent. Das hat Folgen. Eigentlich müsste das Krankenhaus seinen Medikamentenpool umstellen, erklärt Niederstebruch. Doch die Patienten, die ihre Arzneimittel selbst bezahlen müssen, können sich das oft nicht leisten.

Und der Aßlinger Bioingenieur sieht noch eine weitere Schwierigkeit: Das Problem könnte durch die Flüchtlinge aus Afrika auch nach Europa und nach Deutschland getragen werden. „Das kann man aber nicht an der Grenze untersuchen, sondern erst in den Krankenhäusern bei uns.“

Der Aßlinger Verein plant fürs nächste Jahr. Nils Niederstebruch wille im März für eine Woche nach Sierra Leone fliegen um die begonnene Arbeit fortzusetzen.

Robert Langer

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