Blick in eines der großzügigen Grundstücke im Grafinger Ortsteil Bachhäusl. In dem Quartier sind jede Menge Schwarzbauten entstanden, die jetzt nachträglich legalisiert werden sollen. Foto: StefaN Rossmann

Kaninchen aus dem Hut gezaubert

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Grafing - Die Stadt Grafing unternimmt alles, um illegale Häuschen in Kleingartenanlage vor dem Abriss zu bewahren.

Die einen hängen ihr Herz daran, während sich die anderen an Paragraphen aufhängen? Nicht ganz. In Grafing hat die Stadtverwaltung alles unternommen, dass die Kleingärtner in Bachhäusl nicht entwurzelt werden. In dem Quartier am südlichen Ortsrand der Stadt sind jede Menge Schwarzbauten entstanden, die zum Teil Ende der 50er Jahre schon errichtet wurden. Irgendwann kam dann der Bescheid der Kreisbehörde nach dem Motto: „Jetzt reicht’s aber.“ Der Abriss der gesamten Anlage stand im Raum.

„Wenn wir nichts tun, muss alles ganz beseitigt werden“, warnte Bürgermeisterin Angelika Obermayr (Grüne) in der jüngsten Sitzung des Bauausschusses. Und die ganze Tragweite formulierte Bauamtsleiter Josef Niedermaier so: „Wir versuchen hier Illegales zu legalisieren. Aber eines ist klar: Wunschkonzert ist das keines.“ Damit war unter anderem gemeint, dass trotz aller Bemühungen seitens der Stadtverwaltung, einem Zwangsabriss der Anlage durch die Kreisgenehmigungsbehörde zuvorzukommen, immerhin drei der Gartenhäuschen zumindestens zum Teil abgerissen werden müssen. Sie sind einfach zu groß und dienen dort nicht genehmigungsfähigen Zwecken. „Übernachten da draußen geht gar nicht“, so Niedermaier. Ursprünglich hatte der Stadtrat beschlossen, dass hier nur mehr Gartenhäuschen stehen dürfen mit einer Größe von 24 Quadratmetern.

In der jüngsten Ausschusssitzung wurde noch mal eine Schippe draufgelegt. Jetzt dürfen die Gartenlauben 30 Quadratmeter Grundfläche haben. Damit konnten weitere Härtefälle vermieden werden. Übernachten ist künftig aber trotzdem verboten, obwohl der Bauausschuss einstimmig für die Aufstellung einer Bebauungsplanes „Gartenhausgebiet Bachhäusl“ votierte. „Das kommt den Leuten entgegen“, sagte Niedermaier, der in der Sitzung mehrfach darauf hinwies, wie viel Arbeit die Verwaltung im Zusammenhang mit solchen Änderungen leisten müsse.

Ein paar Mindeststandards freilich müssen gewährleistet sein. Unter anderem, so führte der Bauamtsleiter aus, müssten die Bachläufe freigehalten werden.

Max Graf von Rechberg (CSU) wollte wissen, was mit den dort installierten Schwimmbädern passieren wird. „Wir werden uns schon schwer tun mit den Hecken“, antwortete ihm Niedermaier. „Wir versuchen aber das Mögliche.“

Wolfgang Huber von den Grünen kritisierte: „Die Leute wollen am Wochenende dort übernachten können. Sonst würde der Sinn und Zweck der Anlage entfallen.“ „Das Dauerwohnen hat sich im Laufe der Jahre eingeschlichen“, hielt ihm Niedermaier entgegen, dass es dafür keinerlei Genehmigung gebe. Josef Carpus (CSU) erkannte an, dass Niedermaier hier „gute Arbeit“ geleistet habe.

„Wir machen das für die Eigentümer“, gab der Bauamtsleiter zurück, warnte aber vor weiteren Forderungen. Die Eigentümer hatten in der Vergangenheit schon Rechtsbeistand gesucht, waren damit aber nicht vorwärts gekommen.

„Die rechtlichen Möglichkeiten sind ausgeschöpft, jetzt müssen wir das Kaninchen aus dem Hut ziehen“, so Niedermaier. Die drei Häuschen, die zu groß geraten sind, müssen auf das vorgeschriebene Maß rückgebaut werden. Ein Kompromiss, mit dem hoffentlich alle leben können.

Michael Seeholzer

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