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Katholische Frauenbünde hören reihenweise auf: Beitrags-Ärger bei kfd und KDFB

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Von: Josef Ametsbichler

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Frauen fordern Geschlechtergerechtigkeit in der Kirche
Katholische Frauengemeinschaften sind auch im Landkreis Ebersberg das stille Rückgrat mancher Pfarrei. Doch an der Basis bröckelt es. © Patrick Seeger/ dpa

Immer mehr katholischen Frauengemeinschaften im Landkreis Ebersberg fremdeln mit ihren Dachverbänden kfd und KDFB. Der Ärger um Mitgliedsbeiträge führt zu Auflösungserscheinungen an der Basis.

Landkreis – Auf der Liste skandalträchtiger Organisationen rangiert die Katholische Frauengemeinschaft Deutschlands (kfd) irgendwo auf den hinterletzten Plätzen. Doch hinter den Kulissen ist der Ärger groß: Reihenweise Pfarrgruppen der kfd im Landkreis Ebersberg lösen sich auf. Und auch die Schwesterorganisation, der Katholische Deutsche Frauenbund (KDFB), ist davon nicht verschont. Auslöser des Grolls an der Basis sind steigende Mitgliedsbeiträge, von denen nur wenig vor Ort verbleibt, während der Rest an die Dachverbände abfließt. „Die spinnen ja!“, ärgert sich eine Ehrenamtliche aus dem Landkreis anonym.

Katholische Frauen: Das stille Rückgrat vieler Pfarrgemeinden

Katholische Frauengemeinschaften oder -bünde sind gerade auf dem Land das stille Rückgrat vieler Pfarrgemeinden, weit über den Gottesdienst hinaus. Sie wienern und schmücken den Altar, organisieren den Kuchenverkauf zugunsten der Pfarrheim-Sanierung oder halten Traditionen wie das Kräuterbuschenbinden aufrecht. Noch wichtiger: Gerade für Seniorinnen ermöglichen sie in Form von Stammtischen, Ausflügen und Vortragsangeboten eine Teilhabe am gesellschaftlichen Leben.

kfd und KDFB verlieren im Landkreis Ebersberg an Boden - Gruppen lösen sich auf

Doch die Liste der im Landkreis einst omnipräsenten Pfarrgruppen der kfd schrumpft. Die Frauenneuhartingerinnen und Zornedingerinnen etwa haben vor Jahren schon steigende Beiträge zum Anlass genommen, von der katholischen – schlicht zur Frauengemeinschaft zu werden; obwohl der Draht zur Pfarrei weiter eng ist, verzichten sie auf das K für katholisch, zugunsten finanzieller Unabhängigkeit. Bei Aßling hat sich die Pfarrgruppe Dorfen/Lorenzenberg jüngst ganz aufgelöst, berichtet Rosi Gaar (79), selbst lange im Vorstandsteam aktiv. „Schade!“, sagt sie.

Der EZ-Kommentar zum Thema: Bei katholischen Frauenbünden bröckelt die Basis: Dachverbände verlieren die Tuchfühlung

Klar, auch Überalterung und fehlende Begeisterung fürs Ehrenamt seien Faktoren. Aber besonders, dass der Jahresbeitrag sukzessive von 15 auf über 30 Euro gestiegen sei, habe viele gestört. Auch wenn das keine Unsumme sei: „Es bleibt bei uns so wenig!“ Gleichzeitig würden etwa Vorträge vom Dachverband nicht mehr so subventioniert wie früher.

Fünf Euro bleiben vor Ort - 33 Euro an den Dachverband

Wie wenig den Frauen vor Ort bleibt, rechnet Claudia Streu-Schütze vor, heute Bürgermeisterin von Emmering, ehemals mit im Vorstand des dortigen kfd-Ablegers, den es ebenfalls nicht mehr gibt. 33 von nun 38 Euro wären demnach an die Dachverbände in München und Düsseldorf geflossen, nur 5 Euro für die Vereinsarbeit vor Ort geblieben. „Warum sollte man das alles aus der Hand geben?“, fragt Streu-Schütze. Die Arbeit des kfd-Dachverbands sei „für unseren Ort zu weit weg“. Dafür haben die Emmeringerinnen nun die „Emmeringer Frauen“ gegründet – vom Fleck weg mit gewaltigem Zulauf.

„Wir bleiben beinand“ - Frauengemeinschaft will ohne kfd weitermachen

Ein Schritt, der in Hohenlinden in ähnlicher Form ebenfalls ansteht: „Das ist im Laufen“, bestätigt die dortige 2. kfd-Vorsitzende Sofie Grasser. Auch sie nennt die vom Dachverband geforderten Mitgliedsgebühren und vor allem dessen Anteil als Grund für die Loslösung – ohne Auflösung: „Wir bleiben beinand“, ist Grasser überzeugt, dass es auch weiter eine Frauengemeinschaft in Hohenlinden geben werde, die sich auch im kirchlichen Leben engagieren werde.

Sofie Grasser von der kfd Hohenlinden
Sofie Grasser von der kfd Hohenlinden © merkur.de - Archiv

KDFB nennt Anteil nicht

Im nahen Poing denkt der örtliche Zweigverein des wesensähnlichen KDFB, ebenfalls ein von der Amtskirche unabhängiger Dachverband katholischer Frauen, bereits laut über den Austritt nach. Nach zehn Jahren ohne Gebührenerhöhung steige der Betrag jährlich um zwei Euro – von nun 32 auf 48 im Jahr 2030, berichtet Vorsitzende Irene Fischer (67), die eine Absprache zwischen kfd und KDFB vermutet. Als sie dem Pfarrer erzählt habe, wie viel von dem Geld in Poing bleibe, habe der gesagt: „Was, so wenig?!“ – die Größenordnung sei ähnlich wie bei der kfd. Auf mehrfache Nachfrage der Redaktion nannte der KDFB-Diözesanverband den genauen Anteil nicht.

Irene Fischer vom KDFB Poing
Irene Fischer vom KDFB Poing © Herbert Dullnig

„Kein Mensch ist da begeistert“, sagt Fischer über die steigenden Gebühren – und erkennt gleichzeitig sinkende Leistungen. So erscheine die Mitgliedszeitschrift nur noch sechs- statt wie früher elfmal im Jahr. Gerade bei den Älteren werde das Geld immer knapper. „Da zu knapsen, das ist schade“, findet Fischer. Ob sich der Zweigverein wirklich auflöst, sei aber Sache aller Mitglieder. „Wir haben uns noch nicht definitiv unterhalten.“

Diözesanverband der kfd gibt keine Auskunft zu konkreten Zahlen

Der Dachverband der kfd äußert sich gegenüber der EZ nicht zum Beitrags-Ärger an der Basis. „Das sind Sachen, die ich nicht in der Presse haben möchte“, sagt Ingrid Meindl-Winkler, Diözesanvorsitzende München-Freising, auf die Fragen nach Zahlen zu Austritten, Pfarrgruppen-Auflösungen und zur Verwendung der Mitgliedsbeiträge in den Dachverbänden. Das müsse erst intern im Vorstand diskutiert werden. Der bestehe in seiner aktuellen Form noch nicht lange genug, um dem Thema Herr zu werden.

Ingrid Meindl-Winkler, kfd-Diözesanverbandsvorsitzende München-Freising
Ingrid Meindl-Winkler, kfd-Diözesanverbandsvorsitzende München-Freising © kfd Diözese München-Freising

„Wir werden diesen Dingen nachgehen und überlegen, wie wir die Frauen auch künftig an uns binden“, sagt Meindl-Winkler und fügt hinzu: „Wir werden nicht den Versuch unterlassen, mit Pfarrgruppen, die ausgetreten sind, in Kontakt zu treten. Wer mit Austrittsplänen schwanger gehe, den bitte sie, den Dialog zu suchen.

KDFB in der Diözese München-Freising sieht Beiträge nicht als Kern des Problems

Zahlen zum Schwund nennt der KDFB: 2021 sei die Zahl der Zweigvereine im Raum München–Freising von 124 auf 118 gesunken, sagt Diözesanvorständin Sylvia Nazet. Sie vermutet, dass die Beitragserhöhungen „willkommener Auslöser“ für die Austritte gewesen seien, ursächlich aber vielmehr eine Überalterung und Überdrüssigkeit gegenüber der katholischen Kirche und dem Vorstands-Ehrenamt seien. Das habe auch mit der „Charakterstärke und -schwäche einzelner Vorstände“ zu tun. An den steigenden Beiträgen sei wohl nicht zu rütteln, sagt Nazet und wirbt für das überörtliche Engagement des katholischen Frauenbundes.

Sylvia Nazet, KDFB-Diözesanverbandsvorsitzende München-Freising
Sylvia Nazet, KDFB-Diözesanverbandsvorsitzende München-Freising © Astrid Schmidhuber

So leiste dieser Öffentlichkeitsarbeit, wirke auf politischer Ebene, subventioniere Bildungs- und Vortragsangebote vor Ort in den Vereinen und sei im sozialen Bereich aktiv. Diese Arbeit und die damit verbundene notwendige und steigende Zahl an Mitarbeiterinnen in den Geschäftsstellen müsse finanziert werden. „Es bereichert sich keiner daran“, verspricht die Diözesanvorsitzende. Mit der Kritik aus den Zweigvereinen müsste der Dachverband umgehen, so Nazet: „Wir arbeiten daran, weil wir unsere Basis nicht verlieren wollen.“

Der EZ-Kommentar zum Thema: Bei katholischen Frauenbünden bröckelt die Basis: Dachverbände verlieren die Tuchfühlung

Hier gibt es Frauengemeinschaften von kfd und KDFB im Landkreis Ebersberg

Für den Landkreis Ebersberg listet der kfd derzeit vier Pfarrgruppen: Aßling, Ebersberg, Hohenlinden und Kirchseeon. Beim KDFB sind es drei Zweigvereine: Anzing, Forstinning und Poing.

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