Zimmerer Reinhard Riedhofer (li.), Werner Fauth, Chef der Waldbesitzer.
+
Über das vergangene Jahr, speziell den zurückliegenden Winter, hat der Holzpreis massiv angezogen. Vor allem die industriell gefertigten Produkte: Zimmerer Reinhard Riedhofer (li.), Werner Fauth, Chef der Waldbesitzer.

Zimmerern und Bauherrn machen Rohstoff-Knappheit und Preissprünge zu schaffen

Lange Gesichter auf den Baustellen: Kaum Holz vor der Hütte

  • Josef Ametsbichler
    vonJosef Ametsbichler
    schließen

Der Zimmerer Reinhard Riedhofer aus Oberpframmern musste in den vergangenen Wochen das eine oder andere unangenehme Gespräch führen. Seinen Kunden beibringen, dass ihre Bestellung teurer wird. „Diese Knappheit habe ich in 20 Berufsjahren noch nie erlebt“, sagt er. Die Rede ist vom Holz.

Landkreis - Über das vergangene Jahr, speziell den zurückliegenden Winter, habe der Holzpreis massiv angezogen. Vor allem die industriell gefertigten Produkte wie Leimholz oder das bei Architekten beliebte KVH – Konstruktionsvollholz aus verleimten Balken mit 13 Metern Normlänge, das vor Riedhofers Zimmerei per Sattelzug ankommt. „Endlos-Holz“ nennt es der Pframmerner Zimmerer, aber nur mit Blick auf die Machart.

Was die Verfügbarkeit angeht, ist das Material alles andere als endlos. Bis Riedhofer die Balken für einen Dachstuhl auf dem Hof liegen hat, vergehen rund 14 Tage, schätzt er. Momentan seien es eher acht bis zehn Wochen. Und der Preis für das KVH habe sich binnen Jahresfrist fast verdoppelt – auf 450 bis 500 Euro den Kubikmeter statt zuvor rund 230 Euro. Riedhofer musste also seinen Kunden beibringen, dass ihr Wohnhaus-Dachstuhl im April je nach Größe um 5000 bis 10.000 Euro* teurer wird, weil sonst seine Kalkulation aus dem Januar nicht mehr aufgeht. Die meisten hätten verständnisvoll reagiert.

Riedhofer: „Wir haben durchgearbeitet.“

So manchen Bauherrn dürfte der Preissprung beim Holz aber in Bedrängnis bringen, zumal auch die Kosten für Stahl, Dämmstoffe oder PVC-Rohre nach oben schießen – im Prinzip die ganze Materialienpalette, die eine Baustelle so braucht. Dazu kommt die lange Wartezeit, die das Ineinandergreifen der Gewerke durcheinanderwirbelt. Beim Leimholz geht es aber besonders zur Sache, Zimmerer Riedhofer beobachtet Preissprünge im Wochentakt.

Zwei Ursachen für Preissprung

Werner Fauth, Vorstand der Waldbesitzervereinigung Ebersberg (WBV), hat dafür zwei Hauptursachen ausgemacht. Eins dabei vorweg: Holzwachstum gibt es im Landkreis Ebersberg mehr als genug. Fauth rechnet vor, dass allein die privaten Waldbesitzer mit ihren rund 13 000 Hektar Fläche das Dreifache von dem produzieren, was die Sägewerke im Landkreis überhaupt verarbeiten können. Den größten Player am hiesigen Markt, den Staatsforst, noch gar nicht eingerechnet.

Doch begehrt ist der nachwachsende Rohstoff weit über den Landkreis, die Landesgrenze, ja den Kontinent hinaus: China und vor allem die USA fragen massiv Baumaterial nach. Bei den Amerikanern sorgen präsidiale Konjunkturpakete für einen Bauboom, während wegen politischer Verstimmung aus der Trump--Ära sowie einer Käferplage in den dortigen Wäldern der Nachschub aus dem benachbarten Kanada stoppt. Die Kunden in den USA sind zahlungskräftig und, führen Fauth und Riedhofer aus, ebenso wenig wählerisch wie die chinesischen, wenn das Holz mal wegen Käferbefalls ein paar Verfärbungen hat. „Ohne Exporte geht es nicht“, sagt Fauth. Aber momentan fehlt halt dafür das Holz vor der heimischen Hütte.

Fauth: „Diese Phase ist vielleicht heilsam.“

Das liege aber noch an einem zweiten Faktor, so der Waldbesitzer-Chef: Die Holzindustrie, die genormte Massenprodukte wie das KVH oder OSB-Platten aus Leimholz herstellt, habe sich in der Corona-Pandemie eine „Kunstpause“ gegönnt, so formuliert es Fauth. Das habe nicht an wegbrechenden Aufträgen gelegen, sondern daran, dass so manche große Firma lieber das staatliche Kurzarbeitergeld „mitgenommen“ und seine Lager geleert habe, statt entsprechend der Nachfrage zu produzieren. Eine staatlich subventionierte Materialknappheit quasi.

Hoffen auf ein Umdenken

„Wir haben durchgearbeitet“, sagt dagegen Zimmerer Reinhard Riedhofer über sein fünfköpfiges Team. Er und der Waldbesitzer Fauth hoffen, dass der aktuelle Mangel zu einem Umdenken führt und den Bauherrn in der Region wieder das Massivholz aus dem heimischen Sägewerk anstelle genormter Industrieprodukte schmackhaft macht. „Diese Phase ist vielleicht ein bisschen heilsam“, sagt Fauth. Er vermutet, dass sich Nachschub und Preisniveau bis zum vierten Quartal des laufenden Jahres wieder entspannen werde. Zimmerer Riedhofer ist sich da nicht ganz so sicher. Er sagt: „Ich kann mir nicht vorstellen, dass das wieder auf 2020-Niveau zurückgeht.“

*Diese Angabe wurde nachträglich präzisiert: In einer früheren Version des Artikels war von 1000 Euro die Rede. Diese Summe bezog sich auf den Holzpreis pro Kubikmeter.

Übrigens: Alles aus der Region gibt‘s jetzt auch in unserem neuen, regelmäßigen Ebersberg-Newsletter.

Auch interessant

Mehr zum Thema

Kommentare