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Auf knapp sechs Millionen Euro ist der Bau der neuen Bahnunterführung in Poing taxiert. Trotz dieser Auftragssumme hat bislang kein Unternehmen ein Angebot für die Durchführung des Projekts abgegeben.

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Kein Interesse an Millionenprojekt

Poings neue Bahnunterführung steht auf der Kippe. Auf die erste europaweite Ausschreibung hin haben sich keine Firmen gemeldet, weshalb der für 2018 geplante Bau nicht plangemäß umgesetzt werden kann. Die unendliche Geschichte geht weiter.

Poing – Die Vorfreude auf Weihnachten ist Poings Bürgermeister Albert Hingerl gehörig vermiest worden: Auf die europaweite Ausschreibung für den Neubau der Bahnunterführung hat sich kein einziges Unternehmen gemeldet. „Als ich das erfahren habe, bin ich aus allen Wolken gefallen“, berichtet er. Bis zum Ende der Frist am 8. Dezember sei bei der Gemeinde Poing, die Auftraggeberin und Bauherrin der Maßnahme ist, kein Angebot eingegangen. Und das bei einer Auftragssumme von knapp sechs Millionen Euro.

Über die Gründe kann Hingerl nur Vermutungen anstellen: „Vielleicht, weil die Auftragsbücher der Firmen voll sind. Oder, weil die Ausführungszeit mit zehn Monaten sehr kurz ist.“ Von März bis Dezember 2018 sollte die Bahnunterführung fertiggestellt werden. Die dafür notwendigen Sperrzeiten der Bahnstrecke habe die Gemeinde bereits beantragt und bewilligt bekommen. „Wir werden Anfang des Jahres neu ausschreiben“, kündigt Hingerl an. Dann mit einer längeren Bauzeit von etwa 16 Monaten. Die Ausschreibungsfrist soll etwa vier Wochen betragen.

Noch in dieser Woche vor Weihnachten soll diesbezüglich ein Gespräch mit der Deutschen Bahn stattfinden. Diese ist bei dem Mammutprojekt unter anderem für die Bahnsteige und den barrierefreien Zugang zuständig, auch sie habe bei der Ausschreibung keine guten Erfahrungen gemacht, berichtet Hingerl. Zwar seien Angebote eingegangen, aber zu sehr hohen Preisen.

Dies bestätigte am Montag ein Bahnsprecher auf Anfrage unserer Zeitung mit den Worten: „Die Bauwirtschaft ruft Preise auf, die man sich vor zehn Jahren nicht hatte denken können.“ Auch wenn die Angebote für die Gewerke, für welche die Bahn verantwortlich ist, laut Sprecher „exorbitant hoch“ seien, wolle der Konzern an dem Projekt festhalten und die neue Unterführung gemeinsam mit der Gemeinde Poing bauen: „Nur so macht es Sinn.“ In den Gesprächen mit der Bahn gilt es laut Hingerl nun abzustimmen, ob und wie das Vorhaben doch noch ab 2018 umgesetzt werden kann. Insbesondere deshalb, weil die Bahn angekündigt hat, im Zuge eines Ausbauprogramms des Freistaates Bayern den Poinger S-Bahnhof nächstes Jahr sowieso barrierefrei umzubauen. „Es wäre ein Schildbürgerstreich, würde die bestehende Unterführung umgestaltet werden und später würden wir eine komplett neue Unterführung bauen.“ Das sieht auch der Bahnsprecher so.

Auch möchte Hingerl eigenen Worten zufolge die Sperrzeiten der Bahnstrecke, die beispielsweise für Juni schon genehmigt seien, nicht verfallen lassen. Ein Neuantrag hierfür würde einen weiteren Zeitverlust bedeuten. Der Bahnsprecher macht in diesem Punkt allerdings wenig Hoffnung: „Im Jahr 2018 wird es definitiv keine Unterführung geben.“ Weil eine Neuausschreibung auch die Ausführungsplanung verzögere, die von der dann beauftragten Firma eingereicht und vom Eisenbahnbundesamt noch genehmigt werden müsse. Deshalb werde es wohl frühestens 2019 werden.

Egal wann, für all das bedarf es allerdings Firmen, die gewillt sind, den Großauftrag auszuführen. Hingerl hofft, dass bei einer längeren Bauzeit doch noch Unternehmen Angebote abgeben werden. Zu welchen Preisen, das steht freilich auf einem anderen Papier – der Gemeinderat muss letztendlich entscheiden, ob und welche Angebote er annimmt.

Der Neubau der Bahnunterführung und die damit einhergehende Umgestaltung des Bahnhofs beschäftigt die Kommune und den Gemeinderat schon seit den 1990er-Jahren. Planungen und Gespräche gab es bereits unzählige, die Umsetzung aber scheiterte bislang stets entweder an der Finanzierung oder an neuen Plänen, die die Deutsche Bahn im Zuge eines möglichen viergleisigen Ausbaus der Bahnstrecke aus der Schublade gezogen hatte.

Als Anfang dieses Jahres alles in trockenen Tüchern schien und die Gespräche zwischen Gemeinde und Bahn endlich zu dem Konsens gekommen waren, dass das Projekt nächstes Jahr realisiert werde, kündigte Bürgermeister Albert Hingerl in einer Gemeinderatssitzung an: „Wenn nach so vielen Jahren tatsächlich der Baustart erfolgt, dann pilgere ich nach Altötting.“ Die Dankeswanderung ist nun auf unbestimmte Zeit verschoben. Ein Bittgang wäre aktuell dringender notwendig.

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