Der Kiffer mit dem grünen Daumen

Kirchseeon - Er züchtete Cannabispflanzen, kaufte Drogen, und brach in mehrere Kellerabteile ein. Deshalb saß ein ehemaliger Heroinsüchtiger aus Kirchseeon vor dem Amtsgericht.

Schön grün waren sie, die Cannabispflanzen. Schön grün und überreif. Allerdings konnte ihr „Gärtner“, Simon F. (Name geändert), sie nicht mehr ernten. Die Polizei pflückte ihm die 132 Gramm Marihuana vor der Nase weg. Das war 2009. Weg nahm sie ihm auch die Beute, die er ein halbes Jahr später mit einem Pfefferspray in der Tasche, in Kirchseeoner Kellerabteilen einsackte. Nun landete der 25-Jährige vor dem Ebersberger Amtsgericht. Die Vorwürfe: Anbau und Erwerb von Betäubungsmitteln, Sachbeschädigung, Diebstahl und Waffenbesitz. Denn zusätzlich soll er im Herbst 2009 am Sendlinger Tor eine Konsumeinheit Heroin für 20 Euro gekauft haben. Am Ostbahnhof habe er zwei Gramm Marihuana besorgt, hieß es in der Anklageschrift.

Um sein Verhalten zu erklären, erzählte der blasse Angeklagte seine Vorgeschichte: Mit 16 rauchte er zum ersten Mal einen Joint. Zwei Jahre später spritzte er sich Heroin. „Jetzt bin ich sauber, nehme Methadon.“ Das Substitutionsprogramm läuft bereits seit 2009. Ein Problem, das an ihm kleben blieb: das Kiffen.

Den Anbau der Cannabispflanzen räumte der Angeklagte vor Gericht sofort ein. „Da bin ich definitiv schuldig“, sagte er. Aber den Einbruch rechtfertigte er mit seiner Drogensucht. Im November 2009 bricht Simon F. in die Kellerabteile ein. Er klaut mehrere Schweizer Taschenmesser, ein Hirschhorn-Taschenmesser, ein Zippo-Feuerzeug, einen Gameboy und einen Wurfstern. Die Beute ist insgesamt 130 Euro wert. In seiner Jackentasche schlummert derweil ein Pfefferspray.

Aber: Während des Einbruchs sei er unter Methadon und starken Schlafmitteln gestanden. „Wenn wir zwei Tabletten von diesen Schlafmitteln nehmen, schlafen wir zwei Tage durch“, sagte der Substitutionsbeauftragte des Angeklagten als Zeuge aus. Simon F. nahm vor dem Einbruch zehn Stück ein.

Außerdem: Er habe nicht mehr gewusst, dass das Pfefferspray in seiner Jackentasche ruhte, er wollte sich damit nicht bewaffnen, beteuerte der Beschuldigte. Auch als er bei der Polizei aussagte, dass er das Spray aus Angst vor den Hunden mit sich führte, sei er völlig zugedröhnt gewesen.

Vor dem Einbruch schluckte er auch noch Alkohol. „Dann reißt die Erinnerung ab.“ Als er in Gabersee wieder zu sich kommt, erzählt ihm seine Freundin von der Tat.

Richter Peter Hayler verurteilte den dreifach vorbestraften Mann zu einer Freiheitsstrafe von acht Monaten, die drei Jahre zur Bewährung ausgesetzt wird. Als Bewährungsauflage verordnete er ihm, seine Entzugstherapie fortzusetzen. Alle drei Monate muss er dem Gericht eine Urinprobe vorlegen, um zu beweisen, dass er keine Drogen mehr nimmt.

Von Marlene Kadach

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