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Viruswelle im Landkreis setzt Kinderärzte unter Druck – „Das ist kaum zu bewältigen“

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Vor allem Kleinkinder sind von einer Infektion mit dem RS-Virus betroffen
Vor allem Kleinkinder sind von einer Infektion mit dem RS-Virus betroffen © dpa/Marijan Murat

Jedes zweite Kind, das zu ihm kommt, hat gerade Husten oder Fieber, erzählt Kinderarzt Martin Griebel aus Poing. Dazu breitet sich nun auch noch das RS-Virus aus.

Landkreis – Wer derzeit bei Kinderärzten im Landkreis Ebersberg anruft, hat ein Problem. Denn um überhaupt an ein menschliches Ohr in der Praxis durchzudringen, müssen Anrufer entweder eine lange Warteschleife oder viele Versuche mit Besetztzeichen überstehen. Der Grund dafür: Seit Wochen steigen die Fälle von Grippeinfektionen im Landkreis Ebersberg. Nun trifft die Welle auch die kleinen Landkreis-Bewohner mit voller Wucht. „Wir haben sehr viele kranke Kinder. Das ist kaum zu bewältigen“, erzählt Kinderarzt Martin Griebel aus Poing, hörbar gestresst am Telefon.

Jedes zweite Kind hat gerade Husten oder Fieber, erzählt er weiter. Um den Praxisbetrieb so gut wie möglich aufrechtzuerhalten, teile man die kleinen Patienten in Poing daher schon in zwei Gruppen auf – die Ansteckenden und die Nicht-Ansteckenden. „Wenn ein Kind zur falschen Sprechstunde kommt, müssen wir es auf später vertrösten“, bedauert der Kinderarzt. Wegen der Grippewelle und der steigenden Verbreitung des Respiratorischen-Synzytial-Virus (RSV), einer Erkrankung der oberen und unteren Atemwege, gebe es täglich lange Infektionssprechstunden in der Gemeinschaftspraxis. Aber vor allem die rasante Ausbreitung des RS-Virus besorgt zurzeit die Kinderärzte.

RSV: Das Virus ist weiter verbreitet als man denkt

„Der Virus ist deutlich weiter verbreitet als man denkt. Auch Erwachsene können sich anstecken“, sagt der Kinderarzt. „Bei denen fallen die Symptome nur nicht so stark aus.“ Frühgeborene und Kinder unter einem Jahr seien von der Atemwegsinfektion hingegen stark gefährdet.

Erkennen können Eltern eine RSV-Infektion ihres Kindes anhand folgender Symptome: trockener Husten, anhaltende Müdigkeit sowie schwere und angestrengte Atmung. Aber auch knisternde oder pfeifende Geräusche aus der Lunge und Schwierigkeiten bei der Nahrungsaufnahme sind laut dem Robert-Koch-Institut Anzeichen einer Erkrankung.

Es gibt noch keine Therapiemöglichkeit

Eine spezifische Therapiemöglichkeit oder ein Antibiotikum gegen das Virus gebe es noch nicht. „Wir behandeln das symptomatisch“, berichtet der Poinger Kinderarzt Griebel. Es gebe zwar ein Prophylaxe-Antibiotikum, dies müsse dem Kind jedoch jeden Monat aufs neue injiziert werden. Zudem sei solch eine Spritze sehr teuer: Rund 800 Euro koste die Prophylaxe. „Das Antibiotikum ist derzeit nur für Risikopatienten gedacht“, betont der Kinderarzt. „Es schützt auch nicht zu 100 Prozent, sondern verhindert nur einen schweren Krankheitsverlauf.“

Eltern mit kranken Kindern sollen daher erst einmal Ruhe bewahren und die Symptome beobachten. „Nicht jedes Kind mit Schnupfen hat das RS-Virus“, sagt Griebel. Panik sei ohnehin wenig hilfreich – die Praxen hätten die Lage sehr gut im Griff.

Überweisung an Kinderklinik kann problematisch werden

In Poing mussten erst wenige Kinder mit dem RS-Virus in eine Kinderklinik überwiesen werden. Wenn es aber soweit ist, kann das problematisch werden, denn: „Die Kliniken sind dahingehend schon wahnsinnig voll. Wir haben bei zehn Kliniken angerufen und keine konnte das kranke Kind aufnehmen“, schildert der Kinderarzt einen Fall. Die Kreisklinik Ebersberg hat keine Kinderstation. „Das Kind musste dann mit dem Rettungswagen nach Deggendorf gebracht werden.“

Dennoch seien dies Einzelfälle. Zu denken gebe da eher die allgemein schwierige kinderärztliche Situation im Landkreis. „Die wird in Zukunft aber nicht besser werden“, bedauert Versorgungsarzt Marc Block. (Anna Liebelt)

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