Die Mittagsbetreuung in Grafing, wo 120 Kinder beschäftigt werden: Für Grünen-Stadträtin Marlene Ottinger wird hier „Superarbeit“ geleistet. Foto: Stefan Rossmann

Kinderbetreuung: Grüne und SPD sehen Notstand

Grafing - Steht die Stadt Grafing vor einem Betreuungsnotstand von Hortkindern? Ein gemeinsamer Antrag von SPD und Grünen im Stadtrat hebt auf dieses Szenario ab. Auch die Ferienbetreuung sei unzureichend, heißt es darin.

Als ersten Schritt fordern Marlene Ottinger (Grüne) und Regina Offenwanger (SPD) in ihrem Antrag die Stadt auf, in Informationsveranstaltungen die Eltern von Kindergarten- und Grundschulkindern über die verschiedenen Betreuungsmöglichkeiten aufzuklären, „damit sie auch die für ihr Kind erforderliche Einrichtung finden.“ Die von der Stadt im November durchgeführte Umfrage bei Eltern mit voraussichtlich einschulungsreifen Kindern sei nämlich missverständlich gewesen. „Diese Umfrage führte dazu, dass viele Eltern aufgrund der Formulierung keinen Hortplatz ankreuzten, obwohl sie einen benötigten“, lautet der Vorwurf. „Sie gingen davon aus, dass eine Mindestbelegungszeit von 20 Stunden erforderlich sei“.

„Wir sind mitten in der Bedarfserhebung. Wir kennen die Zahlen noch nicht“, informierte der Grafinger Bürgermeister Rudolf Heiler auf Anfrage der Ebersberger Zeitung. Meldeschluss sei der 5. Februar. „Wir müssen schauen, wie wir mit den Buchungszeiten zurecht kommen.“

Laut Ottinger und Offenwanger gehen die meisten Eltern jedoch davon aus, dass die Einrichtung für ihr Kind ausschließlich auf Grund der benötigten Stunden ausgewählt werden soll. Dem sei aber nicht so, wie eine Rücksprache im Schulamt ergeben habe.

Ottinger argumentiert folgendermaßen: „Die Mittagsbetreuung ist eine reine Aufsichtseinrichtung ohne Bildungsauftrag, im Hort sind Kinder mit einem höheren Betreuungsbedarf. Dort sollen die Kinder auch gebildet und von ausgebildeten Erziehern betreut werden.“

Eine im Stadtrat bereits einmal angeklungene Kritik an der Mittagsbetreuung teilt sie nicht mehr: „Die machen eine Superarbeit.“ Trotzdem sagt Ottinger: „Es wäre gut, wenn da jemand wäre, der ausgebildet ist, um Kinder, die schwierig sind, zu lotsen.“ In der Grafinger Mittagsbetreuung werden inzwischen 120 Kinder betreut, die sich dort sichtlich wohlfühlen.

In der Begründung ihres Antrags verweisen Ottinger und Offenwanger darauf, dass es in Grafing „nur einen einzigen regulären Hort gibt. In diesem Schuljahr sind, bis auf eine einzige Ausnahme, alle Hortplätze an Kinder vergeben worden, die bereits vorher einen Kindergartenplatz oder ein Geschwisterkind in der Einrichtung hatten. Wo und wie werden die vielen Kinder aus anderen Kindergärten berücksichtigt?“, fragen sich die beiden Antragstellerinnen.

Der Hort gehört zur evangelischen Kinderbetreuungseinrichtung „Alte Villa“. Ottinger verweist darauf, dass die sechs zusätzlichen Hortplätze in der „Rappelkiste“ ein reines Provisorium für ein Jahr seien. „Wie es danach weitergeht, weiß man nicht.“ Dabei sei die Mittagsbetreuung jetzt schon überfüllt und übernehme bereits Hortfunktionen, da einige Kinder mittlerweile 15 Stunden und mehr betreut werden. „Sie ist aber keine Bildungseinrichtung und kann diese Anforderung auch nicht gewährleisten“, heißt es in der Antragsbegründung.

„Ein zweiter Hort wäre gut“, sagt Ottinger. „Die finanziellen Mittel sind sehr eingeschränkt“, meint hingegen Bürgermeister Heiler, der glaubt, dass sich ein zusätzlicher Bedarf auch durch die Mittagsbetreuung abfangen lässt.

„Wir möchten das im Stadtrat diskutieren“, fordert Ottinger. Das weitere Vorgehen wurde in den vergangenen Jahren in einer Konferenz mit den Einrichtungen und Vertretern der Mittagsbetreuung besprochen, so der Rathauschef.

Von Michael Seeholzer

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