Bluttat vor Neuraum: Polizei fasst weitere Täter

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An seinem Ausbildungsplatz: Matthias Kunert. Foto: kn

Erfolgsgeschichte nach schweren Verbrennungen

Kirchseeon - Mit schwersten Brandverletzungen überlebt der damals 15-jährige Matthias Kunert eine Gasexplosion.

Er lag im Koma, wurde wochenlang in einem Spezialkrankenhaus und einer Rehabilitationsklinik behandelt. „Knapp 30 Prozent meines Körpers waren verbrannt. In der Klinik wurde ich psychisch betreut.“, erzählt Kunert heute.

Das „Zentrum Bayern Familie und Soziales“ (ZBFS) unterstützte den jungen Landsberger. Als er aufgrund der psychischen Belastung die begonnene Ausbildung zum Automobilkaufmann ohne Abschluss abbrechen musste, schlug das ZBFS ihm eine Umschulung in einem Berufsförderungswerk vor. Das Bundesversorgungsgesetz regelt die Leistungen zur Teilhabe am Arbeitsleben, die Kunert als Beschädigtem sofort gewährt wurden.

Nach einer Berufsfindung und Arbeitserprobung im Berufsförderungswerk (BFW) München begann er die Ausbildung zum „Industrieelektriker für Geräte und Systeme“. „Es hat mich gereizt zu verstehen, warum etwas so und eben nicht anders funktioniert. Warum zum Beispiel dreht der Motor rechtsrum?“, sagt Kunert. „Ich hatte wirklich Spaß im Unterricht, sowohl mit den Kollegen als auch mit den Ausbildern. Aber Lernen musste ich viel.“

Während der 18-monatigen Umschulung wohnte er im Internat und nutzte ausgiebig die „immensen Freizeitmöglichkeiten“ des BFW, insbesondere das Bogenschießen und Schwimmen im Hallenbad der Einrichtung.

Nach dem Abschluss fand Kunert nicht sofort eine Anstellung, war zuhause bei seiner Stieftochter, während seine Ehefrau arbeitete.

Im Frühjahr 2015 brachte ihn schließlich der Tipp eines Bekannten zur MW-Schickart Bäckereimaschinenbau in Landsberg. Die Firma hatte bereits seit einigen Wochen händeringend einen Elektroniker gesucht. „Da rein zu kommen, war für mich ein Sechser im Lotto“, freut sich Kunert. Das Familienunternehmen produziert Brot-, Semmel- und Brezen-Schneidemaschinen für Bäckereien. Das Unternehmen stellt wöchentlich durchschnittlich zehn Schneidemaschinen her, die weltweit verkauft werden. Kunert ist als eigenverantwortlicher Industrieelektriker für Geräte und Systeme zuständig für Bestellungen, fertigt Schaltkästen an, und sucht, falls nötig, nach dem Nadelöhr, wenn Fehler auftreten und Teile nicht funktionieren. Außerdem repariert und wartet er die Maschinen im Service vor Ort beim Kunden, auch im Ausland. „Das ist wahrhaft eine Erfolgsgeschichte“, sagt Ausbilder Claus-Peter Karl.

„Es ist einfach toll zu sehen, wie eine Maschine gebaut wird, die auch dank meines Inputs funktioniert. Denn die komplette Elektroinstallation unterliegt meiner Verantwortung“, sagt Kunert. Als er dem BFW und seinen ehemaligen Ausbildern mit seinem kleinen Sohn den Besuch abstattet, der ihm schon lange am Herzen gelegen war, sagt er: „Hätte ich die Chance auf eine Umschulung im BFW noch einmal, ich würde sie jederzeit wieder nutzen.“ Noch heute stöbere er ab und zu in seinen alten BFW-Unterlagen. Über seine bewegende Jugend kann er inzwischen offen sprechen. „Natürlich musste ich mich durchkämpfen. Aber ich hatte eine schöne Zeit in Kirchseeon, die mir Spaß gemacht hat“, erinnert er sich. Im Sommer dieses Jahres wird der heute 24-Jährige übrigens zum zweiten Mal Vater.

ez

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