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Neue Chance: Ausbilder Volker Kupetz (stehend) mit Teilnehmer Helmut Poller. Foto: BFW

Fachmann für Qualität - als Seiteneinsteiger

Kirchseeon - Hochmodern und barrierefrei ist der Feinmessraum im Berufsförderungswerk München in Kirchseeon (BFW) nach seiner Renovierung.

Das Fundament wurde ohne Absätze erneuert, um Rollstuhlfahrern den Zugang zu erleichtern. Neu sind auch die Elektroinstallation und die Ausstattung mit zwei 3-Koordinaten-Feinmessmaschinen vom Typ „O-Inspect“ der Firma Zeiss. Die Geräte messen Werkstücke nicht nur „taktil“, sondern auch rein optisch im Bereich von Tausendstel Millimetern. „Wir könnten hier die Größe von Staubkörnern ermitteln“, erklärt Volker Kupetz, einer von aktuell vier Ausbildern des Kurses „Qualitätsfachmann/-frau“ im BFW.

Es geht um die Umschulungsmaßnahme für zukünftige Qualitätsfachleute. Schulische Zugangsvoraussetzung für die zweijährige Ausbildung ist der Hauptschulabschluss ohne Qualifikation beziehungsweise ein vergleichbarer Abschluss mit Berufserfahrung. „Natürlich wären gewisse Vorkenntnisse im Fachbereich Metall wünschenswert, aber wir haben eigentlich immer komplette Neueinsteiger“, sagt Kupetz. Qualitätsfachleute seien in der Regel Leute, die gerne praxisbezogen und handlungsorientiert arbeiten. Sie sollten Geduld, Konzentrationsfähigkeit, Teamfähigkeit, Sinn für Genauigkeit und ein hohes Maß an Verantwortungsbewusstsein mitbringen. Da die meisten Arbeiten sowohl im Sitzen als auch im Stehen erledigt werden können, eigenen sich auch Rollstuhlfahrer als Qualitätsfachleute. Körperliche Anforderungen gibt es so gut wie keine. „Selbst mit einem gehandicaptem Arm, beispielsweise infolge einer Kinderlähmung, ist der Beruf machbar“, weiß Kupetz aus seiner Erfahrung mit Teilnehmern, unter denen sich Männer wie Frauen gleichermaßen befinden.

Helmut Poller steckt mitten drin in der Umschulung. Zuletzt arbeitete er als CNC-Dreher in der Qualitätssicherung. Doch schon seit über zehn Jahren hatte der gelernte Industriemechaniker unter Bandscheibenproblemen gelitten. Nach mehreren Operationen konnte er schließlich nicht mehr in der Produktion arbeiten. Den neuen Feinmessraum nutzt der 40-Jährige nun mehrmals wöchentlich mit seinen Kurskollegen. „Die Arbeit an den Messmaschinen macht wirklich Spaß“, sagt Poller, „noch spannender aber ist für mich die Theorie dahinter.“ Hier könne er seine als Metaller gesammelte Berufserfahrung im Selbstprüferwesen einbringen. Sein Ziel ist es, nach der zweijährigen Umschulung im Qualitätsmanagement einzusteigen.

Ausbilder Kupetz bescheinigt den Qualitätsfachleuten allgemein hervorragende Berufsaussichten - insbesondere in mittelständischen und kleinen Unternehmen. Die Ausbildung ermöglicht eine abwechslungsreiche und verantwortungsvolle Tätigkeit an Arbeitsplätzen in Industrie-, Handwerks- und Dienstleistungsunternehmen aller Art. Qualitätsfachleute arbeiten laut Kupetz hauptsächlich in der Automobilindustrie, in der Luft- und Raumfahrttechnik sowie in der Medizintechnik - also im gesamten Maschinenbau.

Für die vielfältigen Aufgaben im Qualitätsmanagement und in der immer komplexer werdenden Qualitätssicherung zum Beispiel bei Zulieferern sei die Nachfrage nach ausgebildeten Fachkräften sehr hoch.

Robert Langer

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