Gefährlich: Damit sich Kröten und Autoreifen nicht so nahe kommen wie auf dem Foto, helfen vielerorts im Landkreis Ebersberg Menschen den Amphibien auf Wanderschaft über die Straße.
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Gefährlich: Damit sich Kröten und Autoreifen nicht so nahe kommen wie auf dem Foto, helfen vielerorts im Landkreis Ebersberg Menschen den Amphibien auf Wanderschaft über die Straße.

Neue Initiativen in Eglharting und Hohenlinden

Zäune, die Leben retten: Naturschützer bereiten sich auf Krötenwanderung vor

  • Robert Langer
    vonRobert Langer
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Einen neuen Zaun wird es bald an der Straße von Eglharting nach Buch in der Gemeinde Kirchseeon geben. Nicht gerade hoch wird er sein und nach rund vier Wochen soll er schon wieder verschwinden.

Eglharting/Buch/Landkreis - Des Rätsels Lösung: Der Zaun soll verhindern, dass Kröten, Frösche und Lurche auf ihrer Frühlingswanderung Opfer des Straßenverkehrs werden. Die Tiere werden im aufgestellten Zaun gefangen und dann von menschlichen Helfern sicher über die Fahrbahn gebracht.

An mehreren Stellen im Landkreis wurde dies schon erfolgreich umgesetzt, mit der Unterstützung von Ehrenamtlichen. In Eglharting ist dies heuer das erste Mal der Fall. Jetzt werden Helfer gesucht. Getragen wird die Aktion vom Bund Naturschutz (BN), der Unteren Naturschutzbehörde im Landratsamt und der Straßenmeisterei.

Die ersten Amphibien – überwiegend Grasfrösche, Erdkröten und Bergmolche –erwachen mit Beginn der milden Witterung aus ihrer Winterstarre und machen sich auf den Weg zu den Laichgewässern, um dort ihre Eier abzulegen. Sie suchen jedes Jahr wieder jene Gewässer auf, in denen sie sich selbst von der Kaulquappe zum Frosch, Molch oder zur Kröte gewandelt haben.

Amphibien ziehen los, sobald das Wetter milder wird

Besonders in Nächten mit leichtem Regen – die Temperaturen sollten in den Abendstunden über fünf Grad Celsius und nachts über dem Gefrierpunkt liegen – machen sich die Tiere auf den Weg. Dabei legen sie über mehrere Tage verteilt Strecken von bis zu zwei Kilometern zurück. Eine gefahrvolle Reise, denn sie müssen auf ihrer Wanderung einige Straßen überqueren und kommen dabei buchstäblich leicht unter die Räder. Für den Amphibienbestand sind diese Verluste erheblich.

Krötenwanderung: Neuer Zaun bei Eglharting

Um das zu vermeiden, werden Krötenschutzzäune aufgebaut. Im Landkreis ist das unter anderem in Unterelkofen, bei Baumberg, bei Seeschneid oder bei Ingelsberg der Fall, wie Roswitha Holzmann erklärt. Die Biologin ist in der Naturschutzbehörde für das Projekt zuständig und gleichzeitig im Bund Naturschutz aktiv. Zwischen Eglharting und Buch ist der Zaum heuer neu. Hier weiß man auch noch nicht genau, wie die Amphibien wandern. Möglicherweise spielen die Teiche in den Wohnsiedlungen eine Rolle, vermutet Holzmann.

Organisiert werden die Aktionen zunächst zentral. Schon im Vorfeld werden Container mit dem benötigten Material gepackt, also unter anderem Rollen mit den Zäunen und Befestigungsmaterial. Dann heißt es warten. Wenn die ersten wandernden Amphibien entdeckt werden, startet ein Telefonrundruf an die jeweiligen Verantwortlichen vor Ort.

Johann Taschner, Sachgebietsleiter der Naturschutzbehörde, lobt den großen Einsatz und die Organisation. Es gebe Dienstpläne für die Helfer, erklärt er.

Eimer im Boden fangen die Tiere ab

Entlang der Schutzzäune werden Eimer im Boden eingegraben, um die Tiere aufzufangen. Im Zeitraum der Krötenwanderung werden die Eimer täglich geleert, die geretteten Tiere gezählt und über die Straße gebracht.

Die Amphibienwanderung kann sich je nach Wetterlage bis Mitte April hinziehen. Unterwegs sind die Tiere meist in den Morgen- und Abendstunden. Die Naturschützer bitten Autofahrer, während dieser Zeit auf den entsprechenden Strecken vorsichtig und langsam zu fahren, um die Tiere zu schützen.

Beim Rückweg sind die Tiere auf sich gestellt - das hat einen Grund

Rund vier Wochen später, nachdem die Tiere gelaicht haben, werden die Zäune wieder abgebaut, um den Rückweg nicht zu versperren. Das ist sinnvoll, weil die Tiere auf dem Weg zu den Laichplätzen in Gruppen auftreten und die Wanderung innerhalb eines kurzen Zeitraumes stattfindet. Zurück sind die Tiere meist einzeln unterwegs und diese Wanderung verteilt sich auf einen längeren Zeitraum.

In Eglharting organisiert Beate Kiss vom Bund Naturschutz die Aktion. Diese sei sicher für alle Beteiligten eine interessante Erfahrung, sagt sie. Auch Kinder hätten die Möglichkeit, mehr über Amphibien zu lernen, indem sie direkten Kontakt mit den Tieren bekämen, wirbt Kiss um Teilnahme.

Krötenwanderung: Neuer Zaun auch in Hohenlinden

Neu in diesem Jahr ist auch ein Krötenzaun an der Straße von Ebersberg nach Hohenlinden am nördlichen Waldrand in der Nähe der Kiesgrube. Dort habe sich ebenfalls eine Unterstützergruppe gebildet, darüber freut sich Holzmann. Sie hofft, dass überall im Landkreis Anwohner mithelfen oder auch ihre Beobachtungen zur Krötenwanderung mitteilen. „Es geht eigentlich nur um ein paar Tage.“

Weitere Informationen gibt es beim Bund Naturschutz online unter ebersberg.bund-naturschutz.de oder für Eglharting bei Beate Kiss unter Tel. (0 80 91) 72 08.

Alle Nachrichten aus Kirchseeon, Hohenlinden und dem Landkreis Ebersberg bei der Ebersberger Zeitung.

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