Dunkle Wolken: Die Turnhalle des Gymnasiums Kirchseeon, davor Container für die Infrastruktur. Fotos (3): s. Rossmann

Mangelnde Hygiene und massive Missstände

Kirchseeon - Die Kirchseeoner Grünen sprechen von „massiven Missständen“ in der Flüchtlingsunterkunft in der Halle des Gymnasiums und sehen das Landratsamt in der Pflicht.

Ganz am Ende der letzten Sitzung des noch laufenden Jahres war es Natalie Katholing, die trotz des anschließend vorgesehenen Weihnachtsessens der Gemeinderäte als „ganz wichtige Sache“ das heiße Eisen aufs Tapet brachte. Anlass der Forderung, bei Landrat Robert Niedergesäß (CSU) vorstellig zu werden, war ein Besuch der drei grünen Gemeinderäte in der Unterkunft für Asylbewerber in der Gymnasiums-Turnhalle am vergangenen Samstag. Laut Katholing herrschen nämlich in der vom Landkreis betriebenen Unterkunft „menschenunwürdige Verhältnisse, die unbedingt verbessert werden müssen“. Die Grünen-Gemeinderätin sprach von „katastrophalen hygienischen Zuständen in den zwei Küchencontainern und in den nur noch vier funktionierenden Duschen sowie zwei benutzbaren Toiletten für 173 Menschen“. Es fehle an jeglichen Räumlichkeiten, in denen zum Beispiel Deutschkurse abgehalten werden könnten. „Und es gibt keinen einzigen Stuhl oder Tisch, sodass die Asylsuchenden auf dem Boden oder Bett essen“ müssten.

Das Security-Team arbeite wie auch der Helferkreis an der Belastungsgrenze und übernehme viele ehrenamtliche Tätigkeiten, ohne die kein reibungsloser Tagesablauf gewährleistet wäre, so die Grünen. „Die ehrenamtlichen Helfer werden nicht über bestehende Infektionskrankheiten der Asylsuchenden unterrichtet und laufen damit Gefahr, sich und andere anzustecken“, lautete ein weiterer Kritikpunkt. Unverständlich sei zudem, dass die Helfer aus Datenschutzgründen keine Namenslisten der Bewohner erhielten, was die Arbeit erheblich erschwere, nicht nur, wenn bestimmte Flüchtlinge zu Deutschkursen angemeldet werden sollten.

In einem Schreiben der Gemeinde an den Landrat solle darauf gedrängt werden, dass „zeitnah und rasch Abhilfe geschaffen“ werde. Konkret gehe es darum, dass der Informationsaustausch zwischen dem ebenfalls an der Belastungsgrenze arbeitenden Landratsamt und dem Helferkreis verbessert werde, im Gymnasium selbst Räumlichkeiten durch die Kreisbehörde zur Verfügung gestellt würden, da die Schulleitung freiwillig keine frei gebe und dass zumindest „einmal am Tag die Duschen und Toiletten sowie die Küchencontainer professionell gereinigt und desinfiziert werden, um den Ausbruch von Seuchen zu verhindern“.

Zweites Anliegen der Grünen ist die Gründung eines Flüchtlingsbeirats auf Gemeindeebene, zu dem jede Fraktion einen Vertreter entsenden soll , „damit wir regelmäßig über die Zustände in der Turnhalle unterrichtet sind. „Wir haben nämlich auch als Gemeinde die Verpflichtung, den Helferkreis zu unterstützen, denn der ist am Limit und schafft es bald nicht mehr“, so Katholing. Es werde „Hilfe aus dem Rathaus benötigt, denn man kann sich nicht immer auf den Ehrenamtlichen ausruhen“, so Katholing. Das sei auch schon deshalb notwendig, damit der Helferkreis neue Aktive rekrutieren könne, die ansonsten wegen der übergroßen Belastung ausbleiben würden.

Wie nötig diese neuen Ehrenamtlichen in Kirchseeon seien, zeige sich daran, dass der Helferkreis in der Gemeinde dezeit aus nur rund 20 Personen bestehe, in Zorneding dagegen aus mehr als hundert.

Dem Vorschlag ein Schreiben an das Landratsamt zu richten, sagte Bürgermeister Udo Ockel (CSU) nach kurzer Diskussion zu. Über das Thema Flüchtlingsbeirat werden die Fraktionen erst intern beraten. „Wir hoffen, dass dieser Antrag Anklang findet“, so Katholing, die es am Tag nach der Sitzung schade fand, „dass es nach unserer Schilderung und den zwei Anträgen so wenig Beiträge und Interesse bei den restlichen Gemeinderäten gab“.

Von Robert Langer

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