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Gefährliche Altlasten schlummern im Ebersberger Forst. Sie sollen jetzt genauer untersucht werden. 

Weitere Messungen im Ebersberger Forst notwendig 

Trinkwasser ist in Gefahr

Mit der Deponie „Ebersberger Forst 17“ schlummert nördlich von Kirchseeon eine längst erkannte Altlast im Wald. Vor sechs Jahren fiel der Startschuss zur Sanierung. Weil die komplizierter ist als gedacht, müssen jetzt weitere fünf Grundwassermessstellen eingerichtet werden.

Kirchseeon – Die notwendigen Bohrarbeiten hat der Kirchseeoner Gemeinderat in seiner jüngsten Sitzung in Auftrag gegeben. Knapp 40 000 Euro werden diese Bohrstellen kosten. Eine interne Schätzung der Gesellschaft für Altlastensanierung in Bayern (GAB) war noch von 20 000 Euro ausgegangen.

Im Gemeinderat fiel der Beschluss einstimmig. Zu einen, weil man keine andere Wahl hat, die Altlast beseitigt werden muss. Zum anderen hatte die GAB das günstigste Angebot als „immer noch im marktüblichen Bereich“ taxiert. Mit der GAB ist Kirchseeon „verbandelt“, damit die Gemeinde bei der Sanierung finanziell nicht ins offene Messer läuft.

Die GAB wird durch den Freistaat, den bayerischen Städtetag und den bayerischen Gemeindetag getragen und hat die Aufgabe, Gemeinden, Städte und Landkreise finanziell und fachlich bei der Altlastensanierung zu unterstützen. Weil man ja vorher in keinster Weise weiß, was auf die Gemeinde zukommt.

Für Kirchseeon gilt dabei ein Eigenanteil beziehungsweise eine Kostendeckelung in Höhe von 105 089 Euro. Alles was darüber hinausgeht, zahlt die GAB. Rund 7000 Euro jährlich zahlt Kirchseeon in den Fond der GAB ein.

Laut Bürgermeister Udo Ockel (CSU) ist mit der neuerlichen Auftragsvergabe für den Sanierungsfall der Kirchseeoner Anteil so gut wie ausgeschöpft. Was dann an Kosten kommt, wird die GAB übernehmen.

Fachlich federführend ist das Wasserwirtschaftsamt in Rosenheim. Die Behörde hat nach ersten Untersuchungen 2004 bereits 2010 attestiert, dass eine Gefährdung für Boden und Wasser vorliegen könnte, weil manche Grenzwerte überschritten seien.

Das gab den Ausschlag für den Sanierungsstartschuss. Laut Bürgermeister Ockel hatte man „etwas gefunden, das sehr bedenklich erscheint“. Das Büro Blasy+Mader sprach in seiner Untersuchung davon, dass „eine Gefährdung des Hauptgrundwasserleiters nicht ausgeschlossen werden kann.“ Von Mineralölkohlenwasserstoffen (MKW) im Grundwasser im Abstrom der Deponie ist die Rede, von „nachgewiesenen massiven Belastungen“ und von „erheblichen Schadstofffrachten“ im zumindest zeitweise über zwei Meter mächtigen Grundwasserstrom. Dieser Schadstoffaustrag habe „bereits zu Verunreinigungen deutlich außerhalb der Deponie geführt“. Auch könne das Vorhandensein „von Bereichen mit deutlich höheren Metangas- und/oder Schwefelwasserstoffkonzentrationen nicht ausgeschlossen werden“.

Die Hausmülldeponie „Ebersberger Forst 17“ wurde nach dem Zweiten Weltkrieg eröffnet. Zu einem Teil wurde in der etwa eineinhalb Hektar großen Grube auch Bauschutt eingebracht. Der andere aber ist mit dem problematischen Hausmüll und auch wilden Ablagerungen verfüllt.

Genutzt wurde die Deponie bis in die 70-er Jahre hinein, bis eben der Landkreis Ebersberg seine zentrale Mülldeponie auf der Ebersberger Schafweide eröffnete. Nach den jetzt beauftragten Rammkernbohrungen werden dann die weiteren fünf Grundwassermesstellen eingerichtet. Laut Ockel werden an ihnen ein Jahr lang Proben entnommen.

Von Eberhard Rienth

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