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Der Spannleitenberg an der B 304 bei Kirchseeon war Thema im Gemeinderat. Zwölf neue Straßenlaternen sollen vor der Ortseinfahrt ab der Einmündung Hochriesstraße aufgestellt werden, um Fahrer „aufzuwecken“. 

Am Spannleitenberg in Kirchseeon

Licht soll Verkehr bremsen

Was nicht alles hat Kirchseeon schon versucht, um den vom Spannleitenberg herunterkommenden Verkehr abzubremsen. Jetzt soll wenigstens während der dunklen Jahreszeit und nachts ein „Lichttrichter“ aus zwölf Straßenlampen für Tempo 50 sorgen.

Kirchseeon – Die Liste der bisherigen Bemühungen ist ebenso lang, wie erfolglos. Im Vorwahlkampf zur Gemeinderatswahl 2012 waren es Tempokontrollen „oben“ am Spannleitenberg, Tempo 80 schon auf Höhe von Kirchseeon-Dorf, ein Nachtfahrverbot für Lastwagen, graue Starenkästen, ob sie nun „scharf“ gestellt oder nur als Attrappe am Straßenrand stünden.

Ende 2013 ließen Innenminister Joachim Herrmann, das Bundesamt für Güterverkehr, die Ebersberger Polizeiinspektion und die Verkehrsbehörde im Landratsamt alle diese Träume platzen. Seitdem – und mit der im Herbst 2016 geplatzten Hoffnung auf eine Umgehungsstraße in absehbarer Zeit erst recht – backt man kleine Brötchen. Einziger greifbarer Erfolg ist der Flüsterasphalt, der auf die Fahrbahn aufgebracht wurde. Der lindert nur den Lärm, mindert aber nicht die Durchfahrtsgeschwindigkeiten.

Die seien jedoch eh noch „verträglich“: Von 206 702 Fahrzeugen, die in mehreren mehrtägigen Intervallen gemessen wurden, waren weniger als zehn Prozent zu schnell, ließ der Innenminister vor gut vier Jahren wissen. 17 439 Fahrzeuge hatten zwischen Tempo 51 und 60 drauf. 1538 Autos kamen mit 61 bis 70 Kilometern in der Stunde daher. Bei 233 zeigte die Tachonadel eine Geschwindigkeit zwischen 71 und 80 Kilometer pro Stunde. 25 Autofahrer fuhren zwischen 81 bis 90 Stundenkilometer. Nur 17 waren noch schneller.

Trotzdem stand am Montagabend das Thema auf der Tagesordnung des Gemeinderats. Weil subjektiver Eindruck und objektiv erhobene Daten eben oftmals zwei Paar Stiefel sind. „Wir haben uns weiterhin unsere eigenen Gedanken gemacht“, sagte Bürgermeister Udo Ockel (CSU). Die steckten im letzten Tagesordnungspunkt „Ergänzung der Straßenbeleuchtung im Bereich Ortseinfahrt B 304, Spannleitenberg, Münchner Straße“. Denn von Anwohnern werde immer wieder über die nicht angepasste Geschwindigkeit in der Ortseinfahrt über den Spannleitenberg geklagt. Eine Verbesserungsmöglichkeit sehe man in zusätzlichen Straßenlampen beidseitig entlang der Fahrbahn zwischen der Einfahrt zum Waldfriedhof und dem alten Forsthaus. Die nämlich könnten den Fahrzeuglenkern signalisieren, dass die Ortsdurchfahrt hier beginnt und sie veranlassen, die Geschwindigkeit anzupassen. Denn das Ortsschild befinde sich quasi auf halber Höhe, die Fahrbahnbeleuchtung aber beginne bislang erst richtig an der Einmündung der Münchner Straße. Die aufgestellten Leuchten dienten mehr dem dort von der Straße abgesetzten Gehweg, verdeutlichten aber nicht den Beginn der Ortseinfahrt.

Die Gemeindeverwaltung denkt an zwölf Lampen. Kosten: rund 30 000 Euro. Die Meinung über einen Bremseffekt durch Ausleuchtung waren im Gremium geteilt. „Das bringt nichts“, waren sich Maria Wollny (CSU) und Stephan Leuverink (SPD) einig, die am Ende auch beide als einzige mit Nein stimmten.

Paul Hörl (CSU) dagegen zeigte sich vom Gegenteil überzeugt. „Wenn man in einen Lichtkegel reinfährt, wacht man auf“, glaubt der pensionierte Polizeibeamte. CSU-Fraktionssprecher Siegfried Seidinger gehörte zum Lager jener, die meinten, „das bringt schon was“. Er stellte aber in Frage, ob die neuen Leuchten schon am Waldfriedhof beziehungsweise der Ausfahrt der Hochriesstraße beginnen müssten.

Weil es sich dort um Ein- und Ausfahrten mit Gefahrenpotenzial handele, setzte sich dennoch die größere Variante durch – plus der Erwerb eines fest installierten elektronischen Zeigefingers auf Höhe des alten Forsthauses, der leuchtet, wenn man zu schnell fährt.

Eberhard Rienth

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