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Am Spannleitenberg in Kirchseeon entsteht das neue Kinderhaus. Baubeginn war in der Zeit, als die neuen Richtlinien des Jugendamtes zum Bau von Kindertagesstätten noch nicht galten. 

Jugenamt übt Kritik an Kirchseeoner Einrichtung

„Bedenklicher“ Brandschutz in Kinderhaus

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Entspricht die Planung des neuen Kinderhauses am Spannleitenberg in Kirchseeon den gesetzlichen Vorgaben, oder tut sie das nicht? Im Kreis-Jugendamt hat man offenbar Zweifel, im Rathaus Kirchseeon ist man hingegen gelassen. Klar ist: Auf die derzeit laufenden Bauarbeiten hat diese Frage wohl keine Auswirkungen.

Kirchseeon – Es geht um die kürzlich beschlossenen Richtlinien des Kreis-Jugendamtes zum Bau von Kindertagesstätten (wir berichteten). Ob es dazu Probleme bei einem Projekt in Kirchseeon gebe, wollte im Jugendhilfeausschuss Kreisrat Uwe Peters (Grüne) wissen.

Die Richtlinien seien als Hilfe gedacht, betonte Jugendamtsleiter Christian Salberg. Man habe bestehende Anweisungen zusammen gefasst, damit Architekten und Gemeinden keine Schwierigkeiten bekommen. „Unserer Ansicht nach war das immer transparent“, sagte Salberg. Und Florian Robida vom Jugendamt erklärte: „Wir sind darauf angewiesen, dass sich Gemeinden beraten lassen.“ Man sollte am Anfang eines Projektes miteinander sprechen und nicht am Ende. Wenn es „keine Kommunikation gab, dann ist etwas schief gelaufen“, meinte Peters.

Landrat Robert Niedergesäß (CSU) kündigte ein zeitnahes Gespräch mit der Gemeinde an. Erreicht werden solle eine „Klärung aller offenen Fragen, die Auflösung etwaiger Missverständnisse und eine gute Lösung für die Marktgemeinde und die Kinder“, sagte Niedergesäß gegenüber der EZ.

Auf Nachfrage erklärte das Jugendamt, das Kinderhaus-Projekt sei noch vor Verabschiedung der Bauleitlinien geplant worden ist. Mitte März habe das Jugendamt die Planungsunterlagen erhalten. Baubeginn sei jedoch bereits Anfang April gewesen. Üblicherweise werde das Jugendamt von den Gemeinden frühzeitig über solche Bauvorhaben informiert. So könne schon im Planungsstadium darauf hingewiesen werden, welche Standards eingehalten werden müssten, damit eine Betriebserlaubnis erteilt werden könne. „Entsprechende Planungsänderungen könnten dann noch unkompliziert umgesetzt werden.“ Das sei im vorliegenden Fall nicht mehr möglich gewesen, „da die Zeitspanne zwischen Information der Kindertagesstättenaufsicht und Baubeginn mit etwas mehr als zwei Wochen viel zu knapp war“. Angesichts der Größe einzelner Räumlichkeiten sei es aber nicht erforderlich, hier umzuplanen. Mit Verzögerungen allein aufgrund der Vorgaben des Kreisjugendamtes seit daher nicht zu rechnen, hieß es.

Kritikpunkt des Jugendamtes: In dem Neubau sollen 111 Kinder im Obergeschoss untergebracht werden. Ein Drittel der Kinder sei im Krippenalter, also unter drei Jahren. Diese Situation sei „im Brandfall bedenklich“. Das Jugendamt fordert zusätzliches Personal. Dabei müsse es sich jedoch nicht um pädagogisch ausgebildete Fachkräfte handeln. Es gehe um zusätzliche helfende Hände, die im Brandfall oder ähnlichen Notfallsituationen „beherzt mit zugreifen können“.

Das sieht Kirchseeons Bürgermeister Udo Ockel (CSU) jedoch anders. „Sowohl wir als auch unsere Planer vertrauen hier auf das geprüfte Brandschutzkonzept, das keine Risiken sieht, die mit einer solchen Maßnahme aufgefangen werden müssten“, erklärte der Rathauschef auf EZ-Anfrage. „Ich bin deshalb froh, wenn wir im Landratsamt noch einmal über die Richtlinien sprechen können.“ Es gebe aber keinen Konflikt zwischen dem Landratsamt und dem Markt Kirchseeon, betonte Ockel. Das neue Kinderhaus sei bereits vor längerer Zeit genehmigt worden. Damals seien aber die Richtlinien des Landratsamtes noch nicht beschlossen gewesen. Zudem seien die früheren staatlichen Richtlinien für den Bau von Kindertagesstätten vor vielen Jahren aufgehoben worden. Daher „sahen sich unsere Planer und auch die Baugenehmigungsbehörde im Landratsamt nicht veranlasst, die Kindergartenaufsicht in der Baugenehmigungsphase mit einzubeziehen“, so Ockel. „Deshalb sehe ich auch keinen Kommunikationsmangel.“

Verzögerungen gibt es beim Bau des Kinderhauses dennoch. Zu Beginn der Arbeiten wurden nämlich unbekannte Bauschutt-Ablagerungen im Untergrund des Grundstücks gefunden. Diese mussten geprüft und beseitigt werden. Grund zur Besorgnis habe es jedoch nicht gegeben, so Ockel. Zudem hatten die Eigentümer der bisher auf dem Areal stehenden Gebäude offensichtlich sehr weitreichende Fundamente errichtet. Das hatte Auswirkungen auf die Versorgungsleitungen im Boden. Das Problem wurde inzwischen gelöst.

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