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Beerdigung ohne Sarg: Bodengutachten muss her

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Von: Robert Langer

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Der Grabstein eines muslimischen Grabes – in Kirchseeon wird geprüft, Bestattungen ohne Sarg zu erlauben.
Der Grabstein eines muslimischen Grabes – in Kirchseeon wird geprüft, Bestattungen ohne Sarg zu erlauben. © DPA

Gut möglich, dass im Waldfriedhof Kirchseeon bald Beisetzungen nach muslimischem Ritual stattfinden können – also ohne Sarg. Der Gemeinderat will sie ermöglichen, muss aber noch einige Fragen klären.

Kirchseeon – Bestattung im moslemischen Ritus: „Es ist möglich und machbar“, freute sich der Kirchseeoner SPD-Gemeinderat Thomas Kroll. „Wir reden von Grundrechten und Religionsfreiheit.“ Jetzt gebe es am Waldfriedhof die Möglichkeit dazu.

Der Marktgemeinderat beschäftigte sich erneut mit der Frage, wie eine Bestattungen ohne Sarg umsetzbar wäre, etwa im Leichentuch, nach muslimischem Ritual. „Über Details müssen wir uns noch weiter unterhalten“, so Kroll. Denn muslimische Gepflogenheiten stehen in manchen Punkten im Gegensatz zu deutschen Vorgaben.

Die Rathausverwaltung hatte auf Antrag der Sozialdemokraten eine ganze Reihe von Aspekten geprüft. Laut Gesundheitsamt ist demnach ein Bodengutachten für die Bestattungsfläche zwingend notwendig. Da der Waldfriedhof in Kirchseeon bereits eine Sektion für muslimische Gräber habe, könne in diesem Bereich die Bodenprüfung stattfinden, so das Rathaus.

Sarglose Bestattung: Behörde sieht keine „umwelthygienischen“ Probleme

Aus dem Wasserwirtschaftsamt Rosenheim hieß es, eine Bestattung im Leichentuch zeige im Vergleich zu einer Sargbestattung aus Sicht des Grundwasser- und Bodenschutzes keine anderen umwelthygienischen Probleme. Ein Sarg sei nach einigen Wochen auch nicht mehr „Flüssigkeitsdicht“. Prinzipiell sei auf eine korrekte Erstellung des Grabes zu achten.

Ein weiterer Punkt ist die Frage der sogenannten Ruhefristen. So heißt es, dass Gräber im Islam nur ein Mal belegt werden dürften und dem ewigen Ruherecht unterlägen. Das käme aber aus Platzgründen in Kirchseeon nicht in Frage. Bisher ist eine Ruhefrist von zwölf Jahren vorgesehen. Darüber wird noch diskutiert. Die muslimische Kultusgemeinde hatte betont, eine Bestattung ohne Sarg bringe den Körper des Verstorbenen schneller mit der Erde in Verbindung, somit gebe es eine schnellere Vereinigung mit der Ewigkeit. Deshalb sei die sarglose Bestattung von besonderer Bedeutung.

Träger stehen im Grab: Mit Vorschriften unvereinbar

Noch ein Punkt: Im Islam würden die Träger im Grab stehend den Verstorbenen in Empfang nehmen und in das Grab legen. Das würde jedoch mit den geltenden deutschen Unfallverhütungsvorschriften kollidieren. Da gibt es aber offensichtlich noch weitere Überlegungen.

Klar zu sein scheint auch, dass der Verstorbene in einem Sarg bis zum Grab gebracht werden soll. Zu Aufbahrung und Abholung des Leichnams gibt es Vorgaben des Gesundheitsamts. Es stellt sich die Frage, wie der Leichnam am Grab pietätvoll aus dem Sarg genommen werden könne. Eine Frage des Bestatters: Ist es der Öffentlichkeit, zum Beispiel Friedhofsbesuchern mit Kindern zumutbar, diesem Vorgang zuzusehen oder sollte man der Bereich um die Grabstelle vor Blicken abschirmen?

Das Rathaus wird nun weiter prüfen. Die Bestatter solen zusichern, dass eine sarglose Bestattung durchgeführt werden könne. Danach soll ein Bodengutachten in Auftrag gegeben werden. „Das brauchen wir“, sagte Bürgermeister Jan Paeplow. Grundsätzlich erscheint eine sarglose Bestattung dem Bürgermeister als „machbar und möglich“. Bei der Abstimmung im Marktgemeinderat gab es schließlich vier Gegenstimmen.

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