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Das digitale Heimatmuseum

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Von: Robert Langer

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„Ein Projekt für viele Jahre“: Daniel Dolinsky vom Vorstand des Heimatkundevereins Kirchseeon mit der neuen Ausstattung in den Räumen des Museums an der ATSV-Halle.
„Ein Projekt für viele Jahre“: Daniel Dolinsky vom Vorstand des Heimatkundevereins Kirchseeon mit der neuen Ausstattung in den Räumen des Museums an der ATSV-Halle. © Stefan Rossmann

Mit modernster 3-D-Technik, einem Fotoshooting wie für eine Modezeitschrift und Digitalisierung will der Heimatkundeverein Kirchseeon Interesse wecken. Das Projekt ist auf viele Jahre angelegt.

Kirchseeon – Ein Paar kleiner, schwarzer Schuhe steht im gedämpften Scheinwerferlicht auf einer nach oben gewölbten Unterlage, die keine Schatten wirft. Gemacht ist das dunkle Lederkunstwerk mit den feinen Nähten auf der Seite wohl für ein Kind. Es sieht etwas altmodisch aus, gleichzeitig auch zeitlos, retro. Auf jeden Fall total faszinierend, geschnürt, gefüttert.

Daneben zur vergleichenden Einordnung eine Farbpalette mit bunten Quadraten. Eine Kamera ist wie bei einem Foto-Shooting für ein Modemagazin eingerichtet, mit mehreren Rädchen und Achsen zur exakten Einstellung am langbeinigen Stativ für eine sehr genaue Justierung. Aufgebaut an einem alten Tisch, rundherum historische Exponate. Es ist modernste Technik neben alten Ausstellungsstücken an den Wänden, Exponate, die teilweise weit vor Christi Geburt entstanden sind.

Wie passt das zusammen? Offenbar sehr gut in einem Projekt des Heimatmuseums Kirchseeon. Weil dort aktuell wegen der Corona-Einschränkungen Besuche nicht möglich sind, nutzt die Vorstandschaft des Heimatkundevereins die Zeit, um den Bestand zu digitalisieren, zu fotografieren, zu scannen und für das Internet aufzubereiten – und damit auch der Nachwelt zu erhalten sowie gleichzeitig für die Jugend interessant zu machen.

50 000 Einzelstücke

Dazu hat der Verein nun die notwendige Ausrüstung. Vor den Verantwortlichen liegt eine riesige Aufgabe. Schließlich werden im Museum an der Kirchseeoner ATSV-Halle etwa 2000 Exponate ausgestellt, auch die legendäre Schusterwerkstatt. Das ist nur ein kleiner Teil des Gesamtbestandes. In verschiedenen Depoträumen lagern wohl etwa 50 000 Einzelstücke – von kleinen Münzen bis zu zerlegten Fuhrwerken und vielen Ausrüstungsteilen des Minensuchbootes „Sirius“ der deutschen Marine, für das der Markt Kirchseeon Pate war. „Bis wir das alles abgearbeitet haben, werden wohl noch einige Jahre vergehen, wir können nicht alles auf einmal machen“, sagt Daniel Dolinsky, zusammen mit seiner Ehefrau Bianka Dolinsky sowie dem Ehepaar Christiane und Karl-Heinz König im Vorstand des Kirchseeoner Heimatkundevereins.

Aufwändige Ausrüstung

Die neue Technik kostete etwa 6500 Euro. Fotoausrüstung mit Kamera und Blitz, Schirme, Scanner für die Dokumente, automatischer Diascanner, Drehteller und viele andere Teile. Teilweise wird das durch Zuschüsse finanziert. Auch die politische Gemeinde des Marktes hat geholfen. Beratung gab es zudem über den Freistaat und die Landesstelle für die nichtstaatlichen Museen in Bayern, erzählt Dolinsky.

Bis zu 100 Fotos pro Exponat

Manche Exponate werden nun für das digitale Archiv zweimal fotografiert, andere bis zu 100 Mal für die dreidimensionale Präsentation. Ein Beispiel: Die 3-D-Darstellung eines der ganz außergewöhnlichen Stücke des Museums, eines Bronzemeißels, der etwa aus der Zeit um 1200 vor Christus stammt. Gefunden wurde er am Spannleitenberg. Für diese Darstellung hat Dolinsky, der unter anderem technische Physik studierte und in der Software-Branche arbeitet, ein eigenes Computer-Programm entwickelt. Fotos der Ausstellungsgegenstände werden dann im Internet auf einem speziellen Portal hochgeladen. Eingerichtet ist eine Schnittstelle zur Deutschen Digitalen Bibliothek in Berlin. Angeschlossen darüber wird das Heimatmuseum Kirchseeon auch an die „Europeana“, einen virtuellen Internetdienst, einer Initiative der Europäischen Union.

Angebot für die Schulen

Die Vorstandsmitglieder hoffen damit zusätzlich zum bisherigen „Publikum“ neue Interessenten zu erreichen – möglicherweise auch die jüngere Generation durch die faszinierende Foto-Technik für die Geschichte in ihrer eigenen Lebensumgebung zu begeistern. „Wenn wir viel mit guter Qualität im Internet haben, sind wir auch in Corona-Zeiten präsent.“

Das Kirchseeoner Heimatmuseum soll so ausgestaltet werden, dass es in den Lehrplan der örtlichen Grund- und Mittelschule genauso passt wie in den des Gymnasiums, jetzt in der Pandemie und darüber hinaus als digitales Angebot sowie hoffentlich bald auch wieder für alle Besucher vor Ort in den eigenen Räumen.

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