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Jahrelang 1500 Schuss gelagert: Jetzt wird Kirchseeoner zur Verantwortung gezogen

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Von: Raffael Scherer

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Eine Waffe und Munition liegen auf einer Waffenbesitzkarte
Weil ein Kirchseeoner sich damals nicht ordentlich zu seiner aktualisierten Waffenbesitzkarte informiert hatte, fand er sich nun vor Gericht wieder (Symbolbild). © dpa

Weil ein Rentner seit 1996 noch Munition für sein früheres Gewehr zu Hause lagerte, musste er sich nun vor dem Ebersberger Amtsgericht verantworten.

Ebersberg – Unwissenheit schützt vor Strafe nicht, war die Prämisse am Ebersberger Amtsgericht. Ein 84-Jähriger hatte bei sich daheim mehrere Waffen und Munition gelagert. Als die Polizei 2021 wegen eines anderen Verfahrens sein Haus in der Gemeinde Kirchseeon durchsuchte, stellte sich heraus, dass der Rentner die seit 25 Jahren gelagerten 1500 Schuss Gewehrmunition gar nicht hätte besitzen dürfen.

Zwar habe er als Mitglied des örtlichen Schützenvereins eine Waffenbesitzkarte für seine Gewehre, aber seit 1996 keine Erlaubnis für die Munition mehr. Bis 1996 hatte er noch ein Sportgewehr, inklusive Munitionserlaubnis, das er damals verkaufte und dementsprechend aus seiner Karte streichen ließ: „Jedoch erfolgte seitens der Verwaltungsbehörde kein Hinweis darauf, dass der Betroffene die dazugehörige Munition nunmehr ebenfalls nicht mehr besitzen darf“, hieß es in der Erklärung seiner beiden Verteidiger.

Nicht nur der Besitz von Munition: Auch Schalldämpfer und Revolver werden verhandelt

Da die Munition auch für seine beiden anderen Gewehre passte, habe der Angeklagte die Patronen kurzerhand behalten: „Wie hätte ich denn jemals erkennen sollen, dass ich mich nunmehr strafbar mache“, hieß es. Als Zeugin geladen war hierzu eine Verwaltungsfachangestellte des Landratsamts. „Normalerweise wissen Waffenbesitzer bei Gesetzesänderungen oft mehr als wir“, erklärte sie dem Gericht. Werde eine Waffe ausgetragen, so erlösche damit automatisch der Munitionserwerb dafür. Explizit weise sie aber für gewöhnlich nicht darauf hin, denn das wisse sowieso jeder.

Auch der unerlaubte Besitz eines Schalldämpfers für eines der Gewehre sowie eines Revolvers stand während des Prozesses im Raum. Das Gewehr war jedoch noch aus den 1930ern, ein Geschenk des Großvaters. Dadurch konnte ohne Gutachten nicht final geklärt werden, ob es sich nicht doch nur um eine „Mündungsbremse“ handle. Außerdem stellte sich heraus, dass der Revolver ordnungsgemäß in der Waffenbesitzkarte eingetragen war. Hinsichtlich des unerlaubten Waffenbesitzes wurde das Verfahren daher eingestellt.

Weil er sich nicht kundig gemacht hatte: Gericht verurteilt Kirchseeoner zu Geldstrafe

Blieb noch die Frage zur Munition: Laut Richterin Vera Hörauf sei es nicht nachvollziehbar, dass sich damals keine weiteren Gedanken gemacht und dementsprechend nachgefragt wurde: „Einmal googlen hätte genügt“, so die Richterin. Das Gericht verurteilte den Mann schließlich zu einer Geldstrafe von 3600 Euro. Die Verteidiger erklärten direkt, dagegen in Berufung zu gehen.

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