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Idyllisch: Der südliche Ortstrand von Eglharting. Es geht um die zwei Doppelhäuser im Vordergrund.

Deswegen gibt‘s jetzt einen neuen Bebauungsplan

Illegal Garten vergrößert

Manchmal bringt ein kleiner Stein ganz schön was ins Rollen. Im Eglhartinger Fall wächst sich jetzt eine Beschwerde über eine zurechtgestutzte Linde aus zu einem Rattenschwanz in Form eines Bebauungsplanänderungsverfahrens.

Eglharting – Rückblick: Es war Ende Februar. Eine Kirchseeonerin beschwerte sich im Rathaus über eine „in rücksichtslosem Ausmaß“ zurückgeschnittene Linde in der Egilostraße.

Im Kirchseeoner Gemeinderat ging es jetzt am Montagabend aber nicht um das sonst Übliche, nämlich die Erhaltungswürdigkeit eines Schattenspenders oder das Bedauern über eine längst nicht mehr vorhandene Baumschutzverordnung. Am Montagabend standen auf eigene Faust und damit illegal vergrößerte Ortsrandgrundstücke zur Disposition. Und eben auch die heikle Frage, wie streng oder eben auch nett das Ratsgremium zu den Häuslebesitzer mit gärtnerischem Expansionsdrang sein wollte.

Der Leiter des gemeindlichen Bauhofs inspizierte damals die Lage. Er stellte ebenfalls den recht kräftigen Schnitt fest, mit dem der erhaltenswerte Baum verändert worden war, und dass die Beschwerdeführerin auch noch in einem weiteren Punkt Recht hatte – dass nämlich einige Anwohner ihre Grundstücksnutzung auf den Streifen der Ortsrandbegrünung ausgedehnt hatten. Die Gärten wurden am rund dreieinhalb Meter weiter gelegenen neuen äußeren Ende gar mit einem Zaun versehen.

Die Eigentümer der vergrößerten Grundstücke stellten diese Fakten nicht in Abrede. Sie seien aber erst vor ein paar Jahren eingezogen. Die Zäune hätten da bereits gestanden beziehungsweise seien wegen ständig freilaufender Hunde aufgestellt worden. Die Linde, so hieß es gegenüber der Gemeinde, habe man beschnitten, weil bei einem Sturm schon ein großer Ast auf ein Grundstück gestürzt sei.

Für Bürgermeister Udo Ockel (CSU) war klar, dass alles erst entstehen konnte, weil der damalige Bauträger „die Ortsrandbegrünung nicht mit aller Inbrunst vollzogen“ habe. Nicht glauben wollte der Rathauschef aber, dass die neuen Eigentümer von der eigentlichen Grundstücksgrenze innerhalb ihres Gartens nichts gewusst haben wollten. Das merke man allerspätestens am überaus günstigen Kaufpreis.

Ockels Beschlussempfehlung in der Sitzung verfolgte dann auch die harte Linie: Beseitigungsanordnung der Zäune über das Landratsamt und eine Einkürzung der vereinnahmten Ortsrandbegrünungsflächen.

Grünen-Gemeinderätin Natalie Katholing war milder gestimmt, hatte sich auch im Landratsamt erkundigt. Ihr Plazet in Abstimmung mit der Aufsichtsbehörde: Eine Duldung sei möglich, „weil’s schon sehr lange so ist“. In Abstimmung mit den Eigentümern schwebte ihr wegen der Hunde ein niedriger Staketenzaun vor, der eingegrünt werde.

Fast hätte die Fürsprecherin Erfolg gehabt. SPD-Gemeinderat Harry Blöchl konstatierte schon, „dass keine Lösung also auch eine Lösung ist“. Bis CSU-Fraktionssprecher Siegfried Seidinger die Frage stellte, inwieweit eine Duldung rechtlich anfechtbar wäre, und bis sein SPD-Pendant Sven Bittner feststellte, dass „eine Duldung immer ein Gschmäckle“ habe.

Mit 11:5 Stimmen wurde entschieden, alles auf ganz legale Beine zu stellen. Ein Bebauungsplanänderungsverfahren wird eingeleitet. Darin werden zuallererst einmal Zäune als Grundstücksabgrenzung für zulässig erklärt. Und die Ortsrandbegrünung, deren Flächen freilich immer noch dem damaligen Bauträger aus Emmerting gehören, werden den dann erweiterbaren Grundstücken zugeschlagen. Damit müssen die Häuslebesitzer noch zwei Hürden überspringen, um zum größeren Grundstück beziehungsweise größeren Garten zu kommen: Das Bebauungsplanänderungsverfahren läuft auf ihre Kosten über die Bühne. Und unbekannt ist noch der Preis, den der Bauträger für seine dann baurechtlich aufgewerteten Flächen wohl verlangen wird.

Bleibt noch nachzutragen: Laut Bürgermeister Ockel hat sich die Linde inzwischen „sehr gut erholt“.

Von Eb10erhard Rienth

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